Der Fussball ist Nebensache

Sportredaktor Dominic Wuillemin zum Fifa-Entscheid, die WM ab 2026 auf 48 Teams aufzustocken.

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Die Marketingabteilung der Fifa dachte sich einst den Slogan aus: «For the Good of the Game», zum Wohle des Spiels. Der Leitsatz hatte schon damals selbstparodistische Züge, mittlerweile ist er nur noch lächerlich.

Erwähnt seien die Verhaftungen etlicher Fussballfunktionäre und die skandalträchtigen WM-Vergaben nach Russland und Katar. Und nun der nächste Tiefschlag: Ab 2026 sind 48 Teams für die WM ­teilnahmeberechtigt.

Nicht die Anzahl Mannschaften ist das Problem: Es gibt plausible Argumente, die für eine Aufstockung sprechen. Etwa, dass sich der Fussball in den letzten Jahren rasant entwickelt hat. Er wird immer grösser, immer populärer.

Vor allem in Ländern, in denen er lange Zeit ein Schattendasein gefristet hat. Beispielsweise in China und Indien, die einen riesigen Aufwand ­betreiben, den Anschluss zu finden. Eine Aufstockung passt sich den heutigen Gegebenheiten an.

Das Problem ist der Modus. Es soll in 16 Dreiergruppen gespielt werden, die ersten beiden Teams qualifizieren sich für den Sechzehntelfinal, die Anzahl Partien wird von 64 auf 80 steigen. Die Anforderungen an die Infrastruktur des Veranstalters nehmen so weiter zu.

Zuletzt sahen viele vernünftig wirtschaftende, demokratische Länder von einer WM-Bewerbung ab. Der Kreis der Aspiranten dürfte kleiner werden, die Anzahl gemeinsamer Kandidaturen grösser.

Zudem werden Ergebnisabsprachen in der letzten Gruppenpartie erleichtert, da in der Vorrunde immer ein Team spielfrei ist. Und die Wahrscheinlichkeit, dass alle Gruppenspiele mit demselben Resultat enden, ist nun signifikant grösser. Deshalb überlegt sich der Weltverband, bei Punktgleichheit das Fifa-Ranking für die Platzierung heranzuziehen.

Oder das Unentschieden abzuschaffen, nach 90 Minuten ein Penaltyschiessen einzuführen. Es wäre für die kleinen Teams ein grosser Anreiz, erst einmal zu mauern, auf ein Remis zu spielen. Egal, für welche Variante sich die Fifa entscheidet, sie ist eine deutliche Verschlechterung zum heutigen Stand.

Das Schlimmste am neuen Modus ist aber, dass es keine Hammergruppen mehr geben wird. Die besten Teams werden wahrscheinlich erst spät im Turnier aufeinandertreffen. Es drohen etliche unattraktive Partien wie im Sommer an der EM in Frankreich.

Das alles ist nicht zum Wohle des Spiels. Aber darum geht es der Fifa schon lange nicht mehr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.01.2017, 15:35 Uhr

Dominic Wuillemin, Sportredaktor.
Mail: dominic.wuillemin @bernerzeitung.ch (Bild: Andreas Blatter)

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