Für einmal nicht im Playoff-Modus

Die Siegesserie des SC Bern ist gerissen: Die Mutzen kamen nach dem frühen Führungstor vom Weg ab und unterlagen dem HC Davos 1:7. Noch immer führt das Team Lars Leuenbergers in der Halbfinalserie mit 2:1 Siegen.

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Im Eishockey kann es schnell gehen. Während sechs Playoff-Partien hatte der SC Bern einen äusserst stabilen Eindruck gemacht, wenig Fehler begangen und die Mehrzahl der Zweikämpfe für sich entschieden. Und auch gestern begann die Equipe Lars Leuenbergers sehr überzeugend.

Nach 20 Sekunden kam Simon Bodenmann zu einer hochkarätigen Chance, kurz darauf befand sich Timo Helbling in bester Abschlussposition, und nach gut 3 Minuten sorgte Topskorer Cory Conacher per Abpraller für den verdienten Führungstreffer. Der SCB schien einmal mehr auf gutem Weg zu sein. Doch am Ende stand es 7:1 für den HC Davos, und Helbling sagte, «ich könnte noch lange hier stehen und aufzählen, was alles nicht gestimmt hat».

Es kann eben schnell gehen. Nur 61 Sekunden nach Conachers Treffer lag Davos dank Toren von Dick Axelsson und Dario Simion 2:1 vorne. Arno Del Curto hatte Axelsson 1000 Franken bar auf die Hand versprochen, sollte der schwedische Hitzkopf für einmal seine Emotionen im Griff haben.

Ob Axelsson das Busch-Englisch des HCD-Trainers richtig verstanden oder geglaubt hatte, die Prämie sei für ein Tor ausgesetzt, ist nicht überliefert. Del Curto dürfte es so oder so recht gewesen sein. Übrigens: Der für einmal coole Stürmer will das Geld für eine neue Wette einsetzen.

Fehler über Fehler

In den letzten Wochen hatte sich der SCB ausser im Kehrausspiel gegen Gottéron nicht mehr selber geschlagen. Im dritten Match der maximal siebenteiligen Halbfinalserie war das anders. Beim 2:1 wollte Jakub Stepanek Simions Querpass mit dem Stock entschärfen, doch er traf Teamkollege David Jobin, der die Scheibe ins eigene Tor ablenkte. Beim 3:1 Devin Setoguchis stand Eric Blum mit einem groben Fehler Pate.

Beim 4:1 liess Stepanek, der nach neun hervorragenden Leistungen in Folge für einmal fehlerhaft agierte, den Puck abprallen – Setoguchi direkt vor die Schaufel. «Wir hätten das 1:0 und das 1:1 länger halten müssen», meinte Leuenberger.

Auch bezüglich Disziplin erreichten die Mutzen nicht das Niveau aus den vorangegangenen Partien. Noch vor der ersten Pause machte Derek Roy eine Überzahlsituation mit einem Bandencheck zunichte, und kurz darauf handelte sich Conacher eine 2-Minuten-Strafe ein, als sich seine Mannschaft bereits in Unterzahl befand.

Der Kanadier spielte nicht etwa weiter, bis die Begegnung unterbrochen wurde, sondern diskutierte mit den Schiedsrichtern. Dieses Fehlverhalten hatte kein Gegentor zur Folge, aber es war ein klares Zeichen dafür, dass sich diesmal längst nicht alle Berner im Playoff-Modus befanden.

Zudem brachte für einmal der Gegner mehr Intensität aufs Eis – die Davoser waren an der Bande überlegen und vor den Toren eindeutig präsenter. Das zeigte sich beim 5:1, als Mauro Jörg die Scheibe im x-ten Anlauf über die Linie spedierte, obwohl er von SCB-Flügel Simon Moser gefoult worden war.

Die Partie war damit schon vor der zweiten Pause entschieden. Das Hauptübel ortete SCB-Coach Leuenberger denn auch in der zu geringen Aggressivität seiner Akteure. «Die Davoser waren bissiger; fünf oder sechs Tore schossen sie aus dem Slot.» Und Verteidiger-Haudegen Helbling hielt fest: «Wir waren mental nicht bereit.»

Nun der Härtetest

Manchmal kann es schnell gehen. Das hatte man beim SCB gesehen, als es zum Ende der Qualifikation im richtigen Moment Klick gemacht hatte. Nun stellt sich die Frage, ob die zwei unnötigen Gegentore kurz nach dem Führungstreffer nur gestern die Wende bedeuteten – oder ob sie sogar die Serie gegen den Meister kippen lassen.

Leuenberger und seine Equipe sind jedenfalls gefordert. Keeper Stepanek muss die sieben Gegentore wegstecken, seine Teamkollgen müssen zu ­jenen Tugenden zurückfinden, die sie zuletzt stark gemacht ­hatten. Oder anders ausgedrückt: Der SCB muss bis zum Heimspiel vom Donnerstag wieder in den Playoff-Modus gelangen.

«Wegen einer Niederlage darf man das Selbstvertrauen nicht verlieren», sagte Leuenberger. «Jetzt gilt es, wieder aufs Gaspedal zu drücken.» (Berner Zeitung)

(Erstellt: 22.03.2016, 22:55 Uhr)

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Davos - Bern 7:1 (4:1, 1:0, 2:0)

5796 Zuschauer. - SR Vinnerborg/Wiegand, Kovacs/Tscherrig. - Tore: 4. (3:15) Conacher (Rüfenacht, Roy) 0:1. 4. (3:42) Axelsson (Heldner, Marc Wieser) 1:1. 5. (4:16) Simion (Paulsson) 2:1. 9. Setoguchi (Schneeberger) 3:1. 17. Setoguchi (Dino Wieser) 4:1. 39. Jörg (Setoguchi, Marc Wieser/Ausschluss Blum) 5:1. 50. Paulsson (Heldner, Setoguchi) 6:1. 53. Ambühl (Ausschluss Luca Hischier) 7:1. - Strafen: 8mal 2 Minuten gegen Davos, 9mal 2 plus 10 Minuten (Roy) gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: Lindgren; Conacher.

Davos: Genoni; Du Bois, Jung; Heldner, Guerra; Schneeberger, Paschoud; Kindschi, Rampazzo; Ambühl, Corvi, Jörg; Marc Wieser, Lindgren, Axelsson; Setoguchi, Aeschlimann, Dino Wieser; Simion, Walser, Paulsson.

Bern: Stepanek; Jobin, Untersander; Krueger, Blum; Helbling, Gerber; Kreis; Bodenmann, Ebbett, Moser; Conacher, Roy, Rüfenacht; Luca Hischier, Plüss, Scherwey; Alain Berger, Pascal Berger, Gian-Andrea Randegger; Reichert.

Bemerkungen: Davos ohne Forster (gesperrt), Sciaroni (verletzt), Picard, McGrath, Kessler und Egli (alle überzählig), Bern ohne Flurin Randegger (krank), Bergenheim, Bührer, Kobasew, Kousa (alle verletzt), Smith, Ness, Müller und Wiedmer (alle überzählig). Timeout Bern (9.).

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