(Un)klares Gezwitscher von Cancellara
Von Micha Jegge. Aktualisiert am 11.10.2011 1 Kommentar
Fabian Cancellara fährt 2012 für Radioshack-Nissan-Trek. (Bild: Max Füri)
Die Meldung erstaunt. Die Sitzungen mit Johan Bruyneel seien allesamt über die Bühne gegangen, lässt Fabian Cancellara seine Anhänger über die Internetplattform Twitter wissen. Und: «Ich kann euch sagen, es wird grossartig und erfolgreich werden.» Für Nicht-Insider liesse sich der erste Teil der Botschaft folgendermassen übersetzen: Ich werde im nächsten Jahr für Radioshack-Nissan-Trek fahren, die Mannschaft, welche aus der Fusion von Radioshack und Leopard Trek entstand, als deren Manager Johan Bruyneel amten wird.
Der zweite Teil des Gezwitschers wirft selbst für informierte Kreise Fragen auf. Die Bekanntgabe der Kooperation war für Cancellara und die meisten anderen Angestellten von Leopard Trek eine düstere Nachricht gewesen. Bruyneel, der Mentor Lance Armstrongs, verkörpert wie kaum ein Zweiter die Vergangenheit, die im Radsport mittlerweile etliche Protagonisten hinter sich lassen möchten. Stellung bezog der Berner nicht; an der WM in Kopenhagen war ihm jedoch anzusehen, wie stark der drohende Verlust des für ihn eminent wichtigen, schon fast familiären Umfelds schmerzte. Der Gedanke an die Frage, wie es weitergehen soll, dürfte ihn in Dänemark zumindest im Zeitfahren gebremst haben. Die Optionen hielten sich jedoch in Grenzen, auch wegen des laufenden Vertrages. Und nun soll, mit Bruyneel am Regiepult, alles «grossartig und erfolgreich» werden.
Für eine Stellungnahme war Cancellara gestern nicht erreichbar. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich der 30-Jährige nicht zuletzt mangels vernünftiger Alternative mit der Situation abgefunden und in Gesprächen mit Bruyneel versucht hat, das Bestmögliche herauszuholen. In erster Linie dürften sich die Diskussionen um seine wichtigsten sportlichen Bezugspersonen gedreht haben, lies den Sportlichen Leiter Torsten Schmidt, den Mechaniker Roger Theel und den Masseur Thomas Heidrich.
Wie es mit des Ittigers engsten Verbündeten auf der Strasse weitergeht, ist offen. Die Schleck-Brüder, die Cancellara als Freunde bezeichnet, haben sich bisher nicht zum neuen Team bekannt. Laut einem Luxemburger Boulevardblatt soll sich Andy Schleck abschätzig über Bruyneel geäussert haben. Demselben Erzeugnis war jedoch auch zu entnehmen, der dreimalige Tour-de-France-Zweite leide an einem Burn-out. Fortsetzung folgt. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.10.2011, 10:30 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
1 Kommentar
"Bruyneel verkörpere wie kaum ein Zweiter die düstere Vergangenheit". Dann ist ja alles andere, wenn noch nicht ganz sauber, zumindest auf dem raschen Weg der Besserung. Da kann ich nur lachen. Wohl sind die Dopingjäger besser ausgerüstet, der Abstand zum Nichtnachweisbaren hat sich aber mindestens (!) gehalten. Kritische Molekularbiologen werden totgeschwiegen und die Sp(r)itzenshow geht weiter. Antworten

Bitte warten
Sportbilder


