Deutsche schelten Kölliker als Chaos-Coach
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Mit Platz 2 beim Deutschland-Cup ist Köbi Kölliker eigentlich ein durchaus achtbarer Einstand gelungen. Die im Vergleich zu seinem Vorgänger Uwe Krupp deutlich offensivere Spielweise des deutschen Nationalteams führt aber automatisch zu mehr Gegentoren – und damit auch zu kritischen Tönen in unserem nördlichen Nachbarland. «Der Versuch von Eishockey-Bundestrainer Jakob Kölliker, der DEB-Auswahl ein offensiveres Gepräge zu geben, mündet beim Deutschland-Cup teilweise im defensiven Chaos», nörgelt die «Berliner Zeitung» nach den drei Matchs, die ein 4:2 gegen die Schweiz, ein 3:6 gegen die Slowakei und ein 3:1 über die USA brachten. Ob Kölliker der Mann für die Zukunft des deutschen Eishockeys sei, müsse man weiter genauso bezweifeln wie vor dem Turnier.
Unterstützung von Kreis
Kölliker, vor seinem Engagement in Deutschland lange Jahre Assistenztrainer von Ralph Krueger beim Schweizer Nationalteam, wollte die Vorwürfe nicht gelten lassen und prangerte stattdessen die Einstellung seiner Mannschaft an. Die DEB-Spieler hätten bei der Pleite gegen die Slowaken naiv und viel zu sorglos agiert. «Wenn man nicht diszipliniert spielt, ist jede Spielweise kritisch», so der 58-Jährige. «Köbi versucht, den Profis spielerisch etwas Mut zuzusprechen, auch mal etwas zu probieren und Akzente zu setzen», verteidigt Köllikers Assistent Harold Kreis seinen Chef.
Köllikers Ärger über die deutsche Presse
Die mässige Wertschätzung beruht übrigens auf Gegenseitigkeit. Schon im Vorfeld des Deutschland-Cups mokierte sich der Schweizer Rekordinternationale über die Arbeitsweise der schreibenden Zunft. «Die kommen ans Spiel, schauen zu und gehen wieder. Aber sie blicken nicht hinter die Kulissen, besuchen nicht das Training, fragen nicht nach dem Programm. Sie interessieren sich nur fürs nackte Resultat», erklärte er im Interview mit dem «Tages-Anzeiger».
Nur ein Platzhalter für Krueger?
Die kritischen Blicke auf Kölliker haben offenbar auch damit zu tun, dass er in Deutschland als Platzhalter für Ralph Krueger angesehen wird. Der Deutsche Eishockey-Bund, so der Tenor, hoffe, dass sich Krueger nach dem Ende seines Engagements bei der NHL-Organisation der Edmonton Oilers doch noch dazu entschliesse, den Posten des Bundestrainers zu übernehmen. Köllikers Vertrag läuft wohl nicht ohne Grund vorerst nur bis zum kommenden Sommer, auch wenn keiner der Verbandsfunktionäre dies zugeben würde. «Kölliker ist wohl das Paradebeispiel der zweiten Wahl für ein Traineramt, wenn der eigentliche Wunschkandidat abgesagt hat», bemerkt das Webportal Sport.T-online.de.
(ak)
Erstellt: 16.11.2011, 13:50 Uhr
