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«Zuerst müsste ich mein Deutsch verbessern»

Von Reto Kirchhofer. Aktualisiert am 12.10.2012 3 Kommentare

Joe Thornton, kanadischer NHL-Star des HC Davos, spricht vor dem heutigen Heimspiel gegen den SCB über Trainer Arno Del Curto und erklärt, weshalb er gegen die Von-Arx-Brüder keine Skirennen bestreitet.

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Bodenständiger NHL-Star in den Bündner Bergen: Der Kanadier Joe Thornton bezeichnet Davos als «zweite Heimat». (Bild: Keystone )

Womöglich ist es bloss ein Gerücht, vielleicht entspricht die Geschichte auch der Wahrheit: Als Joe Thornton und Rick Nash während des Lockout 2004 erstmals nach Davos kamen, war es mit der Trainingsmoral des Duos nicht zum Besten bestellt. Trainer Arno Del Curto missfiel dies, weshalb er eines Abends die zwei NHL-Stars regelrecht zusammenstauchte und drohte, sie unverzüglich nach Nordamerika zurückzuschicken, sollte sich ihre Einstellung nicht bessern.

Arno Del Curto blickt über die oberen Ränder seiner Brillengläser und sagt: «Ich lasse es dahingestellt, ob diese Geschichte stimmt oder nicht. Das ist Privatsache und geht niemanden etwas an.» Dann sprudeln die Worte im Höchsttempo aus ihm heraus: «Nash und Thornton sind Supertypen. Beide wurden mit uns Meister, beide haben danach gute Verträge in der NHL erhalten und überzeugt, beide sind wieder gerne nach Davos gekommen, beide geben alles für das Team. Das ist es, was zählt.»

Joe Thornton tritt aus der Davoser Garderobe, atmet kurz durch. «Das Training war hart, jedes Training mit Arno ist hart», sagt er schmunzelnd, setzt sich an den Tisch und lässt sich die eingangs erwähnte Geschichte erzählen.

Wollte Sie Trainer Arno Del Curto damals tatsächlich nach Hause schicken?
Joe Thornton: Nein, das ist nicht richtig. (Rick Nash geht vorbei) Hey Rick, was meinst du zu dieser Story? (Nash schüttelt den Kopf) Sehen Sie, es stimmt nicht (schmunzelt).

Welche konkreten Erinnerungen haben Sie an Ihre erste Zeit in Davos?
Nur grossartige. Rick und ich, wir hatten nicht gewusst, was uns erwarten würde. Wir erlebten eine tolle Zeit, gewannen den Spengler-Cup und die Meisterschaft gegen den ZSC. Wir haben es genossen, es war eines der schönsten Jahre meiner Karriere.

Im Halbfinal hatte Davos den SC Bern besiegt.
Ja, Bern war sehr stark, und die Fans dort waren laut – eine tolle Halle.

Was erwarten Sie vom kommenden Heimspiel gegen Bern?
Jedes Spiel in der Schweiz ist schwierig. Bei uns fällt mit Reto von Arx ein weiterer Spieler aus, deshalb müssen andere nach vorne treten. Wir brauchen noch etwas Zeit, aber ich bin zuversichtlich.

Erinnern Sie sich auch an die SCL Tigers?
Klar. Ich mochte es, in diesem kleinen Dorf zu spielen. Und die Old-School-Eishalle war sehr speziell.

Sind Sie stets aufdatiert, welche NHL-Spieler zu welchem Schweizer Team wechseln?
Nicht wirklich. Aber die Mitspieler erzählen es mir ab und zu. Ich weiss zum Beispiel, dass Zetterberg nach Zug geht.

Wie beurteilen Sie das Niveau in der National League A?
Es ist gestiegen. Das Spiel wurde schneller, die Systeme wurden besser – und vor allem werden die Trainer besser. Sie haben mehr Einfluss auf die Spieler als vor 12, 13 Jahren. Das ist gut so.

Wird auch Del Curto besser?
Arno bleibt gut. Sehr gut.

Können Sie Ihren Coach mit drei Begriffen charakterisieren?
Charismatisch, fordernd, immer unter Strom stehend.

Ruft er Sie tatsächlich in Kalifornien an, wenn Sie mit den San Jose Sharks eine schlechte Partie gespielt haben?
Normalerweise ruft er an und sagt: «Joe, du spielst gut, weiter so.» (lacht) Es ist schön, mit ihm in Kontakt zu stehen.

2005/2006 wurden Sie mit 125 Punkten Topskorer der NHL. Ihre beste Saison absolvierten Sie also nach dem Zwischenjahr in Davos – Zufall?
Nein. Ich hatte in der Schweiz viel an meinem Spiel gearbeitet, konnte neue Aspekte einfliessen lassen. Zudem nahm ich aus Davos viel Selbstvertrauen mit...

...und Sie lernten im Bündnerland auch Ihre spätere Frau kennen. Sie haben in Davos ein Haus, kommen fürs Sommertraining und fürs Skifahren im Winter jeweils in die Schweiz.
Davos ist wie eine zweite Heimat. Für mich kam für die Lockout-Zeit auch nur Davos infrage.

Dürfen Sie überhaupt Skifahren?
Offiziell nicht (lacht). 2004/2005 waren Rick und ich oft im Schnee, ich weiss, wegen der Verletzungsgefahr ist es für einen Eishockeyprofi nicht das cleverste Hobby. Aber wir fahren immer langsam.

Demnach gibt es keine Rennen gegen die passionierten Skifahrer Jan und Reto von Arx?
Die sind schneller. Rausgehen, die Sonne geniessen, relaxen – um das geht es für mich.

Sie könnten in zwei Jahren den Schweizer Pass beantragen. Wie steht es um die Swissness bei Joe Thornton?
Meine Frau ist Schweizerin, unsere Tochter quasi Halbschweizerin – dies ist mein Schweizer Bezug. Über den Pass habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, zuerst müsste ich sowieso mein Deutsch verbessern (lacht).

Heute (Donnerstag, die Red.) hätte die NHL-Saison beginnen sollen. Haben Sie Neuigkeiten betreffend Lockout-Ende?
Nein. Ich stehe in Kontakt mit einigen Leuten, aber es gibt nichts Konkretes. Ich gehe mittlerweile davon aus, die ganze Saison in der Schweiz zu spielen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.10.2012, 11:08 Uhr

3

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3 Kommentare

Ronald Lack

12.10.2012, 11:31 Uhr
Melden 6 Empfehlung 4

Arno hat immer eine gute Nase, darum ist er immer allen anderen voraus. Welch ein Trainer ist solange beim gleichen Club mit soviel Erfolg??? Also weiter so Arno Hopp Davos. Antworten


Andreas Lerch

12.10.2012, 14:40 Uhr
Melden 2 Empfehlung 4

Was Fergie für Manu ist, ist Arno für den HCD - 2 grossartige Charaktere, 2 grossartige Erfolgsgeschichten :-) Antworten



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