Keine Steuermänner, nur Passagiere
Von Adrian Ruch. Aktualisiert am 23.01.2012 2 Kommentare
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WM-Kampf nicht in Bern Auch neben dem Eis hat der SCB eine Niederlage erlitten. Der Eishockeyklub wäre am 7.Juli gerne als Gastgeber eines WM-Kampfs im Schwergewicht aufgetreten. Doch offenbar hat das Management der Brüder Vitali und Wladimir Klitschko, welche die Titel der vier grossen Verbände auf sich vereinigen, dem Luzerner Fussballstadion gegenüber der Postfinance-Arena den Vorzug gegeben. Jedenfalls sagte Rolf Bachmann, der Eventverantwortliche des SCB, auf Anfrage: «Wir haben eine Absage erhalten.» Haben die Vertreter der Klitschko-Brüder den Entscheid begründet? «Sie sagten, es gebe eine kommerziell lukrativere Variante», meinte Bachmann.
In der 54. Minute der Eishockeypartie zwischen dem HC Gottéron und dem SC Bern brandete die Welle durch die alte Freiburger Halle. Zu diesem Zeitpunkt war der Gästesektor schon fast verwaist. Während die Anhänger der Einheimischen jubelten und sangen, hatten die meisten SCB-Fans längst genug gesehen. 1:6 aus Sicht der in allen Belangen unterlegenen Berner stand es zu diesem Zeitpunkt, und am Resultat änderte sich bis zur Schlusssirene nichts mehr.
«Wir spielten aggressiv, wir liefen viel – es war fast ein perfekter Match», sagte der ehemalige SCB- und jetzige Gottéron-Center Christian Dubé strahlend. Seitens der Verlierer zog hingegen keiner die Mundwinkel nach oben. Die Niederlage gegen den Erzrivalen, die höchste seit dem 1:7 am 31.Oktober 2010 in Biel, schmerzte zu fest.
Lüthi wählt klare Worte
Cheftrainer Antti Törmänen stellte sich auch in dieser bitteren Stunde den Medienvertretern. Gründe für das Debakel konnte er freilich nicht nennen, vielmehr beschäftigte ihn selber eine Frage: «Wie ist es möglich, dass wir alle Zweikämpfe verlieren? So kann man keinen Match gewinnen.» Und er fügte an, es sei definitiv die schlechteste Leistung in seiner Amtszeit gewesen. CEO Marc Lüthi, der seine Gemütslage mit einem einzigen – an dieser Stelle nicht zitierbaren – Wort beschrieb, ging sogar noch weiter. Er sprach vom schlechtesten Auftritt seit 15 Jahren.
In Bezug auf Erklärungen für das mittlerweile über einen Monat anhaltende Formtief wirkte auch Lüthi etwas ratlos. «Das Patentrezept hat niemand, aber vielleicht sollten die Spieler mit harter Arbeit beginnen.» Ist wirklich mangelnder Einsatz das Problem? «Woran liegt es, wenn man stets einen Schritt zu spät kommt?», stellte Lüthi eine rhetorische Gegenfrage. «Ich mag nichts von mangelndem Selbstvertrauen hören. Wenn es um Vertragsverhandlungen geht, hat jeweils jeder genügend Selbstvertrauen.» Gemäss dem SCB-Chef sind keine Massnahmen geplant, die den Coach betreffen.
In der Tat lässt sich Törmänen nichts Konkretes vorwerfen. Der Cheftrainer hatte sich durch die trügerischen 3:2-Siege gegen die Rapperswil-Jona Lakers und die ZSC Lions den Blick aufs grosse Bild nicht trüben lassen; jedenfalls versuchte er, dem Team einen Impuls zu geben, indem er das Ausländerquartett erneut neu zusammenstellte. In Freiburg kam Travis Roche trotz Kniebeschwerden für Jean-Pierre Vigier zum Einsatz. Demotiviert stiegen die Gäste nicht in die Partie, eher übermotiviert, was zu zahlreichen Strafen führte. Und während der Partie zog Törmänen nach dem 1:4 in der 23.Minute die Notbremse, indem er Marco Bührer durch Olivier Gigon ersetzte. «Der Goalie trug keine Schuld am Rückstand, doch ich musste etwas ändern», erklärte er. Die Massnahme blieb ohne Erfolg, zwar wurde Gigon nur noch zweimal bezwungen, aber der SCB blieb harmlos.
Probleme von hinten bis vorne
Derzeit passt beim SC Bern schlicht nichts zusammen – von hinten bis vorne gibt es viel Steigerungspotenzial. Bührer spielt zwar nicht schlecht, ist aber derzeit auch kein echter Rückhalt. Die Verteidiger haben Probleme bei der Angriffsauslösung, leisten sich regelmässig Blackouts und verbringen zu viel Zeit auf der Strafbank. Die Stürmer unterstützen die Abwehrspieler ungenügend, setzen sich nur selten in 1-gegen-1-Situationen durch und vermögen generell kaum Druck zu entwickeln. «Wir haben derzeit zu viele Passagiere», sagte Törmänen in Freiburg. Auf dem Eis waren tatsächliche keine Steuermänner zu entdecken, die mit gutem Beispiel vorangingen.
Die gute Nachricht ist, dass im Eishockey erst in den Playoffs abgerechnet wird. Aufgrund des Formtiefs der Berner und der Klotener sowie des beträchtlichen Vorsprungs auf das sechstplatzierte Lugano deutet derzeit viel auf einen Viertelfinal zwischen dem SCB und den Kloten Flyers hin. (Berner Zeitung)
Erstellt: 23.01.2012, 08:10 Uhr
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2 Kommentare
Wer DIESES Spiel gesehen hat, der fragt sich, wer um Himmelswillen diesen SCB aus der anhaltenden Krise führen soll!?!
Bis auf zwei, drei Ausnahmen hat kein Spieler auch nur anhähernd gezeigt, worzu er imstande wäre. Und natürlich hat ML recht wenn er sagt, dass es am Selbstvertrauen icht liegen könne...
Sorry, liebe Spieler: Lange verarscht ihr mich nicht mehr!!!!!!!
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Ich hoffe, dass in der Offseason mal ein Kehraus gemacht wird. Viele Altstars sollten man gehen lassen und durch jüngere Spieler ersetzen. Auch wenn diese mal nicht so berauschend spielen, würden sie immerhin noch Einsatz zeigen. In Fribourg zeigte man weder Einsatz noch sonst was. Überbezahlte Schönwetterspieler! Antworten

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