Meisterlicher Meister bleibt Meister

Der SC Bern deklassiert den EV Zug im sechsten Spiel des Playoff-Finals zum 3. Mal (5:1) und wird zum 15. Mal Schweizer Eishockeymeister. Die Berner waren insgesamt mindestens eine Klasse besser als die Zuger.

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Am Schluss ist es nur noch ein Schaulaufen. Der SC Bern spielt, weil Zug-Kanadier Josh Holden David Jobin mit dem Stock im Gesicht getroffen hat, die letzten dreieinhalb Minuten mit einem Mann mehr. Doch das Team Kari Jalonens strebt keinen Treffer an, das muss es auch nicht: Es führt 5:1. Dann zählen die mitgereisten SCB-Fans in der Bossard-Arena die Sekunden herunter. Schon vor der Null fliegen Stöcke und Handschuhe aufs Eis.

Die fünf Feldspieler stürmen auf Goalie Leonardo Genoni zu, jene von der Bank folgen Augenblicke später. Und dann gesellen sich auch schon die Überzähligen hinzu. Captain Martin Plüss wartet kurz auf den Strassenkleider tragenden Marc Reichert und umarmt ihn herzlich. Die Zeit der beiden beim SCB ist zu Ende, genau wie jene Jobins. Die Anhänger der Einheimischen haben sich von ihrer Schockstarre erholt, rufen, die jubelnden Berner vor Augen, immer wieder «EVZ, olé». Unter dem Videowürfel ist «Der EV Zug gratuliert dem SC Bern zum Meistertitel» zu lesen.

«EVZ, olé», skandierten ab der 23. Minute die Zuger Fans im Stehplatzsektor. Doch sie fanden anders als noch zu Matchbeginn auf den Sitzplätzen keinen Widerhall mehr. Der SCB hatte die Hoffnungen der Gastgeber auf den zweiten Meistertitel in der Klubgeschichte früh geknickt. Nach 19 Sekunden des zweiten Durchgangs traf Simon Moser. EVZ-Keeper Tobias Stephan hatte zuerst zwar mirakulös pariert, beförderte dann die vom Pfosten zurückprallende Scheibe aber unglücklich mit dem Stock hinter die Linie. Kurz darauf traf Ramon Untersander mit einem nicht unhaltbar scheinenden Weitschuss – nach nur vier Sekunden Powerplay.

Es stand nicht etwa 2:0, sondern schon 4:0 für die Mutzen. Im ersten Drittel hatte das Team Jalonens vorgelegt, und zwar mit gütiger Mithilfe der beiden wichtigsten Zuger Akteure. Zuerst liess sich der ehemalige NHL-Verteidiger Raphael Diaz von Thomas Rüfenacht vor dem eigenen Tor den Puck abluchsen, dann Stephan vom hinter dem Gehäuse postierten Ryan Lasch düpieren. Der SCB-Amerikaner avancierte so auf spezielle Art zum Meisterschützen. Kein Wunder, war die Stimmung in der Bossard-Arena früh auf dem Tiefpunkt angelangt.

Vor dem letzten Heimspiel der Saison hatten die Zuger Anhänger ihre Lieblinge mit der Botschaft «Zämä stah & wiiter gah» empfangen. Die SCB-Fans wirkten schon da sehr zuversichtlich; jedenfalls nutzten sie ihre Plattform nicht für aufmunternde Worte, sondern für grundsätzliche Kritik am Schweizer Fernsehen: «Provinzfuessbau wichtiger als Titelkampf?» Es war eine berechtigte Frage, fand das sechste Spiel des Playoff-Finals doch trotz Feiertag um 20.15 Uhr statt, weil das SRF am Nachmittag Luzern - St. Gallen übertragen wollte. Die Berner waren, wie sich schon bald zeigen sollte, nicht ohne Grund zuversichtlich.

Um 22.45 Uhr ist es dann soweit. Plüss wird der Pokal überreicht – von Verbandspräsident Marc Furrer. Der Captain stemmt den «Chübu» passenderweise gemeinsam mit Reichert und Jobin in die Höhe. Die Mutzen hüpfen auf dem Podest, während sich die Zuger Akteure mit Silbermedaillen um den Hals kurz vor ihren Anhängern verabschieden und dann einen Abgang machen.

Es ist eine passende Szenerie zum Abschuss der nationalen Eishockeysaison. «Wir waren das beste Team in der Liga», stellt Cheftrainer Jalonen zurecht fest. Der Finne sagt, der Trainerstab habe die Mannschaft bestmöglich auf die Playoffs vorbereitet, «dann ging es nur noch um die Spieler. Ich liess sie einfach spielen.» Und sie spielten meisterlich auf, waren im Playoff-Final mindestens eine Klasse besser als die Zuger. Das zeigt allein das deutliche Gesamtskore von 23:9. Der SCB hat den Titel erfolgreich verteidigt – ein wahres Meisterstück. Denn das war letztmals den ZSC Lions vor 16 Jahren gelungen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.04.2017, 02:04 Uhr

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