Über Umwege zum späten Geburtstagsgeschenk
Telegramm
SCL Tigers - Ambri-Piotta 4:3 (1:1, 1:0, 1:2, 1:0) n.V.
Ilfishalle. - 5229 Zuschauer. - SR Mandioni/Rochette, Mauron/Tscherrig. - Tore: 10. Schlagenhauf (Grassi, Kutlak) 0:1. 11. Stettler (Pelletier, McLean) 1:1. 31. Neff (Tobias Bucher) 2:1. 45. Kurtis McLean (Pelletier/Ausschluss Adrian Gerber!) 3:1. 49. Walker (Noreau, Pestoni) 3:2. 51. Walker (Kohn, Noreau) 3:3. 64. (63:48) Di Pietro (Pelletier/Ausschluss Kutlak) 4:3. - Strafen: je 3mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: McLean; Noreau.
SCL Tigers: Esche; Schilt, Philippe Rytz; Popovic, Genazzi; Reber, Kim Lindemann; Christian Moser, Stettler; Simon Moser, Haas, Nüssli; Di Pietro, Kurtis McLean, Pelletier; Tobias Bucher, Claudio Moggi, Neff; Leblanc, Adrian Gerber, Rexha.
Ambri-Piotta: Bäumle; Trunz, Kutlak; Casserini, Schulthess; Noreau, Kobach; Julien Bonnet; Pestoni, Walker, Kohn; Grassi, Schlagenhauf, Elias Bianchi; Duca, Perrault, Raffainer; Trevor Meier, Mattia Bianchi, Demuth; Hofmann.
Bemerkungen: SCL Tigers ohne Sandro Moggi, Simon Lüthi, Gustafsson und Lardi (alle verletzt) sowie Polak (überzähliger Ausländer), Ambri-Piotta ohne Westrum und Kariya, Botta und Murovic (alle verletzt), Schaefer und Landry (beide überzählig). - Ski-Weltcup-Leader Beat Feuz unter den Zuschauern. - 13. Demuth verletzt ausgeschieden.
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Am Montag hatte John Fust seinen 40. Geburtstag gefeiert und spasseshalber erwähnt, er spüre, dass er langsam alt werde. Tags darauf beschenkte ihn seine Mannschaft. Allerdings sorgte sie dafür, dass die Nerven des Trainers arg strapaziert wurden. Vor 5229 Zuschauern in der Ilfishalle setzten sich die SCL Tigers gegen Ambri erst in der Verlängerung durch. Im Powerplay erzielte der 41-jährige Paul Di Pietro den Siegtreffer (64.). Nach dem 4:3-Erfolg scheint es, als würde die turbulente zweite Saison unter Fust ein schnelles und versöhnliches Ende nehmen. In der Playout-Serie (Best of 7) führen die SCL Tigers bereits 3:0 – morgen können sie auswärts den ersten «Matchpuck» verwerten.
Selbstvertrauen als Trumpf
Nach 45 Minuten hatte wenig auf eine Zusatzschlaufe hingedeutet. Topskorer Kurtis McLean traf in numerischer Unterzahl zum 3:1, es war der 16. Saisontreffer des Kanadiers. Das Heimteam zog sich in der Folge jedoch stark in die eigene Zone zurück und leistete sich viele Scheibenverluste. Die Passivität wurde ausgerechnet von einem Berner bestraft. Innert 95 Sekunden glich Julian Walker mit zwei Toren zum 3:3 aus. Es machte fast ein wenig den Anschein, als hätten die Langnauer nichts aus dem Eröffnungsspiel fünf Tage zuvor an gleicher Stätte gelernt. Auch damals hatten sie schwungvoll begonnen, aber mehrmals eine Führung preisgegeben.
Stürmer Claudio Neff – er zeichnete in der 31. Minute für das 2:1 verantwortlich – liess verlauten, das Team sei wohl zu siegessicher gewesen. «Ich bin froh, wurde die Überheblichkeit nicht bestraft.» Neff gestand, dass Ambri in den Schlussminuten der regulären Spielzeit «den Sack hätte zumachen» können. «In dieser Phase hielt uns Goalie Robert Esche im Spiel», sagte derweil Fust, um anzufügen, die individuellen Fehler vor den Gegentreffern müssten analysiert und ausgemerzt werden. Verständlicherweise hielt sich der Kanada-Schweizer aber mit Kritik zurück, er strahlte vielmehr Zuversicht aus. «Der Trumpf ist unser Selbstvertrauen. Als ich während der Pause vor der Verlängerung zu den Spielern gesprochen habe, hinterliessen diese keinen geknickten Eindruck. Sie glaubten an sich. Das ist in dieser extrem ausgeglichenen Serie wichtig und wird uns auch im vierten Spiel helfen.» Des Trainers Optimismus erhält statistischen Nachdruck: Ambri hat heuer noch kein Spiel in der heimischen Valascia gewonnen, in 9 Partien haben die Leventiner nur 9 Treffer erzielt.
Überragender Bäumle
Der zwischenzeitliche Leistungseinbruch war unmittelbar nach Spielschluss nur ein Randthema. Die Tigers liessen sich von ihrem Anhang feiern und erhielten in der Garderobe Gratulationen vom derzeit wohl bekanntesten Emmentaler: von Ski-Gesamtweltcup-Leader Beat Feuz. Dieser dürfte vorab in der Startphase Gefallen am Langnauer Auftritt gefunden haben. Im Startdrittel hatten die Tigers konsequent den Vorwärtsgang eingeschaltet; sie kombinierten gefällig, wählten jedoch oft die umständliche Variante. Dass es nach dem Mittelabschnitt aus Sicht des Heimteams nur 2:1 stand, lag aber primär an Ambris-Goalie Thomas Bäumle. Weil der 27-Jährige in der kommenden Saison das Langnauer Tor hüten wird, bot seine Nomination viel Gesprächsstoff. Doch Bäumle, gestern erstmals in dieser Serie eingesetzt, hielt dem Druck stand. War er beim Einlauf von den Tigers-Fans noch mit einem warmen Applaus empfangen worden, trieb er diese mit zahlreichen, teils mirakulösen Paraden später schier zur Weissglut. «Ich habe es genossen, vor diesen fantastischen Fans zu spielen. Nach der Niederlage dominiert aber der Frust», meinte Bäumle. (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.03.2012, 22:34 Uhr
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