Maradona schwärmt von Federer
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Die Londoner «Times» und wohl auch viele der 17'500 Fans im Stadion hatten Andy Murray vor der Partie leicht favorisiert. Aber auch Roger Federer war überrascht und «leicht schockiert», wie einfach an diesem Nachmittag für ihn alles ging. 76 Minuten reichten, um den Schotten nach Finalniederlagen in Toronto und Shanghai wieder zu schlagen und auf 6:8 Siege zu verkürzen. Das 6:4, 6:2 war sein klarster Erfolg gegen den enttäuschenden Weltranglistenfünften und bedeutete praktisch bereits die Halbfinalqualifikation, nachdem er im Startspiel schon David Ferrer keine Chance gelassen hatte (6:1; 6:4).
Prägende Erinnerungen hinterliess beim Weltranglistenzweiten danach auch das erstmalige Zusammentreffen mit Fussballlegende Diego Maradona, diese Woche ein Stammgast am Turnier. Der Argentinier ist seit Jahren Tennisfan, er hatte 1984 schon John McEnroes denkwürdige Finalniederlage in Paris gegen Ivan Lendl live erlebt. «Er sagte mir, er sei ein riesiger Fan meines Spiels und lobte mich in den Himmel, es hörte fast nicht mehr auf», erzählte Federer. Maradona spiele selber zweimal wöchentlich Tennis und habe mit ihm via einen Dolmetscher gesprochen, da er nicht gut Englisch könne. «Er freute sich fast mehr, mich zu treffen als ich ihn, dabei ist doch er die Legende. Er ist eben sehr euphorisch.»
Missglückter Auftritt Murrays
Weniger angenehm verlief der Nachmittag für Andy Murray, der schon im ersten Aufschlagspiel nur zwei von zehn Aufschlägen ins Feld brachte und im zweiten gebreakt wurde. Federer seinerseits gab als Aufschläger nur acht Punkte ab – was angesichts der Returnstärke des Schotten nicht hatte erwartet werden können. Der Sieger wurde nur einmal leicht geprüft, als er im zehnten Game einem 0:30 gegenüberstand, worauf er die nächsten vier Punkte und damit den Startsatz souverän gewann.
Im zweiten Durchgang stürmte Federer zu einer 4:0-Führung. Und hätte er eine der zwei Chancen im fünften Game verwertet, wäre Murray ein 0:6 kaum erspart geblieben. «Ich hatte vielleicht 30 Prozent erster Bälle im Feld und returnierte nicht gut. So kann man gegen einen Federer nicht gewinnen», übertrieb der Schotte, dem 43 Prozent der ersten Aufschläge glückten, fast doppelt so viele Fehler unterliefen (25:13) und der gegen Federer nun vier von fünf Duellen an den fünf grössten Turnieren verloren hat. Gegen Söderling hatte er noch um Klassen besser gespielt.
Federers bester Mastersstart
«Manchmal ist es schwierig, einen perfekten Match zu spielen, wenn um eine Partie so viel Rummel herrscht», sagte Federer. Damit deutete er an, dass für Murray der Erwartungsdruck wohl schwerer gewogen hatte als der Heimvorteil. Seine eigene Leistung beurteilte er weniger euphorisch als beispielsweise Maradona: «Ich spielte solid, machte sicher einige Sachen richtig und viel weniger Fehler als Murray.» Auf diesem langsamen Belag müsse man «clever» spielen, dürfe nicht kopflos angreifen und auch keine Angst vor langen Ballwechseln haben, wie es ihm gelungen sei. «Die Bedingungen liegen mir gut, zumal auch mein Slice sehr effizient ist. Diesmal konnte ich ihn frustrieren, in Shanghai war es noch umgekehrt gewesen.»
Erst zum zweiten Mal eröffnete Federer ein Saisonfinale mit 4:0 Sätzen – nach 2004, als er in Houston den zweiten seiner vier Titel gewonnen hatte. Er war schon vor einem Jahr in London mit zwei Siegen gestartet, seine Situation präsentiert sich aber nun ungleich besser. Damals hatte er gegen Fernando Verdasco und Murray je einen Satz abgegeben, worauf das grosse Rechnen begann. Federer unterlag im dritten Gruppenspiel Juan Martin Del Potro 2:6, 7:6, 3:6, stand aber nach dem zweiten Satz als Halbfinalist fest – während die ATP erst nach Verzögerungen und grosser Konfusion bekannt geben konnte, dass sich auch Del Potro qualifiziert hatte (beide unterlagen danach Dawidenko).
Morgen Donnerstag trifft Federer nun noch auf Robin Söderling, seinen Bezwinger von Paris. Gegen den Schweden führt er 14:1 und gewann die letzten Begegnungen am US Open und in Shanghai (6:1, 6:1) sicher. Er scheint auf bestem Weg, erstmals seit 2006 die Gruppenspiele am Saisonfinale ungeschlagen zu überstehen – was ihm bei seinen ersten fünf Teilnahmen, in Houston und Shanghai, stets gelungen war. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.11.2010, 08:13 Uhr





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