Vier SCB-Exponenten im O-Ton
Umfrage
Wer wird Schweizer Eishockeymeister 2010/11?
SC Bern
Genf
EV Zug
HC Davos
Kloten Flyers
ZSC Lions
Fribourg
HC Lugano
EHC Biel
Lakers
SCL Tigers
Ambri-Piotta
577 Stimmen
Stichworte
Larry Huras, Chefcoach: «Unser Ziel ist es, den Meistertitel zu verteidigen. Aber wir sind uns bewusst, dass es noch schwieriger sein wird als in der vergangenen Saison, Meister zu werden. Ich rechne mit acht Kandidaten, die um den Titel 2010/2011 mitspielen werden. Die zentrale Frage lautet: Welchen Einfluss hat der gewonnene Titel auf die Spieler, den Trainer, das Team? Die Spieler müssen sich bewusst sein, dass es nicht gleich laufen wird wie in der Vorsaison. Die Situation hat sich komplett geändert. Kommst du in ein Team, welches wenig Erfolg hatte, sind alle offen für Neues. Aber akzeptieren die Spieler auch Änderungen, wenn sie Meister geworden sind? Wieso etwas ändern, wenn es doch funktioniert hat? Aber für mich ist klar: Ich muss neue Ideen einbringen. Wir werden nicht stehen bleiben, entweder geht die Richtung weiter vorwärts oder rückwärts – ich hoffe doch, wir machen nochmals einen Schritt vorwärts. Die letzte Saison war gut, aber nicht optimal; wir können als Team noch besser werden. Beim SCB ist bisher kein Spieler zweimal in Folge Meister geworden, das muss für alle eine grosse Motivation sein. Das Schlüsselwort für den SCB lautet im Hinblick auf die kommende Saison: Einstellung! Wir können die Titelverteidigung schaffen, aber die Einstellung jedes Einzelnen muss stimmen – jeden Tag, in der Eishalle, im Kraftraum, im Spiel, überall. Ende Saison wird mein Vertrag beim SCB auslaufen, aber über die Zukunft mache ich mir derzeit keine Gedanken. Die Zusammenarbeit mit Walter Born, Sven Leuenberger und Marc Lüthi funktioniert sehr gut. Wir werden diese Diskussionen, ob wir zusammen weitergehen oder mit der Entscheidung noch abwarten, wohl im Oktober oder November führen.»
Sven Leuenberger, Sportchef: «Der Charakter des SCB-Teams hat sich nicht geändert. Wir werden wieder eine hart arbeitende Mannschaft sein. Eine Mannschaft, die durchaus auch mal zaubern kann, in erster Linie aber fürs Handwerk zuständig ist. Wir werden versuchen müssen, über die Intensität ins Spiel zu kommen und den Gegner so zu dominieren. Ich bin gespannt, wie sich der gewonnene Titel auf die Spieler ausgewirkt hat. Während meiner Aktivzeit habe ich mir immer gesagt: Nichts kommt ohne Arbeit. Wenn du als Spieler das Meistergefühl einmal hattest, willst du es immer wieder haben. Ich hoffe schwer, dass niemand beim SCB denkt, nach dem gewonnenen Titel habe man nun etwas Ruhe im Stall. Man kann immer dazulernen, auch als Schweizer Meister – dies müssen wir uns hinter die Ohren schreiben. Der SCB darf sich nicht im Erfolg sonnen, die Konkurrenz arbeitet auch hart und wird uns erneut vor grosse Herausforderungen stellen. Im Hinblick auf die anstehende Saison denke ich, dass die Jungen nochmals einen Schritt machen werden – diese Erwartung stelle ich an sie. Als Team sollten wir nochmals gewachsen sein. Wie letztes Jahr gilt bei uns das Wir vor dem Ich. Die Harmonie und Ausgeglichenheit im Team ist enorm wichtig. Die Situation, dass nach der Saison 2010/2011 zahlreiche Verträge auslaufen werden, ist für den Sportchef herausfordernd. Natürlich stehen wir mit einigen Spielern bereits im Gespräch. Diesbezüglich braucht es ein spezielles Gespür für die Spieler. Einerseits muss man während der Saison mit ihnen und deren Beratern verhandeln, anderseits darf man sie nicht verunsichern. Die Verhandlungen werden zuweilen hart geführt, aber man darf dies nie persönlich nehmen – jeder will das Beste für seine Partei.»
Jean-Pierre Vigier, Co-Captain: «Ich bin froh, geht es am Freitag wieder richtig los. Im Sommer habe ich abgeschaltet, war mit der Familie in Kanada. Wir besuchten Eltern, Schwiegereltern, Onkel, Tanten, Cousins. Ich durfte viele Gratulationen entgegennehmen. Aber dann ging es zurück an die Arbeit. Im Sommertraining habe ich versucht, eine noch bessere Basis zu legen als letztes Jahr. Dass sich die SCB-Spieler nach dem Titelgewinn nun zurücklehnen und Selbstzufriedenheit vorherrscht, das denke ich nicht. Ich habe Vertrauen in meine Mitspieler; das Eishockey und der Erfolg des Teams sind ihnen zu wichtig, als dass sie nicht ans Limit gehen würden. Der Erfolg war letztes Jahr, jeder muss wieder bei null anfangen. Aber ich durfte beobachten, dass alle im Sommer hart gearbeitet haben. Als Captain kann und will ich ein Vorbild sein, in jedem Training, in jedem Match. Die persönlichen Statistiken müssen hinter dem Teamerfolg stehen. Die Ausgangslage ist wie im letzten Jahr: Wenn es dem Team läuft, hat auch jeder einzelne Spieler eine gute Saison, welche ihm Perspektiven ermöglicht. Ich bin guter Dinge, dass wir erneut an der Spitze mitspielen können. Die Erfahrungen, welche wir an der European Trophy gesammelt haben, sind sehr wertvoll. Bis dato habe ich wieder mit Brett McLean und Marc Reichert in einer Linie gespielt, das klappt ganz gut, weil jeder hart arbeitet und das Beste fürs Team will. Aber ich hätte kein Problem, mit anderen Spielern eingesetzt zu werden. Die Zuzüge Gardner, Kwiatkowski und Krueger haben sich problemlos integriert und bringen Dynamik. Aber Prognosen zu stellen, ist schwierig. Wir nehmen Tag für Tag, Spiel für Spiel. Letztes Jahr hatten wir beispielsweise sehr viele Verletzte, du weisst also nie, wie eine Saison verläuft.»
Martin Plüss, Co-Captain: «Die Doppelbesetzung des Captain-Amtes hat Vorteile, aber auch eine Verkomplizierung zur Folge. Jean-Pierre Vigier und ich müssen sehr viel kommunizieren, damit nichts unters Eis geht und beide stets auf dem gleichen Informationsstand sind. Die Ungewissheit ist vor einer Saison immer da. Unabhängig davon, wie die Vorbereitung verlaufen ist, weiss man nie genau, wo man steht. Diese Unsicherheit wird mit den Jahren leider nicht kleiner. Die European Trophy war spannend; es war inspirierend, gegen starke Gegner aus anderen Ländern anzutreten. Anderseits hätte es nicht geschadet, etwas mehr Zeit zum Trainieren zu haben. Für uns ist ein guter Start in die Saison wichtig, daher gilt es, das Tief, das jedes Team durchmacht, möglichst weit nach hinten zu schieben. Es ist eine Herausforderung, nach einem Meistertitel mindestens auf dem gleichen Niveau weiterzumachen. Doch wir haben viele erfahrene Leute, die sich nicht zum ersten Mal in dieser Situation befinden. Wir müssen nicht plötzlich alles anders machen, sondern bescheiden bleiben und uns bewusst sein, dass uns nichts geschenkt wird. Es wird nicht einfacher, Meister zu werden, nur weil einem das in der Vorsaison gelungen ist. Wir haben eine funktionierende Mannschaft, auch deshalb ist es den neuen Spielern leicht gefallen, sich zu integrieren. In der letzten Saison erkrampften wir viele Siege, zum Teil mit einem Rumpfkader. Wir agierten sehr effektiv, doch es ist unser Anspruch, spielerisch noch etwas mehr zu bieten. Das bedeutet nicht, dass wir nur noch spektakulär, offensiv und übermütig spielen sollen. Aber wir können vermehrt Glanzlichter setzen, ohne die Arbeit in der Defensive zu vernachlässigen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.09.2010, 07:24 Uhr

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