Federers Tellsgeschoss zischt um die Welt
Von René Stauffer, New York. Aktualisiert am 30.08.2010 8 Kommentare
Tennis-Experte: René Stauffer bloggt für Sie aus New York.
Der brasilianische Nachahmer
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Selbst Robert Federer, der am Sonntag über den Atlantik nach New York flog, wusste die Antwort nicht: Hatte sein Sohn nun oder hatte er nicht….? Es ist die Frage, die seit zwei Wochen die Tenniswelt in Atem hält und auch weit darüber hinaus heiss diskutiert wird, in einem nie erwarteten Ausmass: Hat Roger Federer einem Statisten tatsächlich mit einem Aufschlag aus ein paar Metern eine Flasche vom Kopf geschossen oder war alles nur fauler Zauber?
Das bei Werbeaufnahmen für Gillette in Zürich im Juli gedrehte Filmchen wurde allein auf Youtube schon über sechs Millionen Mal angeklickt und bis gestern über 5000-mal kommentiert. Die Szene wird seziert, verlangsamt, und viele schreiten selber zur Tat. Ein britischer Fernsehsender etwa stülpte einem Opfer einen Helm über, setzte eine Flasche drauf und liess ihn von mehr oder weniger geschickten Kollegen mit Tennisbällen bombardieren – mit einer erschreckend tiefen Trefferquote. In zahllosen Foren und auf Websites rund um die Erde wird in allen möglichen Sprachen gerätselt, diskutiert, debattiert. Sogar der «Schwarzwälder Bote» meldete: «Federer gelingt sensationeller Kunstschoss.» Der neue Tell übt sich derweil in vornehmer Zurückhaltung: «Ein Zauberer pflegt seine Tricks nicht zu verraten», kommentierte Federer schelmisch, womit er das Thema noch anheizte.
Am heissen Wochenende vor dem US Open gab er zu, von den vielen Reaktionen auf das Video selber überrascht worden zu sein: «Ich kann es selber kaum glauben, wie viele Hits dieser Film erhält. Ich freue mich darüber, bin aber auch etwas schockiert. Immerhin war das ja nur eine kleine Sache, es dauerte nur fünf, zehn Minuten, fertig.»
Bevor Sie nun selber aktiv werden und einen Apfel auf ihrem Walterli mit der Armbrust, sorry, ihrem Racket ins Visier nehmen, möchte ich Sie aber noch auf einen Feldversuch hinweisen, den mein Freund Chiquinho in Brasilien für seine Tennissendung auf «Band Sports» unternommen hat. Auch er schoss einer Kollegin mit Schläger und Ball perfekt auf Anhieb eine Flasche vom Kopf – dabei kann ich Ihnen versichern, dass Chiquinhos Aufschläge im wahren Leben nicht wirklich beeindruckend genau sind. In seinem Blog verriet er aber auch, wie sein Ball tatsächlich zur Flasche gekommen war: Durch geschickte Kollegenhände vor dem Computerbildschirm. Persönlich würde ich mich jedenfalls, bei allem Respekt für Federers Präzision, nicht schutzlos seinen 200 km/h-Hämmern stellen. Auch einem Tennismagier könnte ja mal ein Doppelfehler unterlaufen.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.08.2010, 14:28 Uhr

