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Enkel von Nazi-Opfer stürmt für Deutschland

Aktualisiert am 09.02.2012

Evan Kaufmanns jüdischer Grossvater Kurt sass unter den Nazis im KZ und musste in die USA fliehen. Trotzdem ist der Eishockey-Profi ins Land seiner Vorfahren zurückgekehrt.

Besonderer Debütant: Evan Kaufmann.

Besonderer Debütant: Evan Kaufmann.
Bild: Keystone

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Das Vier-Nationen-Turnier um den Belarus-Cup in der weissrussischen Hauptstadt Minsk, das am kommenden Wochenende über die Bühne geht, wäre eigentlich keiner besonderen Erwähnung wert – wenn da nicht das Debüt von Evan Kaufmann für die deutsche Nationalmannschaft wäre. Kaufmann ist nämlich nicht irgendein Debütant. Der Mann aus Minnesota entstammt einer jüdischen Familie, die Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurde. Kaufmanns Grossvater Kurt, der an der Mosel aufwuchs, war im Konzentrationslager eingesperrt und konnte sein Leben nur durch die Flucht in die USA retten.

«Mein Grossvater hat seine Eltern nie wieder gesehen und konnte auch eine Handvoll seiner Cousins und Cousinen nicht mehr finden», sagte Kaufmann der deutschen Agentur DPA im Vorfeld des Belarus-Cup. Es war das erste Mal, dass er öffentlich über die tragische Geschichte seiner Vorfahren sprach. Kaufmann, inzwischen 27 Jahre alt und erfolgreicher Stürmer bei der Düsseldorfer EG, war 2008 das erste Familienmitglied, das seit dem Zweiten Weltkrieg wieder deutschen Boden betrat. Als er erstmals vom Interesse aus Deutschland hörte, habe er gemischte Gefühle gehabt, zumal die deutsche Sprache in seiner Umgebung tabu war. Er sei dann aber sehr gut aufgenommen worden und fühle sich seither in Düsseldorf sehr wohl.

«Das war ein sehr emotionaler Moment»

Kaufmanns Eltern kommen inzwischen regelmässig nach Deutschland und besuchten mit ihrem Sohn auch den Heimatort des 1990 verstorbenen Grossvaters an der Mosel. «Die älteren Leute dort konnten sich sogar noch an ihn erinnern. Das war ein sehr emotionaler Moment», beschrieb der Eishockey-Profi den Ausflug in die Vergangenheit. Emotional werde für ihn auch das Nationalmannschafts-Debüt gegen die Weissrussen am Freitag: «Ich werde sicher sehr nervös sein.»

Trotz des Leids, das seine Vorfahren in Deutschland erfahren mussten, stand es für Kaufmann nicht zur Debatte, das Aufgebot des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) abzulehnen. «Ich musste nicht gross nachdenken. Das ist eine grosse Ehre», gab er zu Protokoll. «Mein Grossvater wäre sehr stolz.»

Köbi Kölliker, der Schweizer Trainer der DEB-Auswahl, wollte Kaufmann eigentlich schon im vergangenen Jahr in seine Equipe berufen, der Umworbene musste aber wegen einer Verletzung absagen. Nun ist seine Stunde gekommen. (ak)

Erstellt: 09.02.2012, 07:43 Uhr

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