Sport
Ein Playoff-Tag mit Travis Roche
Von Adrian Ruch. Aktualisiert am 16.03.2010
Während der Playoffs ist Travis Roche viel unterwegs - nicht nur auf dem Eis. Mit dem Roller fährt der Verteidiger ins Stadion zurück, nach Lugano reist der SCB im Teambus. (Bild: Andreas Blatter)
Hoher Energiepegel: Kaffee und Red Bull helfen Roche, auf dem Eis hellwach zu sein. (Bild: Andreas Blatter)
Der SC Bern spielt nach drei Siegen (5;2, 7:6, 7:0) heute in Lugano den ersten Matchpuck. Trotz der einseitigen Partie vom Samstag erwartet Travis Roche eine schwierige Aufgabe. Wenn um 20.15 Uhr die Hartgummischeibe eingeworfen wird, haben der ehemalige NHL-Verteidiger und seine Teamkameraden einen Teil der Arbeit bereits erledigt. Der Kanadier erzählt, wie sein Tagesablauf aussehen wird.
8.20 Uhr. Travis Roche, der im Breitenrain wohnt, steht auf und isst eine Schüssel Flocken mit Milch. «Danach schalte ich den Computer ein, um mir die Höhepunkte der NHL-Matches anzusehen.» Um 9.20 Uhr setzt er sich auf seinen Roller und macht sich auf den Weg zur PostFinance-Arena – sieben Minuten dauert es von Tür zu Tür.
9.45 Uhr: Coach Larry Huras bittet zur Videoanalyse. Weil der Gegner zum vierten Mal in acht Tagen Lugano heisst, fällt sie mit knapp fünfzehn Minuten höchstens halb so lang aus wie während der Qualifikation. «Man sieht, wie man die Pläne des Gegners am besten durchkreuzt», sagt Roche, «vor allem das Verhalten beim Forechecking und beim Bully ist interessant.» Danach trinkt er zwei Tassen Kaffee und begibt sich unter die Dusche.
10.30 Uhr: Im lockeren Training gehe es darum, die Beine zu bewegen, erklärt Roche, der anschliessend erneut duscht. «Ich mag die Playoff-Zeit, dann kann ich vier Mal am Tag duschen», verrät er schmunzelnd. Danach nehmen die Spieler im Stadion gemeinsam das Mittagessen ein. Auf dem Menüplan stehen Fisch, Poulet, Reis, Teigwaren und Salat. Es ist eine leichte Mahlzeit ohne Dessert.
12.30 Uhr: Travis Roche fährt mit dem Roller nach Hause, wo er sich etwas entspannt, zum Beispiel mit Fernsehen. Später packt er ein Kissen, Filme und andere persönliche Utensilien ein. Per Roller geht es zurück zum Stadion.
14.30 Uhr: Der Teamcar fährt ab, etwas später als gewohnt, weil die heutige Partie wegen der Fernsehübertragung erst um 20.15 Uhr beginnt. Die Sitzordnung ist immer gleich. Während der Betreuerstab unten Platz nimmt, lassen sich die Spieler im oberen Stock nieder. Auf der Fahrt wird gelesen, Musik gehört oder gejasst. Roche gehört zu jenen, die schlafen. Nach rund zwei Stunden wird an einer Raststätte Halt gemacht. «Jeder kann sich nehmen, was er will – die Rechnung übernimmt der SCB», erzählt der Kanadier. «Ich esse meistens ein Müesli und ein Stück Kuchen.» Dazu trinkt er Wasser und Kaffee.
18.15 Uhr: Rund zwei Stunden vor Matchbeginn trifft der SCB in der Resega ein. Huras versammelt das Team, um kurz an die am Morgen besprochenen Dinge zu erinnern. Danach bandagiert Roche seine Stöcke, trinkt zwei weitere Tassen Kaffee und nimmt erneut eine Dusche. Während er das Wasser geniesst, diskutiert er mit Christian Dubé. Es wird gelacht, es werden Sprüche geklopft. «Ich habe es gern lustig und werde erst zehn Minuten vor dem Aufwärmen seriös. Wir haben eine gute Mischung von ernsthaften und lockeren Typen.» In der Garderobe ertönt Musik; Beat Gerber hat eine CD mit rund fünfzehn Songs zusammengestellt. «Es ist ein guter Mix aus deutsch- und englischsprachigen Liedern», sagt Roche, der speziell bei «Hell’s Bells» von AC/DC in Stimmung kommt.
19.25 Uhr: Die Musik verstummt. Roche nimmt, falls nötig, ein Schmerzmittel ein und trinkt Red Bull. Das viele Koffein dient als Ersatz für ein US-Produkt, das er jahrelang konsumiert hat. «Die Pille öffnet die Nase und erhöht die Aufmerksamkeit. Weil sie seit dem 1.Januar auf der Dopingliste steht, steigere ich meinen Energiepegel mit Kaffee und Red Bull.» Kurz vor dem erstmaligen Betreten des Eises schreit Roche seinen Teamkollegen Trevor Meier laut an. «Dieses Ritual hat sich so ergeben, denn Trevor ist ein ruhiger, schüchterner Mensch, der aufgerüttelt werden muss. Vor dem ersten Playoff-Spiel hat er plötzlich ebenfalls gebrüllt – und das ganze Team hat ins Gejohle eingestimmt.»
20.05 Uhr: Huras hält eine kurze Motivationsrede. Drei Minuten vor Matchbeginn gehen die Spieler aufs Eis und werden von den Lugano-Fans ausgepfiffen.
22.35 Uhr: Das Spiel ist, sofern es nicht zur Verlängerung kommt, vorüber. Einige Exponenten müssen den Medien zur Verfügung stehen. Roche macht in der Garderobe abwechselnd mit Roman Josi mehrere Serien Liegestützen. Dann nimmt er die vierte Dusche. Rund vierzig Minuten nach der Schlusssirene versammelt sich die Equipe im Car. Die Atmosphäre hängt stark vom Ergebnis ab. «Sobald wir auf der Autobahn sind, wird gegessen», berichtet Roche. Danach verteilt Simon Gamache die Karten; er und Roche spielen gewöhnlich mit Christian Dubé, Trevor Meier, Lee Goren, Caryl Neuenschwander und Jean-Pierre Vigier.
2.20 Uhr: Der Car trifft in Bern ein. Nach dem Ausladen des Materials macht sich Travis Roche mit dem Roller auf den kurzen Heimweg. Dass es weit nach Mitternacht ist, stört ihn nicht – im Gegenteil: «Nach einem Match kann ich selten vor 4.30 Uhr einschlafen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.03.2010, 08:06 Uhr
