Es gibt nur Verlierer

Sportredaktor Reto Kirchhofer über den Abgang des SCB-Spielers Martin Plüss.

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Der SC Bern wollte mit Martin Plüss um eine Saison verlängern. Plüss wollte eine weitere Saison in Bern bleiben. Merke: Eine einfache Ausgangslage schützt nicht vor komplizierten Verhandlungen. Nun sind diese tatsächlich gescheitert. Weshalb? Die Beteiligten wollen sich nicht äussern. Dennoch ist die Suche nach Gründen für die Trennung kein Fischen im Trüben. Es geht um Geld. Um Wertschätzung. Um Sturheit und um Hartnäckigkeit.

Der SCB ist seit längerem bestrebt, den Ablösungsprozess vom Captain voranzutreiben. In der ersten Verhandlungsphase wurde Plüss deshalb eine Rolle als «Entwicklungshelfer» offeriert. Der Center sollte sich mit weniger Eiszeit begnügen, sich vermehrt der Jüngeren annehmen, Zuzug Gaëtan Haas als Nachfolger aufbauen.

Das Angebot kam für den ambitionierten Captain einem Affront gleich, beeinträchtigte das Gesprächsklima nachhaltig. Weil Plüss merkte, dass er auch mit bald 40 Jahren das Spiel des SCB prägen kann, war er verständlicherweise auch nicht bereit, zu günstigeren Konditionen zu verlängern. Erst recht nicht in Zeiten, in denen Schweizer Center mit Klasse ein rares Gut und steigende Löhne an der Tagesordnung sind.

Plüss’ Werte sind noch immer beeindruckend – spielerisch wie konditionell. Er ist in dieser Verfassung schlicht zu gut für die vom Klub für ihn vorgesehene Rolle. Für Plüss zählt das Leistungsprinzip, entsprechend wollte und will er beurteilt werden. Sportchef Alex Chatelain hingegen gewichtete die Faktoren Alter und Zukunft stärker. Dies war der Zankapfel.

Verstehen kann man beide Seiten. Irgendwie. Und doch hinterlässt das Vorgehen der Klubverantwortlichen einen schalen Beigeschmack. Ein Spieler, der selbst in Krisenzeiten stets seine Leistung gebracht hat, der hätte es verdient, beim Aushandeln seines wohl letzten Vertrags ausschliesslich an ebendiesen Leistungen gemessen zu werden.

Die Suche nach «Schuldigen» ist im Endeffekt unnütz. Und die Verlierer sind längst gefunden. Der Klub verliert eine herausragende Führungspersönlichkeit, die Mannschaft wird wesentlich geschwächt. Und der Spieler muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob er im Spätherbst seiner Aktivzeit tatsächlich einen Neuanfang bei einem anderen Verein wagen oder die Karriere beenden will. Notabene trotz hervorragender Verfassung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.02.2017, 21:58 Uhr

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