Der SCB steht vor dem Hochseilakt ohne Netz
Von Adrian Ruch. Aktualisiert am 24.04.2010 9 Kommentare
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In der laufenden Eishockey-Playoffserie kommt es zwischen dem SC Bern und HC Servette-Genf zum Alles entscheidenden sieben Finalspiel. Glauben Sie daran, dass der SC Bern trotz zwei vergebenen Matchpucks den Meistertitel nach Bern holen kann?
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Statt «We are the Champions» wurde am Donnerstag um 22.25 Uhr in der ausverkauften Les-Vernets-Halle ein anderer Queen-Hit eingespielt: «We will rock you». Die Genfer Anhänger standen alle und sangen hämisch «auf Wiedersehen». Der HC Servette hatte die sechste Partie des Playoff-Finals durch ein umstrittenes Tor des Berners Daniel Rubin 2:1 gewonnen und damit auf 3:3 ausgeglichen. Der SCB hatte es also zum zweiten Mal verpasst, sich den zwölften Meistertitel zu sichern. Nun kommt es morgen Abend um 20.15 Uhr in der PostFinance-Arena zum alles entscheidenden Match. Für die Berner wird es erneut ein Hochseilakt, aber diesmal ohne Sicherheitsnetz.
Nach den unrühmlichen Vorfällen nach den letzten beiden Playoff-Final-Partien zwischen dem HC Servette und dem SC Bern wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Vor der Les-Vernets-Halle markierten Polizeigrenadiere schon früh Präsenz. Auch innerhalb der Arena wurde mehr Personal eingesetzt, zudem der SCB-Anhang mit zusätzlichen Schranken besser von den Genfer Zuschauern getrennt. Um einer aggressiven Ambiance vorzubeugen, kamen die Servette-Maskottchen mit einer Banderolle aufs Eis, auf der in Deutsch und Französisch die Botschaft «Supporter respektiert euch» zu lesen war. Der Speaker tat indes alles, um die Stimmung anzuheizen.
Vorerst wurde nicht das Sicherheitsdispositiv der Veranstalter, sondern jenes des SCB auf die Probe gestellt, weil Ivo Rüthemann schon nach 31 Sekunden auf die Strafbank geschickt wurde. Zwar überstand die Equipe von Larry Huras die zwei Minuten in Minderzahl unbeschadet, aber diese Phase bildete den Auftakt zu einer Zitterpartie, die auf der Tribüne für schwankende Pulsfrequenzen sorgte. Das Geschehen wogte hin und her, so dass abwechslungsweise die knapp 7000 Servette-Anhänger und die 300 SCB-Fans den Atem anhielten respektive einen Torschrei auf den Lippen hatten.
Partien, in denen dermassen viel auf dem Spiel steht, sind für Hauptdarsteller Extremsituationen, und der Stress war den SCB-Akteuren stärker anzumerken als jenen des Aussenseiters. Wie schon in den beiden vorangegangenen Partien unterliefen ihnen mehr Fehlpässe als üblich, sie übersahen häufig den am besten postierten Mitspieler und leisteten sich etliche Fouls der unnötigen Art. Letzteres fiel auch Ivo Rüthemann, dem einzigen SCB-Torschützen, auf. «Zudem haben wir unsere Torchancen nicht genutzt und bei Vollbestand etwas zu wenig Druck entwickelt», meinte der Topskorer in einer Analyse. Der 33-Jährige sagte zudem, die Nerven hätten keine entscheidende Rolle gespielt. «Es war ein gutes, äusserst intensives Spiel – vielleicht das beste in der ganzen Serie. Und es hätte in der Schlussphase auf beide Seiten kippen können.»
Ivo Rüthemann hatte Recht, zumal der entscheidende Treffer erst gegeben wurde, nachdem Brent Reiber sich minutenlang Wiederholungen der Szene angesehen hatte. Der Entscheid des Unparteiischen versetzte viele Matchbesucher in Ekstase. Die SCB-Anhänger taten ihren Unmut kund, liessen es diesmal aber bei einer kleinen Sachbeschädigung bewenden.
Der verletzte Kanadier Lee Goren stand am Schluss in Jeans und mit versteinerter Miene unweit des Spielereingangs. Den Final von der Tribüne aus ansehen zu müssen, sei «das Schlimmste, das ich bisher erlebt habe». Abhaken und auf die entscheidende Partie vorbereiten, sei nun die Devise, sagte Rüthemann. «Die Ausgangslage ist völlig neu – nun können auch die Genfer etwas verlieren.» Ebenfalls nicht den Kopf hängen liess Dominic Meier. «Es ist der Traum jedes Eishockeyaners, ein siebtes Finalspiel zu bestreiten – und das können wir jetzt. Gewinnen wir am Samstag, ist es noch viel schöner.» In der Tat. Doch vorerst wartet auf den SCB und Servette ein mindestens 60-minütiger Hochseilakt – und für eine Mannschaft endet er mit einem missglückten «Salto mortale». (Berner Zeitung)
Erstellt: 23.04.2010, 07:10 Uhr
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9 Kommentare
Einmal mehr hat Brent Reiber dem Spiel seinen kläglichen Stempel aufgedrückt. Wie lange muss man sich diese äusserst bescheidenen Peifkünste bieten lassen. Überraschend, dass Chris McSorley, bekannt für seine Auftritte, bei Herrn Reiber nie interveniert. Ein Schelm, der da böses denkt. Antworten
