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Nico Müllers Leidenschaft kostet 500'000 Euro - pro Jahr

Der Oberländer Nico Müller fährt im Rahmenprogramm der Formel 1 - dafür muss er eine halbe Million Euro auftreiben.

Gelungener Test: Nico Müller war im GP-3-Auto auf Anhieb schnell.

zvg

Die Sponsorensuche sei energieraubend, Schweizer Firmen würden kaum investieren, sagt Nico Müller.

Die Sponsorensuche sei energieraubend, Schweizer Firmen würden kaum investieren, sagt Nico Müller. (Bild: Andreas Blatter)

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Vor drei Wochen feierte Nico Müller seinen 18.Geburtstag, bald will er Fahrstunden nehmen und die Prüfung absolvieren. Diese dürfte dem Berner Oberländer aus Blumenstein leicht fallen: Gaspedal und Motorengeheul sind ihm nicht fremd, seit sechs Jahren fährt er rennmässig über den Asphalt.

Als 10-Jähriger sass er erstmals in einem 7 PS starken Kart. Stetig ging es in Müllers Karriere aufwärts, 2010 fährt er in der GP-3-Serie. Es ist dies die zweitletzte Vorstufe zur Formel 1, die meisten Rennen finden im Vorprogramm der Königsklasse statt. Aerodynamisch sind die Autos hoch entwickelt, Tempi bis 280 Stundenkilometer werden erreicht. Doch nicht nur das Gefährt ist pompöser geworden, auch die Dimensionen haben sich verändert. Massiv.

In den Wintermonaten pflegen Rennfahrer die physische Basis für die neue Saison zu legen; auch Nico Müller hat Ausdauer gebüffelt, den Nacken durch intensives Krafttraining gestärkt. Daneben kümmerte er sich vor allem um eine Sache: Geld. Er muss Sponsoren suchen, denn der Motorsport hat seinen Preis. «Jeder einzelne Kilometer kostet sehr viel», sagt der Gymnasiast.

Eine halbe Million Euro (rund 730'000 Fr.) muss Müller berappen, um im Schweizer Jenzer-Team ein Cockpit zu erhalten. Die Miete für das Auto, den Unterhalt sowie zwei Mechaniker und den Ingenieur muss er finanzieren. Hinzu kommen die Transport- und Reisekosten. Noch hat er die Summe nicht ganz beisammen, «ein kleines Risiko muss man eingehen».

500'000 Euro – ein hoher Betrag, bedenkt man, dass Müller nur an acht Rennen und ebenso vielen Testtagen das Auto steuern darf. Doch jede einzelne Runde auf dem Asphalt ist wertvoll. «Nur beim Fahren werde ich besser, und nur auf diese Weise wird Notiz von mir genommen.» Die Suche nach Geldgebern sei energieraubend, Schweizer Firmen würden kaum investieren. Die Anforderungen sind jedoch hoch: Als Exklusivsponsor mit Auto- und Overallpräsenz sind 300'000 Euro zu zahlen, ein Teilsponsoring kostet 50'000 Euro. Selbst ein Logo im Online-Newsletter ist 1000 Euro wert.

Vergangenes Jahr entschied Müller die Formel Renault Suisse für sich und wurde Dritter im Rookieklassement des europäischen Pendants; er gewann neun Rennen. Deshalb sei er für die GP-3-Serie ein Thema geworden, erklärt er. Bis vor wenigen Wochen stand die Teilnahme aus finanziellen Gründen allerdings in den Sternen, Müller zog in Erwägung, die ersten Rennen auszulassen und auf eine Preissenkung eines Teams zu spekulieren. Hilfe kam aus der Ferne: Ein Unternehmer aus China zahlt eine sechsstellige Summe. Den Kontakt fädelte Müllers Vater ein, welcher einst selbstständig gewesen war und im asiatischen Raum geschäftet hatte.

Aus Nico Müllers Passion zum Motorsport ist ein kleines Familienunternehmen geworden. Der finanzielle und zeitliche Aufwand sei immens, man entwickle einen anderen Bezug zum Geld, erklärt Mutter Ursula. Sie habe sich kritische Stimmen anhören müssen, «der Motorsport wird eben nicht von allen geliebt».

Reif und abgeklärt erzählt Müller, dass er spätestens in der zweiten GP-3-Saison um den Sieg mitfahren müsse. «Sonst kann ich es sein lassen. Ich würde uninteressant und nicht mehr gefördert. Und: Ich will nicht, dass sich meine Familie verschuldet, nur damit ich im Kreis herumfahren kann.» Es sei seine Stärke, mit Druck umzugehen, sagt Müller. Dies bewies er vor Jahresfrist: Drei Tage nachdem er mit 170 Sachen rückwärts in eine Mauer gerast war, gewann er den «Rookie Test» der Formula Master und damit ein Rennauto. «Dieses konnte ich gut gebrauchen, nachdem ich das andere schrottreif gefahren hatte», erzählt er augenzwinkernd.

Im französischen Le Castellet hat Nico Müller das neue GP-3-Auto erstmals getestet; das «Roll-out» sei zufriedenstellend verlaufen, sagt er. Er hielt seine Teamkollegen in Schach, konnte sich in den Top 10 etablieren. In der am 7.Mai in Barcelona beginnenden Saison gelte es mehr denn je, Kontakte mit «einflussreichen Menschen» zu knüpfen. Der wohl einzige Weg in die Formel 1 führe aber über Peter Sauber. «Mit ihm hatte ich noch keinen Kontakt. Ich hoffe, dass sich dies bald ändern wird.»

Müller will mit dem Motorsport seinen Lebensunterhalt verdienen. Er ist sich bewusst, dass der Eintritt in die Formel 1 wenigen gelingt. «Es kann am Geld scheitern», sagt er. «Aber auch an mir.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.03.2010, 08:17 Uhr

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3 Kommentare

hans-peter rufener

16.03.2010, 11:42 Uhr
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Die beiden Vorkommentare kommen wir vor, wie die der Alpin Truppe Oestereichs aus Vancouver. Nico Müller ist ein Ausnahmetalent wie unsere Schweizer Alpin Skifahrer, als Mensch wie im Automobilsport. Er ist mindestens so feurig wie ein Italiener. Bitte schauen sich doch einmal auf Jenzer Motorsport seine Laufbahn an und dann verstummen Sie. Es gibt nun einmal solche Ausnahmetalente. Antworten


peter alles

16.03.2010, 09:45 Uhr
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ja frag doch mal auf dem sozialamt, die zahlen heute alles;-) Antworten


Anina Kornfelder

16.03.2010, 08:57 Uhr
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Sorry liebe pubertierende und spät-pubertierende Renn-Schweizer aber wirkliche Talente für den Motorsport kommen nicht aus unserem Lande. Die natürliche Schnelligkeit von einem feurigen Brasilianer oder Italiener kann wenn überhaupt nur mit grossem Aufwand angenähert werden. Antworten



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