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Was der Schweiz zu einer Grossmacht fehlt

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 21.05.2010 27 Kommentare

Trotz einer prächtigen Ausgangslage haben die Schweizer Eishockeyaner einmal mehr den Einzug in den WM-Halbfinal verpasst. Das ruft geradezu nach einer Ursachenforschung.

Müde, enttäuscht, ausgelaugt: Naltionalcoach Sean Simpson stellt sich nach der bitteren Niederlage den Schweizer Journalisten.

Müde, enttäuscht, ausgelaugt: Naltionalcoach Sean Simpson stellt sich nach der bitteren Niederlage den Schweizer Journalisten.
Bild: Keystone

Wir blenden ganz kurz in der Eishockey-Geschichte zurück: An der A-WM 1987 in Wien unterliegt der Turnierneuling Schweiz der BRD hoch mit 1:8 und verabschiedet sich gleich wieder aus dem Konzert der Grossen. Seit dieser Schmach an der Donau ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen. Beim WM-Viertelfinal von 2010 in Mannheim sind beim Vergleich der Erzrivalen die Schweizer favorisiert. Der Grund ist einfach: Sie gelten als die besseren Eishockeyaner und sind normalerweise auch besser organisiert als die Berufskollegen aus dem Norden. Mit anderen Worten: Das Schweizer Eishockey hat sich in den letzten Jahrzehnten gewaltig verbessert, was höchste Zeit gewesen ist und auch dem Stellenwert der Sportart im Land entspricht.

Doch im Halbfinal vom Samstag treffen in Köln nicht die Schweizer auf die Überrussen, sondern die Deutschen. Sie haben mit ihren bescheidenen Mitteln die Auswahl von Swiss Ice Hockey richtiggehend vom Eis weggearbeitet und mit einem lautstarken Publikum im Rücken die Chance gepackt, Geschichte zu schreiben. Sie sorgen damit auch für einen willkommenen Farbtupfer an einer WM, die nun im eigenen Land die Serie der deutschen Sportmärchen weiterführt. Man muss ein dickes Kompliment an diese wackere, kämpferisch überzeugende Truppe sowie an Nationaltrainer Uwe Krupp und seine Assistenten machen. Im Gegensatz zu den Schweizern vor einem Jahr in Bern haben sie sich auf heimischen Boden nicht in ein Gefühl des «Heimnachteils» gesteigert, sondern sich gesagt, dass dieses Turnier als Heimvorteil genützt werden soll – das ist die richtige mentale Einstellung vor einem Event vor eigenem Publikum.

Keine Nerven, keine Kaltblütigkeit

Und die Schweizer Eishockey-Nati? Sie hat einmal mehr in einem wichtigen Match, in einem kapitalen Duell, sich nicht durchsetzen können, obwohl der Gegner nicht Russland, Kanada, Schweden oder Slowakei hiess, sondern Deutschland. Dabei handelt es sich um eine Eishockey-Nation, die im Ranking hinter der Schweiz klassiert ist. Noch lange werden sich Sean Simpsons Spieler an dieses 0:1 in der «Hölle von Mannheim» erinnern, an diese verpasste Möglichkeit, erstmals seit 1998 einen Halbfinal spielen zu dürfen.

Für den neuen Trainer und seinen gut arbeitenden Staff gilt es nun, die WM zu analysieren. Der Headcoach wird festhalten, dass die personelle Breite im Schweizer Eishockey grösser geworden ist. 21 Spieler haben abgesagt, und dennoch hat es Simpson geschafft, in kurzer Zeit eine gute Stimmung im Team zu verbreiten und einen frischen Wind in die ganze Organisationen hineinzubringen. Der offensivere Stil behagt den Schweizern, das haben die ersten vier siegreichen Auftritte zu Genüge gezeigt. An dieser Taktik darf nichts geändert werden. Sie hat auch den ZSC zu internationalen Höhenflügen geführt, und ein Eishockeyaner kann nur mit einem optimistischen System Fortschritte erzielen. Wer im taktischen Réduit verharrt, bleibt in der Entwicklung stehen, selbst wenn jetzt heuer die Deutschen mit ihrem fürchterlichen Defensivstil Erfolge feiern.

Simpsons schöne Erfolge gegen Kanada und Tschechien dürfen aber nicht darüber hingwegtäuschen, dass er letztlich nicht weiter als sein Vorgänger gekommen ist. Wie unter Ralph Krueger bedeutete der Viertelfinal Endstation. Die Gründe für das Scheitern sind offensichtlich: Die Nerven haben bei einigen Aktiven einen Streich gespielt, anders ist das Foul von Martin Plüss in der 16. Minute, das bei aller Theatralik von Opfer Ehrhoff zu Recht mit einem vorzeitigen Gang unter die Dusche bestraft wurde, nicht zu erklären. Und wie schon im Vorjahr an der heimischen WM in Bern fehlte es im entscheidenden Moment an der Kaltblütigkeit, an der Coolness vor dem gegnerischen Goalie, auch wenn Göttin Fortuna gestern Abend ein rot-schwarz-goldenes Trikot überzogen hatte. Obwohl 40 Minuten lang die überlegene Mannschaft, trafen die Schweizer trotz 41 Schüssen nicht – in 122 WM-Minuten blieben sie zuletzt ohne Torerfolg, das ist eine jämmerliche Bilanz. Diese kann nur verbessert werden, wenn zukünftig möglichst viele Schweizer ihr Glück in besseren Ligen suchen, wenn in der Nachwuchsausbildung diesbezüglich härter gearbeitet wird. Auch das Powerplay gehörte zu den Schwachpunkten dieser WM. Das Boxplay dagegen war (einmal mehr) erste Güte.

Die Energie war verpufft

Die Schweizer haben nicht die Gabe, ein Turnier durchzuziehen. Trotz grossen Bemühungen fehlte es beim letzten Aufbäumen im Schlussdrittel doch am Speed, an der Kraft, der Energie. Diese schien in den harten Tagen von Mannheim verpufft zu sein. Die physische Verfassung muss – obwohl hierzulande ernorme Fortschritte erzielt wurden – wie die Psyche ein Thema bei der Analyse sein. Obwohl wir an dieser Stelle festhalten wollen, dass Kampfgeist und Leidenschaft dieses Teams als überdurchschnittlich bezeichnet werden durfte, im Gegensatz etwa zu den teilweise peinlichen Auftritten der Krueger-Selektion an der A-WM 2007 in Moskau.

Der Auftritt der Schweiz an der A-WM 2010 ist Geschichte und gehört fortan in das Kapitel «Achtungserfolge, aber kein grosser Coup». Dass die Spieler und ihre Trainer nach dem bitteren Aus gegen den grossen Rivalen am Boden zerstört sind, beweist, dass niemand mehr mit einem Platz unter den besten Acht zufrieden ist. Wer weiterkommen will, muss ehrgeizige Ziele haben. In dieser Beziehung fährt Simpson mit dem Nationalteam in die richtige Richtung. Der Weg zu einer wahren Eishockey-Grossmacht wird beschwerlich sein. «Es gibt viel zu tun, packen wirs an» heisst ein klassischer Werbeslogan – er ist prädestiniert, um den aktuellen Zustand und die Zukunft des Nationalteams und des Schweizer Eishockeys zu formulieren.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.05.2010, 11:44 Uhr

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27 Kommentare

Erich Lützenberger

21.05.2010, 12:16 Uhr
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Überschwengliche Kommentatorin auf DRS 2. Es war eine Zumutung dieser Frau zuhören zu müssen. Dümmliche Fragen an Mark Streit. Halten Kommentatoren die Zuschauer für dumm? Ein Match muss zuerst gespielt sein. Das weiss jeder. Kompliment der schweizer und deutschen Mannschaft. Beide haben sich verbessert. Was zählt sind Tore. Diesmal genügte ein 1:0. Bei der nächsten Begegnung ein 0:1. Ganz normal. Antworten


rudi hess

21.05.2010, 12:16 Uhr
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eine einstellung (nur) das viertelfinale zu erreichen reicht nicht um weiterzukommen! die unschöne szene am schluss war nicht schön und die mangelnde unterstüzung der mitspieler beim überzelig angegrifenen unterstreicht die nicht vorhandene konsequenz. Sie trat teilweise nicht mehr als einheit auf. Antworten



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EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
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Stand: 26.05.2012 20:56
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Stand: 26.05.2012 17:02
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Stand: 27.05.2012 22:36
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Stand: 27.05.2012 16:09
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Stand: 25.05.2012 09:25
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Stand: 25.05.2012 15:24
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