«Man muss ein Tier sein, um zu siegen»

Von René Stauffer, New York. Aktualisiert am 07.09.2010

Coach Peter Lundgren analysiert die Wandlung von Stanislas Wawrinka vom Zauderer zum Zauberer.

Freut sich über den Sieg gegen Andy Murray: Der Coach von Stanislas Wawrinka, Peter Lundgren.

Freut sich über den Sieg gegen Andy Murray: Der Coach von Stanislas Wawrinka, Peter Lundgren.

Wawrinka - Querrey im Live-Ticker

Tagesanzeiger.ch/Newsnetz berichtet ab 19.30 Uhr live vom US-Open-Achtelfinal zwischen dem Schweizer Überraschungsmann Stanislas Wawrinka und dem 1,98 m grossen Amerikaner Sam Querrey.

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Peter Lundgren, der 46-jährige frühere Spitzenspieler aus Schweden, sass am späten Sonntagabend in der Players Lounge des US Open, ein Lächeln im Gesicht. Dass Stanislas Wawrinka, mit dem er seit sechs Wochen arbeitet, eben Andy Murray aus dem Turnier geworfen hatte, war für den erfahrenen Coach und Vater zweier Kinder in diesem Moment fast ebenso schön wie der Wimbledon-Sieg, zu dem er Roger Federer 2003 geführt hatte.

Peter Lundgren, am ersten GrandSlam-Turnier an Ihrer Seite glückte Wawrinka sein grösster Sieg. Ist das Ihr Verdienst?
Er ist es, der hervorragend gespielt hat. Es ist erstaunlich, ein Traum. Ich kann es kaum glauben. Wenn man mit jemandem zu arbeiten beginnt und so schnell sieht, dass er umsetzt, was du ihm sagst, und auch die Resultate sofort kommen – das ist ein wunderbares Gefühl.

Wawrinka galt bisher als talentiert, aber zu nett für grosse Siege.
Er kann von mir aus so freundlich sein, wie er will. Aber auf dem Tenniscourt kann man nicht nett sein. Da muss man ein Tier sein, um zu siegen. Sonst wird es schwer. Er beginnt das zu verstehen. Er muss böser werden, den Gegner hetzen, die Schläge durchziehen. Jetzt hat er gezeigt, dass er das kann.

Was bringt ihm dieser Erfolg?
Er kann vieles verändern. Wawrinka hat gesehen, dass das, war er jetzt macht, tatsächlich funktioniert – in einem Bestof-5-Match gegen die Nummer 4 und einen der Turnierfavoriten. Das bekräftigt ihn, dass er auf dem richtigen Weg ist.

Als er den Startsatz trotz 5:2-Führung verlor und im zweiten Satz 0:3 zurückfiel, glaubten viele nicht mehr an ihn. Was geschah dann?
Wir hatten schon darüber gesprochen, dass er in solchen Situationen manchmal zu passiv wird, wenn er etwa einen Satz ausservieren muss. Er muss auch da aggressiv bleiben, selbst wenn ihm einige Fehler unterlaufen, das ist egal. Anstatt den Ball dem anderen zu geben – hier, mach was mit ihm, ich tue nichts, ich mache keine Fehler, aber riskiere auch nichts . . . Daran arbeiten wir. Ich versuche, seinen Kopf zu verstehen, wie er denkt. Er hilft mir sehr, hat sich geöffnet und mir gesagt, was er fühlt und denkt. Ich sagte «okay, aber das müssen wir ändern » .

Stellen Sie Veränderungen fest?
Ja, ich sehe viele Dinge, die zusammenkommen. Er ist viel aggressiver, serviert besser, lässt sich Zeit zwischen den Ballwechseln, hat keine Angst davor, passiert zu werden, sondern greift weiter an und steht weiter im Platz drin. Früher spielte er zu weit hinten. Dort ist er zwar auch stark und verteidigt sich gut – aber man gewinnt keine Partien gegen Topspieler. Gegen die muss man aufrücken.

Überraschte es Sie, dass er Murray körperlich überlegen war?
Mit Fitnesstrainer Pierre Paganini arbeitet er hervorragend. Aber etwas muss mit Murray passiert sein. Vielleicht hat er sich leicht verletzt – und danach brach er mental ein. Weil Stan gut servierte und ihn von links nach rechts hetzte, vor allem mit der Vorhand.

John McEnroe fand, dass der Schotte im dritten Satz eingeschüchtert wirkte, weil er merkte, dass Wawrinka stärker war.
Damit bin ich einverstanden.

Wie fanden Sie Murrays Leistung?
Nun, Stan spielte so gut, die ersten sieben Games war er klar besser als Murray. Danach kam dieser zurück und spielte selber ausgezeichnet. Es war ein komischer, aber ein guter Match, sehr attraktiv für die Fans.

Im dritten Satz wurde Wawrinka am rechten Bein behandelt. Was war los?
Er spürte eine Verhärtung, danach kamen Krämpfe dazu. Die ersten zwei Sätze hatten zweieinhalb Stunden gedauert, und das Niveau war ziemlich seriös. Ich denke, das Bein wird am Dienstag kein Problem sein.

Amerikanische Experten frohlockten, dass Sam Querrey gegen Wawrinka bessere Chancen haben würde als gegen Murray.
Natürlich sehen sie die positive Seite. Aber das heisst nicht viel. Es wird einen offenen Match geben. Querrey hat das Publikum auf seiner Seite, aber wenn Stan nahe am Niveau der Partie gegen Murray spielt, hat er eine gute Siegeschance.

Sie arbeiteten schon von 1997 bis 2003 in der Schweiz, für den Verband und Federer. Ist das für Sie eine Art Heimkehr?
Mit Stan zu arbeiten, war das Beste, das mir passieren konnte. Ich kannte und mochte ihn schon lange, dazu ist er ein Spieler, der zwar schon sehr gut ist, aber sich immer noch stark verbessern kann. Es macht Spass, einen solchen Spieler zu bekommen. Es ist ähnlich wie damals mit Marat (Safin): Er ist schon 25, das ist eine andere Art der Arbeit, von Mann zu Mann. Man muss sich nicht 50-mal wiederholen. Er weiss, warum er mich angestellt hat.

Wie viel besser kann er werden? Er stand ja schon in den Top Ten.
Das ist das Ziel – in die Top Ten zurückzukommen. Und dann schauen wir weiter. Wer Murray schlagen kann, kann alle schlagen, auch Federer bezwang er schon. Ich weiss, dass er es schaffen kann.

Wie kamen Sie zu Wawrinka?
Er rief mich an, nachdem ich aufgehört hatte, mit Grigor Dimitrov zu arbeiten. Ich stand noch bei der MouratoglouAkademie in Paris unter Vertrag, doch dort liessen sie mich gehen.

Wohnen Sie immer noch in Hunnebostrand bei Göteborg?
Ja. Aber ich habe noch immer eine Wohnung in der Nähe von Bern. Die werde ich nun wieder häufiger benutzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2010, 14:35 Uhr

Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 22:02
Keine Daten vorhanden
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Roland Garros
27.05EndeCipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 6:3 2:6
Stand: 27.05.2012 16:09
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0516:15Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0512:15Federer - Kamke
28.0513:30Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
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