Lieber Zeit als Geld
Von Philipp Rindlisbacher. Aktualisiert am 08.03.2012
Am späten Dienstagabend befanden sich zwei Gäste in der Langnauer Garderobe. Ski-Gesamtweltcup-Leader Beat Feuz gratulierte den SCL Tigers für den 4:3-Erfolg nach Verlängerung gegen Ambri-Piotta, und auch Peter Jakob liess es sich nicht nehmen, persönlich Lob und Glückwünsche zu verteilen. Der Verwaltungsratspräsident hält sich normalerweise im Hintergrund, in sportliche Belange mischt er sich selten ein. Doch nach dem dritten Sieg im dritten Playout-Spiel war Jakob die Erleichterung anzusehen, er herzte unter anderen Siegestorschütze Paul Di Pietro.
Rund zwölf Stunden später weilte der 41-jährige Di Pietro bereits wieder in der Ilfishalle. An der freiwilligen, kurzen Übungseinheit auf dem Eis nahm er aber nicht teil; er zog es vor, im Kraftraum aktive Erholung zu betreiben. «Di Pietro nimmt eine Vorbildfunktion wahr. Vor allem die jungen Spieler sind von ihm begeistert», sagt Jakob. Der 55-Jährige bestätigt, dass die Tigers den Kanada-Schweizer gerne über diese Saison hinaus beschäftigen würden. Die Verhandlungen mit NLB-Verein Sierre – Di Pietros Kontrakt mit den Wallisern ist bis 2014 terminiert – laufen.
Mit etwas Wehmut
Womöglich aber steht der Altmeister heute (19.45 Uhr) in der Leventina letztmals für die Langnauer im Einsatz, können doch die Tigers auf fremdem Eis den ersten von vier «Matchpucks» verwerten.
Den Verein mit Sicherheit verlassen werden die Torhüter Robert Esche und Urban Leimbacher sowie Sebastian Schilt. Letzterer unterschrieb vor Weihnachten bei Gottéron einen Zweijahresvertrag. «Dass der Abschied naht, ist an und für sich ein gutes Zeichen. Ich spüre aber schon etwas Wehmut. Es war schon als Kind mein Traum, einmal das Langnauer Trikot zu tragen», sagt der Emmentaler.
Für Sentimentalitäten habe es derzeit aber keinen Platz, meint Schilt. «Ich muss in Ambri den Kopf bei der Sache haben und 60 Minuten lang kämpfen.» Es gelte nun, den mentalen Bonus auszunutzen. «Ambri hat dreimal knapp und unglücklich verloren. Das hinterlässt zwangsläufig Spuren.» Auch der robuste Verteidiger hatte sein Verdienst an der jüngsten Tessiner Niederlage: Am Dienstag wehrte er kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit einen Schuss in extremis mit dem Schlittschuh ab, das Tor wäre verwaist gewesen.
Die weisse Langnauer Weste gegen Ambri gründet indes auch auf der Leistungssteigerung der Ausländer. Die Stürmer Pascal Pelletier (6 Punkte) und Kurtis McLean (4) führen die Playout-Skorerliste an, Robert Esche hat seine Abwehrquote zuletzt auf 91,6 Prozent verbessert.
Bis zu 40'000 Franken
Mit 3:0-Siegen lagen die SCL Tigers in den Playouts erst einmal in Führung, vor zehn Jahren gegen Chur setzten sie sich letztlich 4:1 durch. Jakob sagt, er hoffe, die Saison werde am Donnerstagabend zu Ende sein – «etwas zusätzliche Zeit, um die Stadionsanierung vorzubereiten, käme uns gelegen». Er macht indes keinen Hehl daraus, dass am Samstag eine dritte Partie vor eigenem Anhang finanziell reizvoll wäre. Weil die Langnauer nur mit 27 Heimspielen (25 in der Qualifikation, 2 in den Playoffs respektive Playouts) budgetiert haben, könnten Mehreinnahmen von rund 40'000 Franken generiert werden. «Die Mannschaft soll sich um solche Rechenspiele nicht kümmern», meint Jakob. Übrigens: Eine Prämie für den vorzeitigen Ligaerhalt erhalten die Spieler nicht.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 08.03.2012, 07:58 Uhr
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