Schwierige Suche nach Schweizer Goalie
Von Philipp Rindlisbacher. Aktualisiert am 20.12.2011 1 Kommentar
Es ist keine besinnliche Adventszeit, welche Spieler und Staff der SCL Tigers erleben. Nach zuletzt neun Niederlagen in Folge sind die Playoff-Chancen nur noch theoretischer Natur, verlieren die Langnauer heute (19.45 Uhr) vor eigenem Publikum gegen Davos, droht gar der Rückfall auf den letzten Tabellenplatz. Mit ein Grund für die Baisse ist die Formschwäche der Ausländer. Joël Perrault hatte enttäuscht und wurde nach Ambri abgeschoben, Ersatz Mark Popovic vermochte noch nicht allzu viel zu bewirken. Kurtis McLean und Pascal Pelletier konnten das hohe Niveau vom Saisonbeginn nicht konservieren. Bleibt Goalie Robert Esche. Der Amerikaner hatte einige gute Auftritte, die geforderte Konstanz aber lässt er vermissen.
Interesse an Bäumle
Bei den Langnauern hat die Kaderplanung für die kommende Saison längst begonnen. Esches Kontrakt läuft aus – eine weitere Zusammenarbeit ist ausgeschlossen. Die SCL Tigers wollen die nächste Spielzeit unbedingt mit vier ausländischen Feldspielern in Angriff nehmen, die Suche nach einem Schweizer Torhüter hat Priorität. Diesbezüglich ist der Markt aber trocken. In Davos (Genoni), Bern (Bührer), Kloten (Rüeger), Zug (Markkanen), Genf (Stephan), Lugano (Manzato), Biel (Berra) und bei den ZSC Lions (Flüeler) ist die Torhüterfrage bereits geklärt, bei Gottéron dürfte Huet auch nächste Saison zwischen den Pfosten stehen.
Optionen gibt es folglich nicht viele. Die Verträge von Ari Sulander (ZSC Lions), Thomas Bäumle (Ambri) und Benjamin Conz (Lugano) laufen aus. Letzterer – er gehört Servette und spielt auf Leihbasis im Tessin – bildete in der vergangenen Spielzeit das Fundament der starken Tigers-Equipe. Servettes General Manager Chris McSorley jedoch erklärt, er sei sehr überrascht, habe er doch für die kommende Saison noch kein Angebot für Conz erhalten. Die Langnauer werden sich in der Tat nicht mehr um den talentierten Jurassier bemühen – gemäss Sportchef Ruedi Zesiger ist die Leihgebühr, die McSorley verlangt, zu hoch. Und auf ein langes Feilschen mit den Genfern will sich Zesiger nicht einlassen. Conz seinerseits liebäugelt mit einem Wechsel nach Nordamerika.
Ari Sulander (bald 43) dürfte altersbedingt kein Thema sein. Thomas Bäumle (27) wiederum war in Ambri zuletzt oft zweite Wahl. Der 13-fache Nationalspieler agiert seit geraumer Zeit auf höchster Stufe, in der laufenden Qualifikation vermag der Grenchner aber nicht vollends zu überzeugen. Zu vernehmen war aber, dass die Tigers unlängst mit seinem Agenten in Verbindung getreten sind. «Bäumle steht ganz weit oben auf unserer Liste», gesteht Sportchef Ruedi Zesiger. Der Goalie selbst will sich zu seiner sportlichen Zukunft nicht konkret äussern. Er sagt, Ambri sei für ihn eine Herzensangelegenheit geworden. Den Wechsel nach Langnau bezeichnet der ehemalige SCB-Junior indes als möglich. Es überraschte jedenfalls nicht, würde sich der Kontakt mit den Emmentalern in den nächsten Wochen intensivieren.
Früh Klarheit schaffen
Derweil hat sich Urban Leimbacher als Nummer 2 bei den SCL Tigers bewährt. Er verhält sich loyal und spielt ordentlich (Fangquote: 90,1 Prozent), eine Vertragsverlängerung ist denkbar. Als Stammtorhüter ist er jedoch nicht vorgesehen, die Langnauer wollen einen erfahrenen Mann verpflichten. Kandidaten gäbe es auch jenseits der Landesgrenzen. David Aebischer war bereits vor einigen Monaten ein Thema, sowohl mit dem Goalie des AHL-Vereins St.John’s als auch mit Robert Mayer (spielt in der AHL für Hamilton) steht Zesiger derzeit aber nicht in Kontakt.
Interesse bekunden die Langnauer dagegen weiterhin an Martin Gerber. Der Kontrakt des Emmentalers bei Växjö läuft ebenfalls aus, gemäss Gerbers Agent Rolf Simmen kann sich der schwedische Erstdivisionär eine Fortsetzung der Zusammenarbeit vorstellen. Simmen erklärt weiter, dass Gerber derzeit keine Gespräche mit Schweizer Klubs führe und sich wohl erst im Frühling entscheiden werde, wo er kommende Saison spielen wolle. Zesiger ist sich dessen bewusst; er denkt, dass Langnau für den Stanley-Cup-Sieger von 2006 nicht oberste Priorität geniesst. Die Tigers würden ihm bestimmt für mehrere Jahre engagieren, allenfalls mit Aussicht auf ein Jobangebot innerhalb des Vereins nach der Karriere. Der Faktor Zeit aber spricht gegen Gerbers Rückkehr – und folglich für Thomas Bäumle. Denn Zesiger sagt: «Wir wollen in der Goaliesituation früh Klarheit schaffen, wenn möglich vor Saisonende.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 20.12.2011, 07:08 Uhr
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