Schweden will sich den ersten Gruppenplatz sichern
Es ist Montag, kurz vor dem Mittag. In der Nebenhalle der SAP-Arena formieren sich Spieler und Betreuer der schwedischen Auswahl vor Trainingsbeginn für das Gruppenfoto – eine der letzten Aufnahmen der «Tre Kronor» mit Bengt-Ake Gustafsson als Nationaltrainer. Der 52-Jährige aus Karlskoga, einst als Trainer in Langnau (1999–2001) und Assistent beim Schweizer Nationalteam (1997–2001) tätig, betreut die Auswahl Schwedens seit fünf Jahren. Nach dieser WM wird Gustafsson zurücktreten. Der langjährige NHL-Spieler (647 Partien) wechselt im Anschluss an die Übungseinheit von Eishockey- in Crocs-Schuhe, holt sich einen Becher Kaffee und gibt geduldig Auskunft.
Schweden und die Schweiz kämpfen um den ersten Gruppenplatz. Wie wichtig ist dieses Spiel für Ihr Team?
Wir wollen jedes Spiel gewinnen, also ist für uns auch jede Partie wichtig. Der erste Platz wäre eine gute Position, da man in diesem Fall erst im Endspiel auf die Russen treffen würde. Russland ist das stärkste Team dieser WM, sehr viele Starspieler sind für die Russen dabei, das ist im Vergleich zur Konkurrenz ein Vorteil.
In Ihrem Team stehen 4 NHL-Akteure. Für die WM sagten über 30 Spieler ab. Es gab auch Gerüchte wegen persönlicher Probleme...
Es ist jedes Jahr dieselbe Situation und für mich nicht überraschend. Die Medien aber machen aus diesem Umstand immer eine Story. Klar haben wir gehofft, dass mehr Spieler dabei sein können. Aber die Spieler sind verletzt, da kann man nichts ändern.
Wie beurteilen Sie die bisherigen Leistungen Ihres Teams?
Wir werden besser und besser. Im Spiel gegen Kanada hat das Team nochmals einen Schritt vorwärts gemacht, gerade auch in physischer Hinsicht.
Was erwarten Sie vom Spiel gegen die Schweiz?
Es wird intensiv, ein schnelles Spiel mit zwei Teams, die sehr hart arbeiten.
Die Offensive der Schweiz ist stärker als in früheren Jahren. Hat Sie dies überrascht?
Die Basis des Schweizer Spiels hat sich nicht geändert. Sie ist wie früher: Das Team spielt aus einer defensiv starken Position. Die Spieler praktizieren unter dem neuen Trainer aber ein aggressiveres Forechecking.
Sie haben das Schweizer Team als Assistent betreut und waren zwei Saisons in Langnau tätig. Sind Spiele gegen die Schweiz für Sie noch speziell?
Natürlich kenne ich noch viele Spieler und auch Leute aus dem Umfeld. Aber es ist ein Länderspiel zwischen Schweden und der Schweiz, für mich ist da nichts Spezielles mehr dabei.
Sie beenden nach dieser WM Ihre Tätigkeit als Nationaltrainer der Schweden. Verspüren Sie bereits Wehmut?
Die speziellen Gefühle kommen sicher nach dem Turnier. Im Moment bin ich am Arbeiten und habe keine Zeit zum Studieren. In ein, zwei Wochen wird dies sicher anders sein.
Nach dem Viertelfinal-Ausscheiden gegen die Slowakei in Vancouver wurden Sie und die Spieler stark kritisiert. Zu Recht?
Keine Frage, wir hatten schlecht gespielt. Die Erwartungen waren hoch. Aber die Slowakei spielte defensiv sehr stark und offensiv enorm effizient – bei sieben Schüssen kassierten wir in zwei Dritteln vier Tore. Fragen Sie mal unseren Goalie Henrik Lundqvist – einer der weltbesten. Alles lief gegen uns. Aber wir haben das verarbeitet.
Wo sieht man Bengt-Ake Gustafsson nächste Saison ?
Das weiss ich noch nicht.
Sie haben sich in Schweden mit dem Olympiasieg und dem WM-Titel im selben Jahr quasi ein Denkmal gesetzt. Müssen Sie überhaupt noch arbeiten?
Ich möchte zurück ins Klubhockey. Aber im Moment habe ich keinen Stress. Mein Sohn sagte zu mir, ich hätte mit Eishockey zu tun, seit ich 13 Jahre alt sei. Ich solle doch einmal vier, fünf Monate Pause machen. Vielleicht hat er recht (schmunzelt). Ich war seit 1979 an geschätzten 15 Weltmeisterschaften, als Spieler oder Betreuer, das ist sehr viel.
Verfolgen Sie das Schweizer Eishockey noch?
Ja, sehr häufig, meistens per Internet. Ich tausche mich auch oft mit Anders Eldebrink (Trainer der Kloten Flyers, die Red.) aus und bin deswegen über die NLA stets gut im Bild.
Würden Sie denn in die Schweiz zurückkehren?
Gerne, sehr gerne. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.05.2010, 08:14 Uhr
