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Die eiserne Reserve ist aufgebraucht

Von Adrian Ruch. Aktualisiert am 28.01.2011 1 Kommentar

Roger Federers Mission Titelverteidigung am Australian Open ist gescheitert. Die Big Points gewann der Serbe Novak Djokovic – er siegte 7:6, 7:5 und 6:4.

Enttäuschung bei Roger Federer: Der Baselbieter blieb im Halbfinal des Australian Open gegen Novak Djokovic ohne Satzgewinn.

Enttäuschung bei Roger Federer: Der Baselbieter blieb im Halbfinal des Australian Open gegen Novak Djokovic ohne Satzgewinn.
Bild: Keystone

Roger Federer ist im Tennissport das Mass aller Dinge. Der 29-Jährige hat 16 Grand-Slam-Titel gewonnen, mehr als jeder andere in der Geschichte. Es kann durchaus noch der eine oder andere dazukommen, aber es muss alles stimmen. Die Zeiten, als Federer, wenn immer es nötig war, einen Gang höher schalten konnte, sind vorbei. Das wurde im Australian-Open-Halbfinal offensichtlich. Der Titelverteidiger war keineswegs von der Rolle, und doch war sein Widersacher, Novak Djokovic, in der Rod-Laver-Arena der bessere Mann und nach drei Stunden der verdiente Sieger (7:6, 7:5, 6:4). Die spektakulärsten Punkte machte das Tennisgenie aus dem Baselbiet, doch die wichtigsten untypischerweise sein serbischer Widersacher.

Die Niederlagen gleichen sich

Auch wenn es Federer, sowieso kein Freund von Statistiken, selber nicht wahrhaben wollte: Er verlor, weil seine Rückhand zu wenig stabil war. Djokovic buchte in drei ausgeglichenen Sätzen nur acht Punkte mehr (119:111), er beging aber mit der Rückhand 15 unerzwungene Fehler weniger (13:28). In allen anderen statistischen Kategorien wiesen die beiden Kontrahenten quasi die gleichen Werte auf. Der «langsame» Belag und die kühle Witterung marginalisierten die aussergewöhnlichen Fähigkeiten der Nummer zwei und kamen ihrem Bezwinger entgegen. «An diesem Turnier zeige ich mein bestes Tennis; der Belag passt perfekt zu meinem Spiel», sagte Djokovic. Letztes Jahr am US Open war Federer dem Serben gemäss eigener Aussage unterlegen, weil er angesichts der längeren Erholungszeit Rafael Nadals vor dem Final die Entscheidung rasch hatte erzwingen wollen. In Wimbledon hatte er, durch körperliche Beschwerden leicht behindert, gegen Tomas Berdych und zuvor in Paris bei Nieselregen gegen Robin Söderling verloren.

Derartige negative Faktoren hatte es auch zu jener Zeit gegeben, als Federer die klare Nummer eins war, nur liess er sich damals davon nicht aufhalten. Viermal hintereinander hat es Roger Federer an einem Major nicht geschafft, den Final zu erreichen. Die erwähnten Niederlagen lassen nur einen Schluss zu: Er verfügt gegen seine stärksten Konkurrenten über keine eiserne Reserve mehr, die es ihm erlaubt, sich auch unter widrigen Umständen oder mit einer durchschnittlichen Leistung durchzusetzen. Vor allem kann er es sich keinesfalls leisten, bei den Big Points zu patzen.

Djokovic übt Zurückhaltung

Der Schweizer hat das sportliche Niveau auf eine vor seiner Blütezeit undenkbare Höhe angehoben. Rafael Nadal, der Akkordarbeiter aus Mallorca, schaffte es als Erster, den Rückstand wettzumachen. Mittlerweile hat auch Djokovic gleichgezogen, und Andy Murray ist drauf und dran, die Lücke zu schliessen. «Es war lange sehr schwierig, Nadal und Federer herauszufordern, vor allem an den grossen Events, wenn sie ihr bestes Tennis spielten», erzählte Djokovic in Melbourne, «jetzt beginnt sich dies aber zu ändern.»

Obwohl die erfolgreichste Zeit des Schweizers zweifellos vorbei ist, hütete sich der 23-Jährige, zu prognostizieren, die Ära Federer/Nadal gehe zu Ende. Auch wenn er diesmal stärker gewesen sei, befinde sich Federer in einer aussergewöhnlichen Form und sei bestrebt, wieder die Weltranglistenspitze zu erobern. Nadal sei zuletzt sehr dominant gewesen, meinte die Nummer drei und folgerte: «Wir anderen stehen immer noch hinter den beiden.» In der Tat dürfen die Ereignisse der beiden letzten Tage nicht überbewertet werden. Erst zum dritten Mal in den letzten Major-Turnieren stehen weder Federer noch Nadal im Final, und zum dritten Mal passierte es in Melbourne. Die Umstände waren wie vor drei Jahren, als der Baselbieter am Pfeifferschen Drüsenfieber litt, aussergewöhnlich: Nadal verletzte sich im Viertelfinal, verlor gegen David Ferrer und machte für seinen Landsmann oder den Schotten Murray unfreiwillig den Weg frei. Tennis ist ein schnelllebiges Geschäft – in Paris und Wimbledon kann vieles schon wieder anders aussehen.

Einfacher wird es nicht

Federer hielt an der Pressekonferenz nach der Niederlage gleich mehrfach fest, dass er optimistisch in die Zukunft blicke. Das darf er durchaus. Obwohl er mit 29 Jahren in der Spitzengruppe der Älteste ist, befindet er sich körperlich in einer beneidenswerten Verfassung. Und spielerisch muss er sich immer noch vor niemandem verstecken. Vor zwei Monaten hatte er an den ATP World Tour Finals in London seine härtesten Rivalen deklassiert. Und in Melbourne schwärmte Mats Wilander nach dem ersten Auftritt des 16-fachen Grand-Slam-Champions, er habe noch nie besseres Tennis gesehen. Sowohl in der O2-Arena als auch in der Startrunde des Australian Open gegen Lukas Lacko waren die Bedingungen für Federer optimal gewesen, gestern waren sie das nicht.

Es hat nie jemand behauptet, es sei einfach, Grand-Slam-Turniere zu gewinnen, Roger Federer liess es in der Vergangenheit nur einfach erscheinen. Doch längst gelten auch für den einstigen Überflieger irdische Regeln. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.01.2011, 09:10 Uhr

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1 Kommentar

Peter P. Odermatt

28.01.2011, 10:06 Uhr
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Zeit für Federer Abschied zu nehmen. (Noch) mit erhobenem Kopf. The time is over. Antworten



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EndeNorwegen - England0:1
Playoff
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Stand: 26.05.2012 17:02
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Stand: 25.05.2012 09:25
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Stand: 25.05.2012 15:24
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