Todes-Rallye lockt die Massen an
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 13.01.2010
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Der Korrespondent der deutschen «FAZ» umschreibt einen der umstrittensten Sport-Events überhaupt als «Volksfest in der Wüste». Denn viele Schaulustige haben sich bei der Dakar-Rallye, die zum zweiten Mal in den kargen Wüstengebieten im Norden Argentiniens und Chiles durchgeführt wird, eingefunden. Wenn das Fussvolk in Massen zum Spektakel auf vier und zwei Rädern strömt, darf letztlich auch die Politik nicht fehlen. Beim Ruhetag in der chilenischen Hafenstadt Antofagasta gibt sich sogar Staatspräsidentin Michelle Bachelet die Ehre und stattet dem Rallye-Tross einen Besuch ab.
Die Zuschauer suchen den Reiz
Die Gefahr dieser verrückten Rallye, die auch heuer schon ein Todesopfer unter den Zuschauern gefordert hat, macht von jeher einen Teil ihres Reizes aus. Das gilt sowohl für die Piloten als auch für die neugierigen Fans. «Das Unglück war schlimm. Aber die Leute kommen einfach oft so nah wie möglich an die Autos heran, gerade in Argentinien.» Da laute das Motto: je näher desto besser, erklärte Sven Quandt, Chef des Teams X-raid gegenüber der «FAZ».
Erfahrene Dakar-Rallye-Piloten schwärmen zwar von der Begeisterung, mit welcher die argentinische und chilenische Bevölkerung in diesen ärmlichen Regionen das Geschehen verfolgt. Aber sie sind auch besorgt über die Gefahren. Die Zuschauer postieren sich an den gefährlichsten Stellen einer Kurve. Oder die Ortschaften sind wie leergefegt, weil dort ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern herrscht – am Ortsende jedoch, dort wo wieder aufs Gaspedal gedrückt werden darf, hat sich die gesamte Bevölkerung eingefunden.
Auch eine Werbeplattform
«Solche Unfälle sind immer wieder tragisch und traurig, ob im Motorsport oder anderswo. Aber wir können die Fahrzeuge nur so sicher wie möglich machen und alles dafür tun, dass unsere Teammitglieder die Vorgaben wie etwa die Tempolimiten einhalten», erklärt Kris Nissen, Motorsport-Direktor von Volkswagen. Seine drei Teams mit den Piloten Carlos Sainz (Sp), Nasser al-Attija (Katar) und Mark Miller (USA) führen nach neun Etappen die Gesamtwertung bei den Autos an. Für VW ist die umstrittene Rallye aus werbetechnischer Sicht eine interessante Plattform. Deshalb hat es Nissen nicht eilig, die Rallye wieder auf dem afrikanischen Kontinent zu fahren. Der Däne, einst selbst am Steuer erfolgreich, könnte sich die Dakar-Rallye auch in Russland, China oder Indien vorstellen. Also Regionen, die punkto Begeisterung der Bevölkerung und punkto Marktpotenzial ähnlich interessant seien wie Südamerika.
Die Entscheidung, ob VW der Rallye treu bleibt, will die Konzernspitze Anfang März im niedersächsischen Wolfsburg bekanntgeben. Ein dreifacher Triumph in der Dakar-Rallye 2010 könnte die Entscheidung zumindest beeinflussen.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.01.2010, 15:03 Uhr
