Ab in den Papierkorb mit der Papierform

Der SCB ist in den Playoffs kaum zu stoppen – auch, weil er über vier Linien besser spielt als der Gegner.

Energie und Kampfkraft: Pascal Berger bodigt Félicien Du Bois.

Energie und Kampfkraft: Pascal Berger bodigt Félicien Du Bois. Bild: Andreas Blatter

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Manchmal ist die Papierform nur für den Papierkorb bestimmt. Vor dem Viertelfinal zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern stand ausser Frage: Die ZSC Lions sind in der Breite klar besser besetzt. «Das stimmt», sagte der Berner Captain Martin Plüss damals vor dem Playoff-Start. «Aber es stimmt nur auf dem Papier. Was, wenn bei uns alle ­Linien ihr Potenzial abrufen und den Gegner daran hindern, dasselbe zu tun?» Die Antwort: Bern besiegte den Favoriten 4:0.

Zu Beginn des Halbfinals gegen Davos wurde die Kaderbreite erneut bei den Pluspunkten des SCB-Gegners aufgeführt. Und nun dominieren die Berner den im Prinzip besser besetzten Titelverteidiger, weil sie über vier Linien mehr Druck entwickeln können.

Beim Auswärtscoup in der Vaillant-Arena sorgten die Berger-Brüder Pascal und Alain mit je einem Tor für die Differenz. Und Gian-Andrea Randegger kämpft und läuft bei jedem «Shift», als wäre es sein letzter. Nach 6 Playoff-Partien vereint das Viertlinientrio 8 Punkte und eine Plus-7-Bilanz. «Es heisst immer, die vierte Linie sei ein Checkerblock. Aber sie darf auch mal ein Tor schiessen», sagt Pascal Berger nach dem 2:1-Erfolg am Samstag. «Primär sind wir aber zuständig, Energie zu bringen.»

Jede Linie setzt Akzente

Es ist bisher der Berner Trumpf, dass jede Formation die ihr zugewiesene Rolle ausführt. Die Linie um Andrew Ebbett hielt im Viertelfinal das Wunderduo Auston Matthews/Robert Nilsson in Schach. Die Formation mit Derek Roy kreiert gegen Davos Chancen im Multipack und geht den Bündnern dank der giftigen Flügel ­Cory Conacher und Thomas Rüfenacht unter die Haut.

Center Martin Plüss gelingt es derweil mithilfe der schnellen Tristan Scherwey und Luca Hischier, die junge Davoser Abwehr unter Druck zu setzen und Fehler zu provozieren. Der vierte Block schliesslich bringt Energie, Entlastung und Tore. «Wir sind konsequent in allem, was wir machen», sagt Pascal Berger. Er bestritt am Samstag seine 500. Partie für Bern.

Nach der Saison wechselt der Burgdorfer zu Langnau; das Kapitel SCB möchte er mit dem Titel abschliessen. Doch er warnt: «Wir haben nun das Glück, welches in der ­Qualifikation fehlte. Zudem spielt Davos noch nicht sein bestes Hockey. Wir müssen ein Brikett nachlegen.»

Reicherts Geste

Eine positive Überraschung ist Gian-Andrea Randegger. Er pendelte während Monaten zwischen Abwehr, Angriff und der Position als Überzähliger. Nun hat er seinen Platz gefunden, verkörpert das oft zitierte einfache Spiel. «Seit ich mehr Eiszeit erhalte, läuft es gut. Mit den Automatismen klappt es immer besser.»

Marc Reichert ist derweil als 13. Stürmer zum Zusehen gezwungen. Am Samstag verliess er im Schlussdrittel seinen Platz auf der Spielerbank, ging von der rechten auf die linke Seite zum Kanadier Conacher. Der Topskorer hatte soeben mehrere gute Torchancen vergeben, war frustriert. Reichert kniete neben ihn, baute Conacher mit Worten auf, klopfte ihm auf die Schulter.

Es war bloss eine kleine Geste. Aber eine, die so viel über den Zustand einer Mannschaft aussagt – selbst wenn sie auf keinem Papier und in keiner Statistik erscheint.

(Berner Zeitung)

(Erstellt: 21.03.2016, 08:15 Uhr)

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