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Törmänen: «Sicher bleibt noch genug Zeit»

Von Adrian Ruch. Aktualisiert am 27.01.2012 3 Kommentare

Der Cheftrainer des SC Bern hat trotz der Krise die Zuversicht und den Glauben an seine Mannschaft nicht verloren. «Hätten wir in den Playoffs erstmals eine schwierige Phase durchmachen müssen, hätte dies im Desaster enden können», sagt der Finne.

SCB-Cheftrainer Antti Törmänen stand im Reich von Materialwart Frank Kehrli Red und Antwort: «Von aussen sieht alles einfacher aus.»

SCB-Cheftrainer Antti Törmänen stand im Reich von Materialwart Frank Kehrli Red und Antwort: «Von aussen sieht alles einfacher aus.»
Bild: Andreas Blatter

Sie wurden mitten in der Saison überraschend zum SCB-Cheftrainer befördert. Was ist das Beste an diesem Job?
Antti Törmänen: Du trägst Verantwortung, kannst alles beeinflussen, dir über alles Gedanken machen und Ideen umsetzen.

Und was ist das Schlimmste?
Einerseits ist es hart, Spielern zu sagen, dass sie nicht einge-setzt werden. Anderseits ist es schlimm, Spielern zuzusehen, die hart arbeiten, aber nicht belohnt werden, weil sie einfach nicht in Schwung kommen.

Sie machen während der Partien stets einen ruhigen, abgeklärten Eindruck. Anders als viele andere Coachs beschweren Sie sich zum Beispiel nie lauthals bei den Schiedsrichtern. Entspricht dieses Verhalten Ihrem Charakter?
Nein, ich kontrolliere meine Gefühle. Als Spieler sass ich oft auf der Strafbank, weil mir dies nicht gelang. In mir lodert das Feuer, aber wenn wir zum Beispiel ein Tor erhalten, ist es wichtig, die Situation frei von Emotionen zu analysieren.

Fällt Ihnen diese Selbstkontrolle leicht?
Nein, denn ich bin ein sehr impulsiver Typ. Die Transformation ist nicht abgeschlossen, ich gehe auf einer endlosen Strasse. Mit den Schiedsrichtern diskutieren bringt nichts, vielleicht nützt es mal in einem Match, aber insgesamt kannst du diese Schlacht nicht gewinnen.

Als Spieler wurden Sie Weltmeister. Möchten Sie manchmal über die Bande springen und ins Geschehen eingreifen?
(lacht) Von aussen sieht alles einfacher aus. Daher denke ich manchmal schon, diese Scheibe hätte ich aus dem Drittel gebracht, oder da wäre ich konsequenter vors Tor gegangen. Man hat die Tendenz, sich nur an die guten Momente zu erinnern. Im Kopf und im Herz bin ich immer noch ein Athlet– ich liebe es, Eishockey zu spielen. Aber jeder muss sterben, und jeder muss einmal einsehen, dass er nicht mehr in der Lage ist, auf höchstem Niveau zu spielen.

Der SCB hat nur drei der letzten zehn Spiele gewonnen. Beeinflusst die Krise Ihr Privatleben?
Klar denke ich ständig über Verbesserungsmöglichkeiten nach, klar bin ich etwas angespannter. Ich streite nicht ab, dass wir derzeit Mühe haben, aber man muss auch relativieren: Vor der Niederlage in Freiburg hatten wir zweimal gewonnen. Machen Sie sich keine Sorgen: Wenn ich zu Bett gehe, bin ich immer sehr müde – ich schlafe gut.

Nach Ihrer Amtsübernahme spielte der SCB ausgezeichnet und auch erfolgreich. Weshalb läuft es jetzt nicht mehr?
Jede Systemänderung braucht Zeit. Ich wäre überrascht gewesen, hätten wir keinen Rückschlag erlitten. Ich bin froh, stecken wir schon jetzt im Tief. Hätten wir in den Playoffs erstmals eine schwierige Phase durchmachen müssen, hätte dies im Desaster enden können. Harte Zeiten sind wichtig, sie machen dich stärker. Als ich mit Finnland Weltmeister wurde, hatten wir am Anfang gegen die Tschechen 3:6 verloren. Es geht bei uns nicht darum, Einzelnen Schuld zuzuweisen – wichtig ist die Entwicklung als Mannschaft. Wir geben den Spielern viele Freiheiten, manchmal wird das ausgenützt. Es ist wie bei Jugendlichen, die um 22.15 statt um 22 Uhr nach Hause kommen.

Sie arbeiteten einst als Lehrer. Nützt Ihnen diese Erfahrung?
Ich denke schon; es geht sowohl bei Schülern als auch bei Spielern darum, sie weiterzubringen. Ich versuche oft, einem Spieler zu erklären, wie er sich in gewissen Situationen verhalten soll. Es geht um Details, denn die Differenzen sind minimal. Auf diesem Niveau läuft jeder fast gleich schnell, schiesst jeder fast gleich hart. Entscheidend sind Nuancen.

Nach der Schlappe in Freiburg kritisierten Sie Ihr Team stark. Wie haben Sie auf die Enttäuschung reagiert?
Nach der Videoanalyse sieht manches manchmal anders aus als direkt nach dem Match. Es lief nicht für uns in Freiburg. Trotzdem war ich unzufrieden mit der Leistung. Die Mannschaft musste am Sonntagmorgen trainieren. Zuerst wurde eine Stunde lang nur gelaufen – ohne Puck. Ich wollte betonen, wie wichtig harte Arbeit ist. Dann legte ich diese Woche viel Wert auf Zweikämpfe und auf das Forechecking; gegen Gottéron agierten wir in diesem Bereich nicht clever genug.

Und wie reagierte das Team?
Meiner Meinung nach gut. Es wurde viel diskutiert diese Woche, auch innerhalb der Linien

Der amerikanische Mentalcoach Saul Miller ist hier. Kam er zum richtigen Zeitpunkt?
Millers Erscheinen hat nichts mit der derzeitigen Situation zu tun. Es war schon lange geplant, dass er Ende Januar nach Bern kommen würde. Kann er einem meiner Spieler helfen, ist es toll, hilft er fünf oder zehn, ist es umso besser. Es gibt Spieler, die arbeiten gern mit einem Sportpsychologen, andere besprechen Probleme lieber mit einem Teamkollegen oder der Mutter – das ist individuell. Ich überlasse jedem Einzelnen den Entscheid.

Was erwarten Sie vom neuen Verteidiger Geoff Kinrade?
Dass er seine Stärken zum Wohl der Mannschaft nutzt. Das erwarte ich übrigens von allen.

Der SCB trifft nun auf Zug und auf Kloten. Was erhoffen Sie sich von diesen Partien?
Dass sich mein Team gut fühlt und das System gut anwendet. Wir treffen auf Mannschaften, die selber das Spiel machen wollen und nicht nur auf unsere Fehler warten werden. Ich erwarte interessante Partien, in denen wir sehen werden, wo wir stehen.

Bleibt noch genug Zeit, das Team in Playoff-Form zu bringen?
Aber sicher bleibt noch genug Zeit. Solange es in der Mannschaft stimmt, kann es schnell gehen. Als ich in Finnland Trainer war, verloren wir viermal in Folge deutlich, holten nie einen Punkt. Dann gewannen wir einmal 6:1, und plötzlich lief alles rund.

Spüren die SCB-Spieler Druck?
Natürlich, die Medien haben grossen Einfluss. Die Spieler lesen, was geschrieben wird. Mich hat das früher immer stimuliert: Wurde ich kritisiert, wollte ich zeigen, dass ich besser bin.

Der Druck kommt nicht nur von den Medien, sondern auch von den Fans und der Klubführung.
Es ist die Aufgabe des Trainerstabs und des Managements, die Dinge realistisch zu betrachten. Die Resultate erzählen nicht die ganze Geschichte. Man ist nicht immer gut, wenn man gewinnt, und nicht immer schlecht, wenn man verliert. Zurück zu den Spielern: Sie setzen sich selber unter Druck, wenn sie spüren, dass sie zu wenig produktiv waren.

Wie gingen Sie früher vor, wenn Sie sich in einem Tief befanden?
Ich besann mich auf das Wesentliche. Ich fragte mich: Worin bin ich gut? Aus welcher Position schiesse ich am meisten Tore? Wie fühle ich mich am besten? Die Antworten versuchte ich dann umzusetzen. Die Spieler müssen ihre Stärken einbringen, deshalb sind sie hier. Sven Leuenberger hat die Spieler nicht wegen ihrer tollen Autos oder ihrer hübschen Freundinnen verpflichtet. Sie sind beim SCB, weil sie im Eishockey ausserordentliche Qualitäten haben. Innerhalb des Systems muss jeder seine Qualitäten nutzen – das tönt sehr einfach, ist es aber nicht. Denn der Gegner spielt auch noch mit. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.01.2012, 08:17 Uhr

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3 Kommentare

Christian Mathys

26.01.2012, 18:03 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Ich wünsche Tormänen und seinen Jungs, dass sie aus dem Tief herausfinden. Wir Fans stehen zu euch. Antworten


Roger Rytz

27.01.2012, 09:06 Uhr
Melden

Und wo ist das Interview?
Oder sind die 4 Abschnitte alles???
Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 22:36
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05EndeCipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 6:3 2:6
Stand: 27.05.2012 16:09
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0516:15Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0512:15Federer - Kamke
28.0513:30Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
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