Ein Umweg muss nicht schlecht sein

Der frühere SCB-Junior Julian Schmutz ist beim EHC Biel schon in seiner ersten NLA-Saison zum Leistungsträger geworden. Entscheidend für seine positive Entwicklung waren die Lehrjahre in der zweithöchsten Spielklasse.

Julian Schmutz (links) spielt in der ersten Bieler Sturmlinie und daher oft gegen die besten Gegner – hier im Duell mit Berns Mark Arcobello.

Julian Schmutz (links) spielt in der ersten Bieler Sturmlinie und daher oft gegen die besten Gegner – hier im Duell mit Berns Mark Arcobello. Bild: Keystone

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Am späten Dienstagabend ist Julian Schmutz wie all seine Teamkollegen niedergeschlagen. Nach dieser schlechten Leistung sei es schwierig, den Kopf nicht hängen zu lassen, gibt der Flügelstürmer des EHC Biel in der Tissot-Arena zu. Die 0:3-Niederlage gegen den SC Bern führt er weniger auf die Klasse des Meisters als auf das eigene Unvermögen zurück. «Wir kamen nie ins Spiel, gingen zu ­selten dorthin, wo es wehtut.»

Ausverkauftes Stadion, Playoff-Heimspiel, Berner Derby – wie lässt sich der Auftritt der Bieler, die blutleer und uninspiriert agierten, plausibel erklären? «Wir hatten uns extrem viel ­vorgenommen, die Energie der Zuschauer aufgesogen. Wahrscheinlich hat sich dies nach dem frühen Gegentor ins Negative ­gedreht», liefert Schmutz einen Ansatz.

Bern–Basel–Visp–Biel

Der Stachel der Enttäuschung sitzt tief beim 23-Jährigen, zumal er zugibt, dass Partien gegen den SC Bern für ihn etwas Besonderes sind. Das hat mit seiner Geschichte zu tun. 2009 wechselte er vom SC Langenthal in die Nachwuchsabteilung des SCB, spielte vorerst für die Elite-Novizen-Equipe und dann für die Elite-Junioren-Mannschaft – und wie!

«Es ist wichtig, dass man im richtigen Moment am richtigen Ort ist. Bei Bern war das gar nicht der Fall.»Julian Schmutz

In der Saison 2011/2012 gelangen ihm in 42 Partien 69 Skorerpunkte. Er durfte damals sogar schon NLA-Luft schnuppern. Durchzusetzen vermochte er sich im Fanionteam des SCB allerdings nicht, die damalige sportliche Führung des Grossklubs stufte ihn bezüglich Einstellung als nicht reif genug ein. «Es ist wichtig, dass man im richtigen Moment am richtigen Ort ist. Bei Bern war das gar nicht der Fall», sagt Schmutz rückblickend. Als 19-Jähriger wurde er an die Basel Sharks, in der Folgesaison an den EHC Visp ausgeliehen.

Im Wallis machte der Rechtsschütze rasant Fortschritte. Vor der Meisterschaft 2015/2016 über­nahmen die Visper den begabten Stürmer definitiv und wurden belohnt. Schmutz avancierte in der Qualifikation mit 21 Toren und 34 Assists zum produktivsten Schweizer in der NLB. «Für mich war der Umweg über die NLB das Richtige», stellt er fest.

Manchmal kann ein Umweg eben auch zu Zeitersparnis führen. Schmutz ist mittlerweile mindestens einen Schritt weiter als seine gleichaltrigen Kumpels Sämi Kreis und Marco Müller, die bei den Mutzen geblieben, aber nicht allzu oft zum Einsatz gekommen sind und nun im Sommer zu Biel respektive Ambri-Piotta wechseln werden.

Statist? Hauptrolle!

Er habe in Visp viel Spass ge­habt und viel gelernt, erzählt Schmutz. «Ich konnte in der NLB meine Qualitäten entwickeln, die eindeutig in der Offensive liegen. Sonst könnte ich nicht die Rolle spielen, die ich jetzt innehabe.» Der 23-Jährige ist in seiner ersten vollständigen NLA-Saison im Bieler Ensemble nicht etwa ein Statist, er hat sich gleich eine Hauptrolle gesichert.

«Biel ist ein guter Platz für mich, ich bekomme vom Trainer viel Vertrauen und viel Eiszeit»Julian Schmutz

Schmutz, im vergangenen November Vater eines Sohnes geworden, ist beim EHC Biel hinter dem derzeit verletzten Center Gaëtan Haas der zweitbeste Punktesammler mit Schweizer Pass. «Biel ist ein guter Platz für mich, ich bekomme vom Trainer viel Vertrauen und viel Eiszeit», sagt der Flügel.

In der Playoff-Serie gegen den SCB bildet Julian Schmutz gemeinsam mit dem US-Amerikaner Robbie Earl und dem Finnen Toni Rajala die erste Sturmlinie. Im ersten Match zeichnete das Trio für das einzige Tor der Seeländer verantwortlich und war auch sonst ein steter Gefahrenherd, im zweiten Vergleich war von ihm nichts zu sehen.

Seine persönlichen Leistungen stuft Schmutz realistisch ein. «Am Samstag war ich wie die ganze Mannschaft ziemlich gut, diesmal wie die ganze Mannschaft richtig schlecht.» Er fügt noch an: «Aber wir geben nicht auf.» Als er das mit leiser Stimme sagt, wirkt der Oberaargauer trotz der Kampfansage wie ein Verlierer.

Doch eigentlich gehört er zu den grossen Gewinnern der NLA-Meisterschaft 2016/2017, immerhin wurde er von den Coachs und Captains zum Aufsteiger der Saison gewählt. Das wird er schon bald selber auch so sehen – unabhängig vom Ausgang der Viertelfinalserie gegen seinen Ex-Klub. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.03.2017, 09:42 Uhr

SC Bern

Das dritte Playoff-Derby im Rahmen der Viertelfinalserie zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel beginnt heute Donnerstag in der Postfinance-Arena erst um 20.15 Uhr. Das Spiel wird auf SRF 2 live übertragen, während der Match ZSC Lions - Lugano auf dem zweiten Kanal des ­Tessiner Fernsehens gezeigt wird.

Sowohl die Mutzen als auch die Seeländer beklagen nach dem dienstäglichen Vergleich keine neuen Verletzten. ­Während EHCB-Coach Mike McNamara angedeutet hat, dass er Mike Lundin pausieren lassen und mit vier aus­ländischen Stürmern antreten will, steht beim SCB noch nicht fest, ob Aaron Gagnon, Ryan Lasch oder Maxim Noreau ­diesmal aussetzen muss. (ar)

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