Bührer schlägt Stephan
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Servettes Trainer Chris McSorley gilt als Disziplinfanatiker. Die letzte Spielszene aus der 63.Minute sollte ihm verständlicherweise die Zornesröte ins Gesicht treiben. In der ungeordneten Genfer Abwehr durften sich Thomas Déruns und Etienne Froidevaux vogelfrei fühlen. Ungehindert spielte Erstgenannter den Querpass zu Froidevaux; der 22-Jährige, ebenfalls frei stehend, verwertete die Vorlage und sicherte dem SC Bern in der Verlängerung den Zusatzpunkt – 2:1.
Es irrt nun aber, wer in Anbetracht des tiefen Skores einen langweiligen Spielverlauf vermuten würde. Die Begegnung verlief zuweilen durchaus animiert. Der SCB hatte beabsichtigt, gegen die Defensivspezialisten aus Genf von Beginn weg die Initiative zu übernehmen und viele Tormöglichkeiten zu kreieren. Die Umsetzung dessen erfolgte einerseits mittels Einzelaktionen (wobei sich Joël Vermin als stilsicherer Vortänzer erwies), anderseits in Form von Kontern. Für das Zählbare war vorerst – einmal mehr – Pascal Berger besorgt. Der Flügelstürmer verwertete ein exaktes Zuspiel Byron Ritchies und hat in den letzten fünf Partien sechs Treffer erzielt. Vermag der Burgdorfer seine Form für die entscheidende Meisterschaftsphase zu konservieren, könnte er, auch in Anbetracht der notorischen Abschlussschwäche der helvetischen Stürmer, ein Kandidat für das WM-Kader des Nationalteams sein. «Ich gebe mein Bestes, rechne aber nicht mit einem Aufgebot», sagte Berger und ergänzte, er habe als junger Spieler die Zukunft im Nationalteam «hoffentlich noch vor mir». In dieser Saison war er für zwei der drei Zusammenzüge jeweils nachnominiert worden.
McSorleys Rechnung
Mit der Führung im Rücken verpassten es die Berner, noch vor der ersten Sirene für die Zäsur zu sorgen; immer wieder scheiterten sie am hervorragend disponierten Genfer Torhüter Tobias Stephan. Servette demonstrierte derweil erst im Mittelabschnitt phasenweise, weshalb es hinter Zug und Davos das drittbeste Team der zweiten Meisterschaftshälfte (41 Punkte) stellt. Innert weniger Minuten kam das Heimteam durch Flurin Randegger, Juraj Simek und Samuel Friedli zu ausgezeichneten Möglichkeiten und rückte zugleich Marco Bührer in den Fokus. Der SCB-Goalie erwies sich wie sein Gegenüber auf der Höhe seiner Aufgabe und musste sich erst drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit bezwingen lassen – der künftige SCB-Stürmer Daniel Rubin hatte einen Abpraller zum 1:1 verwertet. «Vor dem Spiel hatte ich in der Garderobe auf die Tafel geschrieben, das Ziel sei der Sieg – insofern hat das Team die Vorgabe erfüllt», sagte Trainer Antti Törmänen, «aber es fühlt sich immer etwas schlecht an, wenn man derart spät den Ausgleich kassiert.»
Dank Froidevaux’ Tor in der Verlängerung liegt der SCB nunmehr zwei Verlustpunkte vor Kloten auf Platz vier. Derweil hat es Servette verpasst, Biel am Playoff-Strich zu distanzieren. Vor dem gestrigen Spiel hatte McSorley erwähnt, sechs Punkte aus den restlichen vier Partien sollten Genf zur Playoff-Qualifikation genügen. Ob Biel und Bern – der SCB empfängt Servette am Samstag – dem Kanadier unisono einen Strich durch die Rechnung machen werden? (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.02.2012, 06:30 Uhr
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