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«Ich hoffe, sie meinen nicht, ich sei ein Prügler»
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Steigt die Nervosität, je näher der Abflug nach Nordamerika rückt?
Wick: Ich bin schon nervös. Aber das gehört dazu. Vor allem steigt die Vorfreude.
Blindenbacher: Ich frage mich, wie es abläuft, wenn ich ankomme. Es ist alles recht ungewiss. An die Saison denke ich noch nicht. Die ist noch viel zu weit weg.
Welche Informationen haben Sie von Ihren Klubs bekommen?
Wick: Nicht viele. Das ist genau das, was einen nervös macht: Du weisst nicht, was auf dich zukommt.
Wie haben Sie sich vorbereitet? War es Ihr intensivster Sommer?
Wick: Ich habe beim Sommertraining schon noch ein Brikett mehr reingelegt. Wenn ich es in der NHL probiere, dann muss ich gut trainiert sein. Ich bin zufrieden mit dem, was ich gemacht habe.
Blindenbacher: Wir haben das Sommertraining zusammen absolviert. Es war intensiv. Vor allem im Juni und Juli.
Haben Sie sich zehn Kilo mehr Muskeln antrainiert, um für die ruppige NHL bereit zu sein?
Blindenbacher: Überhaupt nicht. Bei mir ist das Ziel, dass ich die Muskeln, die ich habe, hundertprozentig einsetzen kann. Ich brauche nicht mehr Masse.
Wick: Wenn du ein riesiges Muskelpaket bist, verlierst du an Beweglichkeit. Und die gehört zu unseren Stärken. Wir dürfen nicht das Gefühl haben, wir müssten uns gross verändern. Es gibt ja Gründe, weshalb sie uns geholt haben.
Was wissen Sie über Ihre Klubs?
Blindenbacher: Dallas hat offenbar Finanzschwierigkeiten (lacht).
Wick: Ich wurde von Ottawa gedraftet und war auch schon im Camp. Das ist vier Jahre her. Aber ich weiss, wie es dort aussieht. Und ich kenne den einen oder anderen vom Trainerstaff.
Blindenbacher: Ich hatte mit dem Materialwart, dem Fitnesscoach, dem GM und der Sekretärin Kontakt.
Wo stehen Sie bei Ottawa und Dallas in der Hierarchie?
Wick: Keine Ahnung. Ich habe mir das Kader angeschaut. Aber ich habe das Gefühl, es wäre nicht gut, wenn ich mir gross darüber Gedanken mache, wer meine Konkurrenten sind. Ich muss einfach mein Bestes geben.
Blindenbacher: Ich kenne ein paar Namen bei Dallas. Aber ich habe nur gegen einen oder zwei gespielt. Es bringt nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
Welche Stärken wollen Sie ausspielen, um sich durchzusetzen?
Blindenbacher: Roman hat richtig gesagt, dass es einen Grund gibt, dass sie uns wollten. Ich hoffe, sie meinen nicht, ich sei ein Prügler. Ich gehe davon aus, dass ich eher als Spielmacher geholt wurde.
Wick: Sie haben sicher gewisse Ideen. Aber dort drüben kannst du nicht sagen, was du gerne hättest. Du musst das umsetzen, was sie dir vorgeben. Das hat man bei Streit gesehen, der eine Saison als Stürmer spielen musste. Da musst du im Kopf stark sein.
Hilft es, dass Sie beide schon im Ausland gespielt haben?
Wick: Das Wichtigste ist, dass wir wissen, wie es ist, von zu Hause weg zu sein. In einem fremden Land, in dem man nicht auf sein gewohntes Umfeld bauen kann. Du musst dich auch neben dem Eis wohl fühlen, damit es auf dem Eis läuft.
Blindenbacher: Viele meinen, diese Umstellung sei einfach. Aber das ist sie nicht. Man ist plötzlich auf sich alleine gestellt, in einer anderen Stadt, in einem anderen Lebensrhythmus.
Wick: Eine solche Erfahrung bringt dich menschlich weiter. In dieser Hinsicht habe ich von den zwei Jahren im kanadischen Juniorenhockey enorm profitiert.
Sie, Severin Blindenbacher, wollten nach Schweden unbedingt weiter im Ausland spielen. Weil Sie merkten, dass mehr möglich ist?
Blindenbacher: Genau. Ich habe mich in Schweden recht gut durchgesetzt. Und nach Olympia dachte ich: Eigentlich würde es drinliegen, in der NHL mitzuspielen. Probier es doch einfach.
Roman Wick, war Vancouver für Sie auch ein Schlüsselerlebnis?
Wick: Absolut. Da spielten die Besten der Besten, auf dem kleinen Feld, und ich hatte das Gefühl, gut mitzuhalten. Also dachte ich: wieso nicht?
Was erwarten Sie von den Städten?
Blindenbacher: Dallas soll eine Modestadt sein. Und in Texas wird die Todesstrafe rigoros angewandt. Ich weiss also die wichtigsten Dinge (lacht).
Wick: Ich unternehme in Ottawa zuerst eine Busfahrt für Touristen (lacht).
Sie haben schon jung gegen die Besten Ihres Alters gespielt. Hilft das?
Wick: Viele, mit oder gegen die ich in Kanada bei den Junioren spielte, sind nun erfolgreich in der NHL. Ich hatte nicht den Eindruck, sie seien Übermenschen. Der Biss ist anders da drüben. Da fehlt uns in der Schweiz noch etwas.
Blindenbacher: Schön gesagt. Das oberste Ziel jedes Kanadiers ist die NHL. Das ist normal für die.
Was hat Mark Streit ausgelöst?
Blindenbacher: Er ist unser Vorbild. Auch, was seine unkomplizierte Art und seinen Werdegang betrifft. Wie er sich hochgearbeitet hat. Es ist eindrücklich, was er geleistet hat. Und immer noch leistet. Was ich bei ihm unglaublich finde: Er ist immer besser und besser und besser geworden.
Wick: Er ist sehr gut für die jungen Schweizer: Die wissen, einer hat es geschafft. Sie können sich an ihm orientieren. Das ist eine grosse Motivation.
Was ist sein Geheimnis?
Blindenbacher: Harte Arbeit. Mentale Stärke. Er hat seine Linie von A bis Z durchgezogen.
Hat er Ihnen Tipps gegeben?
Wick: Ja. Er hat mir etwa geraten, keinen Ton zu sagen wegen der Wohnung. Entweder bekommt man eine oder nicht.
Blindenbacher: Interessant, dass du das sagst. Denn das habe ich schon gefragt. Die Sekretärin sagte mir, ich solle die Schweden anrufen und fragen, wo sie wohnen. Und als mich der GM anrief, fragte ich ihn: Wie ist das mit der Wohnung? Er tönte überrascht.
Gibt es einen Spieler, gegen den Sie unbedingt spielen wollen?
Wick: Am liebsten würde ich gegen Severin spielen. Und dann wäre es natürlich interessant, Owetschkin oder Crosby zu erleben. Von denen kann ich sicher noch das eine oder andere lernen.
Blindenbacher: Ich schaue beim ZSC-Training genau, wie sich Mark in den Zweikämpfen verhält. Er hat den Stock immer auf dem Eis, nie oben. Weil er weiss, dass er dann in der NHL eine Zweiminutenstrafe bekommt. Und ich beobachte, wie er sich in den Ecken verhält.
Wer von Ihnen schafft nächste Saison mehr NHL-Spiele?
Wick: Severin (lacht).
Blindenbacher: Doofe Frage. Jeder schaut zuerst einmal für sich selbst, aber natürlich hoffen wir beide das Beste für den anderen. Wir werden drüben in engem Kontakt bleiben. Es ist wichtig, dass man sich mit jemandem, der ähnliche Dinge erlebt, austauschen kann. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.08.2010, 13:30 Uhr
