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Ein Land für Hockey-Daddys

Für die NLA-Klubs, die am Freitag zur Eishockey-Saison starten, ist es schwierig, sich mit valablen Ausländern zu verstärken. Dennoch hat der Standort Schweiz seine Chancen im Transfermarkt.

1/27 1. Glen Metropolit (Ka, Zug)
Glen Metropolit führt die grosse Liste der Rückkehrer in die NLA an. Der komplette Stürmer und Playmaker soll die Zuger in der neuen Eishalle zu Triumphen führen.
Bild: Keystone

   

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Der Wechsel gilt als spektakulärster Zuzug im Schweizer Eishockey-Sommer 2010: Mit Glen Metropolit hat der EV Zug im frühen August einen prominenten Profi aus der National Hockey League (NHL) an Land gezogen. Dass der 36-jährige Spielmacher die beste Liga der Welt verlassen hat und wieder in die NLA zurückkehrt ist, hat weniger mit seinem nicht mehr ganz so jugendlichen Alter zu tun. Denn mit den Montreal Canadiens blickte er auf sein bestes Jahr in der NHL zurück. Aber es habe keinen Spass mehr gemacht, Eishockey sei zu einem normalen Job verkommen, begründete der Kanadier seinen überraschenden Wegzug aus der eigentlichen Hauptstadt des Eishockeys.

Trotz lukrativeren Angeboten aus der osteuropäischen Kontinental Hockey League (KHL) stürmt Metropolit, der in der Saison 2005/06 mit dem HC Lugano den Meistertitel feiern konnte, diese Saison für die Zuger. Es lagen auch Offerten von anderen Schweizer Klubs, darunter seinem früheren Arbeitgeber im Tessin, vor. Es half dem EVZ, dass sich die Wege des Arbeitnehmers und seinem Personalchef Doug Shedden sowie dessen Assistenten Waltteri Immonen schon einmal gekreuzt hatten. EVZ-Sportmanager Patrick Lengwiler nennt bei diesem Transfer primär die Bezeichnung «günstige Konstellation. Es hat für beide Seiten gepasst.» Letztlich seien sich der Klub und der Spieler nach anfänglich unterschiedlichen Vorstellungen auch finanziell einig geworden. Lengwiler sagt zu diesem Thema: «Dieser Transer ist für uns finanziell machbar. Schliesslich haben wir eine Bandbreite, was die Kosten unserer Ausländer betrifft.»

Der zivile Status spielt eine Rolle bei der Jobsuche

Auch andere Transfers von renommierten Spielern haben für Akklamation unter den Anhängern von NLA-Vereinen gesorgt. So gelang es Lions-Sportchef Edgar Salis, die bestandenen kanadischen Verteidiger Cory Murphy und Duvie Westcott nach Oerlikon zu lotsen. HCD-Maestro Arno Del Curto verfügt in diesem Winter über eine starke tschechische Offensiv-Fraktion. Servettes Regent Chris McSorley bleibt dank seinen guten Beziehungen nach Übersee in Sachen Transfers mit Verteidiger Brian Pothier nichts schuldig. Gottérons Bemühungen um Chicago-Goalie Cristobal Huet könnte zum Transfercoup der Liga werden, sollte er auch in Bälde den Schweizer Pass bekommen. Beim Champion SC Bern hofft man den Abgang von Super-Talent Roman Josi zu Nashville mit Joel Kwiatkowski (Ka) und Justin Krueger (De/Ka) wettzumachen. Der Sohn von Ex-Nationalcoach Ralph Krueger, der an der letzten A-WM im deutschen Team mit guten Leistungen überzeugte, hat eine Schweizer Lizenz und belastet damit das Ausländerkontingent nicht.

Dennoch herrscht auf dem Spielermarkt für Schweizer Eishockey-Funktionäre ein rauer Wind, nicht nur wegen der gierigen und personalverschlingenden NHL. «Auch mit den KHL-Klubs können wir nicht mitbieten», weiss Lengwiler, mit fast 32 Jahren schon ein erfahrener Mann im Business. «Selbst die schwedische Liga ist wegen den Steuerleichterungen attraktiv geworden. Einige deutsche Klubs könnten lukrative Saläre anbieten, tun dies aber aus diversen Gründen nicht.»

Stabiles Land, attraktive Liga

Dennoch hat das kleine Alpenland Schweiz Trümpfe in der Hand. Der Zuger Manager spricht die familiäre und persönliche Situation eines Spielers an, der nicht mehr – aus welchen Gründen auch immer – in der NHL engagiert ist. «Ist er Single und hat keine familiären Verpflichtungen, dann lohnt sich die KHL nur schon aus finanziellen Überlegungen.» Anders sieht es bei einem Profi aus, der bereits eine Familie gegründet hat. Da kommen Faktoren wie Zeit, Reiserei und andere Begleiterscheinungen bei den Überlegungen eines Vertragsabschlusses dazu. Metropolit, der in der vergangenen Saison rund eine Million US-Dollar verdiente, hat drei Kinder. Der Daddy weiss, dass seine Familie am schönen Zugersee gut aufgehoben ist und zieht die Lebensqualität dem Verdienst vor. «Ein sicheres, schönes Land wie die Schweiz kann einiges bieten», erklärt Lengwiler, warum gerade eishockeyspielende Väter einem Job in der NLA nicht abgeneigt sind.

Dazu kommt, dass die Schweizer Eliteklasse ja keine Gurkenliga ist und in der Branche als attraktiv und schnell gilt. «So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt oder gesehen», hört man viele Cracks sagen, die schon manche Schlachten auf dem Eis in Nordamerika, Skandinavien oder Russland geschlagen haben. «Es hat Spass gemacht», pflegt etwa NHL-Star Joe Thornton zu sagen, wenn er an seine Meistersaison 2004/05 mit dem HCD erinnert wird. Und er denkt sogleich an die Begeisterung der Fans in den Schweizer Eisrinks, an die laute Atmosphäre, die viele Professionals positiv gemeint mit «crazy» bezeichnen.

Hohe Kosten für ausländische Spieler

Jeder Sportchef oder Alleinherrscher denkt heuer doppelt nach, welchen Söldner er zu welchen Konditionen engagiert. «Die ausländischen Spieler sind in der Regel doppelt so teuer wie ein guter Schweizer, weil Steuern und Sozialabgaben mit den Nebenkosten so hoch sind wie der ausbezahlte Lohn», schrieb Eishockey-Experte Werner Schweizer jüngst in seiner Kolumne im «Tages-Anzeiger». Der erfahrene Sportjournalist erwähnte ein Beispiel aus Kloten: «Wenn die Flyers Ende nächster Saison die drei Verträge von Kimmo Rintanen, Mark Bell und Radek Hamr auslaufen lassen und die Ausländerstellen nur mit Miki DuPont und Tommi Santala besetzen, sparen sie rund zwei Millionen Franken ein.»

Schon aus wirtschaftlichen Gründen ist es nötig, die Ausländerzahl in der NLA zu begrenzen. Abgesehen davon, dass es für die Klubverantwortlichen extrem schwierig ist, überdurchschnittliches Personal zu finden und unter Vertrag zu nehmen. Ausserdem wackelt das Budget schon bös, wenn das Fremdpersonal im Winter wegen Verletzungen länger ausfällt und Ersatz vonnöten ist.

Trotzdem gilt die Losung punkto Ausländer im Schweizer Eishockey: Qualität kommt vor Quantität. Nicht zuletzt der Vereinskasse zuliebe. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2010, 10:53 Uhr

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