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Nicht geglänzt, aber Sturzflug gestoppt

Von Adrian Ruch. Aktualisiert am 16.01.2012 1 Kommentar

Der SC Bern hat gegen die ersatzgeschwächten Rapperswil-Jona Lakers einen verdienten, aber glanzlosen 3:2-Pflichtsieg gefeiert. Captain Martin Plüss sagt, die schwierige Phase könne auch eine grosse Chance sein.

Seltener Siegesjubel: Christoph Bertschy und Captain Martin Plüss (von links) freuen sich über das 3:2 gegen die Rapperswil-Jona Lakers.

Seltener Siegesjubel: Christoph Bertschy und Captain Martin Plüss (von links) freuen sich über das 3:2 gegen die Rapperswil-Jona Lakers.
Bild: Keystone

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«Aber eins kann mir keiner, eins kann mir keiner, eins kann mir keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben.» Kurz nach Beginn des Schlussdrittels der NLA-Partie SC Bern - Rapperswil-Jona Lakers wurde der Refrain eines Lieds der Band Geier Sturzflug eingespielt. So ähnlich dürften die SCB-Fans gedacht haben, denen von ihren Lieblingen zum wiederholten Mal in den letzten Wochen magere Kost vorgesetzt wurde. Obwohl Trainer Antti Törmänen mit dem Kampfgeist seiner Akteure zufrieden war, taten sich die Berner gegen das Schlusslicht äusserst schwer. Das war umso enttäuschender, als die Lakers ersatzgeschwächt waren und nur zwei Ausländer einsetzen konnten.

Das Ketchup in der Flasche

Immerhin, im Schlussabschnitt entwickelte der SCB sehr viel Druck. Die Berner kreisten zuweilen minutenlang in der Abwehrzone der Gäste – wie auf ihre Chance wartende Geier. Dank einem Treffer des Juniors Christoph Bertschy nach einem Energieanfall von Martin Plüss gut drei Minuten vor Schluss stoppte der SCB den sportlichen Sturzflug. Bertschy traf glückhaft mit dem Schlittschuh, zuvor hatten Philippe Furrer das 1:0 durch einen abgelenkten Schuss und Ryan Gardner das 2:1 durch einen Abpraller geschossen – jeweils in Überzahl. Die Tore entsprangen also nicht wunderbaren Kombinationen; sie waren der Lohn für harte, unspektakuläre Arbeit.

Törmänen wählte nach dem Match ein schönes Bild für die derzeit harzige Spielweise seiner Mannschaft: «Es ist wie bei einer Ketchup-Flasche. Man weiss, dass etwas drin ist, aber manchmal kann man schütteln, wie man will, und es kommt doch nichts raus.»

Martin Plüss bezeichnete die letzten Partien als frustrierend. «Wir hatten zwar immer wieder gute Phasen, aber was schiefgehen konnte, ging schief», sagte der Captain, Murphys Gesetz bemühend. «Wir haben Mühe vor dem Tor, wir ermöglichen dem Gegner aus dem Nichts Chancen, und wir erhalten Tore, wie es sie nur selten gibt», zählte der Center einige Problempunkte auf. Trotz der raren Erfolgserlebnisse – der Meister von 2010 hatte vor dem Sieg gegen die Lakers in sieben Partien nur einmal gewonnen – ist die Stimmung in der Mannschaft laut Plüss bisher immer gut gewesen. Vielleicht wurde die Liedzeile «eins kann mir keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben» nicht zur Unterhaltung des Publikums, sondern als Seelenbalsam für die SCB-Spieler eingespielt. Trotz der bitteren Niederlage vom Freitag in Langnau hatte Törmänen darauf verzichtet, mit personellen Massnahmen ein klares Zeichen zu setzen. Mit Ausnahme des Kanadiers Jean-Pierre Dumont, der Landsmann Travis Roche weichen musste, weil wegen der Knieverletzung David Jobins Verteidigernotstand herrscht, durften alle Routiniers auf der angestammten Position spielen. Auch laut war der Finne offenbar nicht geworden. Er versuche, die Spieler besser zu machen, indem er mit ihnen spreche und ihnen Dinge erkläre. «Das ist meine Art, und doch habe ich kein Problem mit der Autorität.»

Kein Sand in den Augen

Es gab auch Positives zu vermerken: Im Powerplay, in dem die Scheibe meistens gut lief, erzielten die Gastgeber zwei Tore. In Unterzahl kontrollierten sie den Gegner souverän. Und im letzten Drittel liessen sie einen einzigen Torschuss und keine reelle Torchance zu. Zudem gab Roche ein vielversprechendes Comeback. Aber eben, der SCB traf am Samstag auf den Tabellenletzten, der erst noch auf etliche Leistungsträger verzichten musste. Plüss war denn auch weit davon entfernt, den Pflichtsieg zu überschätzen und zu behaupten, die Mannschaft befinde sich wieder auf dem gewünschten Niveau. Aber der Nationalspieler bezeichnete die schwierige Phase als «grosse Chance. Wir haben gelernt, dass es nichts gratis gibt. Knappe Siege statt knappe Niederlagen hätten uns vielleicht Sand in die Augen gestreut.»

Plüss hofft, dass er und seine Teamkollegen den Charaktertest bestehen, die richtigen Schlüsse ziehen und schliesslich gestärkt aus der Krise hervorgehen. «Dann können diese Erfahrungen noch sehr wertvoll werden.» Das könnten sie in der Tat, denn im Eishockey wird nicht im Januar, sondern erst in den Playoffs abgerechnet. Der Sturzflug wurde gegen Rapperswil-Jona gestoppt, nun müsste freilich langsam der Steigflug beginnen. Ansonsten werden alsbald die Geier über dem SCB kreisen und dessen Anhänger Anfang März doch noch die pure Lust am Leben verlieren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.01.2012, 07:31 Uhr

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1 Kommentar

tinu megert

16.01.2012, 09:04 Uhr
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also nach so darbietungen in den letzten wochen dürfte auch mal kritischeres ansprechen der antileistungen angesprochen werden.
herr ruch....getrauen Sie sich nicht dinge beim schopf anzusprechen?
leistungen wie jene von deruns und plüss bzw. ivo etc!!!
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