Zverotics grenzenlose Freude
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 10.10.2011 1 Kommentar
EM Qualifikation Grp. G
10. Runde
| 11.10. | Bulgarien - Wales | 0 : 1 |
| 11.10. | Schweiz - Montenegro | 2 : 0 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | England | 8 | 5 | 3 | 0 | 17:5 | 18 |
| 2. | Montenegro | 8 | 3 | 3 | 2 | 7:7 | 12 |
| 3. | Schweiz | 8 | 3 | 2 | 3 | 12:10 | 11 |
| 4. | Wales | 8 | 3 | 0 | 5 | 6:10 | 9 |
| 5. | Bulgarien | 8 | 1 | 2 | 5 | 3:13 | 5 |
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Bier hätte vielleicht besser geholfen. Elsad Zverotic aber trinkt aus religiösen Gründen keinen Alkohol, deshalb griff er auf «sehr, sehr viel Wasser» zurück, wie er lachend sagt, als er am Freitagabend an der Dopingkontrolle einfach nicht erlöst wurde. In Montenegro herrschte im ganzen Land gerade grenzenlose Begeisterung, aber Zverotic sass fast zwei Stunden im Stadion fest, bis es endlich klappte. «Ich war wohl einfach zu aufgeregt», sagt Zverotic – und lacht erneut herzhaft.
Die Stimmung beim YB-Spieler ist selbstverständlich ausgezeichnet. Er benutzt Wörter wie «unbeschreiblich» und «unglaublich», um seine Gefühlslage und die seiner Landsleute zu erklären. Als «grössten Erfolg seiner bisherigen Karriere» bezeichnet Zverotic die Teilnahme mit Montenegro an den Barragespielen zur Euro 2012. Der Last-Minute-Ausgleich zum 2:2 gegen England sei ein fantastischer Moment gewesen. «Wir wussten natürlich, dass die Schweiz in Wales verloren hatte», sagt Elsad Zverotic. «Also riskierten wir in der Schlussphase alles, zumal Wayne Rooney ja die Rote Karte gesehen hatte und die Engländer überhaupt nichts mehr investierten.»
Der verdiente Lohn
Als Elsad Zverotic seinen Dienst bei den Dopingkontrolleuren endlich erledigt hatte, stiess er zu seinen feiernden Teamkollegen in ein Restaurant in Podgorica. Eine «lange und sehr fröhliche Nacht» sei es gewesen, sagt Zverotic. «Unser Land ist enorm stolz und glücklich.» Und ausgerechnet er, der toggenburgische Montenegriner (oder: montenegrinische Toggenburger) ist einer der Gründe, warum die Schweiz jetzt keine Möglichkeit mehr besitzt, Rang 2 zu erreichen.
Zverotic, bei YB ein zuverlässiger Rechtsverteidiger, spielt im Nationalteam im zentralen Mittelfeld – und brachte am Freitagabend die Hoffnung ins Team Montenegros zurück. Mit einem abgefälschten Schuss von der Strafraumgrenze aus erzielte er kurz vor der Pause den 1:2-Anschlusstreffer. «Es ist sensationell, ein Tor gegen England zu erzielen», sagt Zverotic. «Und wir haben ja auch im Wembleystadion 0:0 gespielt. Also haben wir es verdient, Zweiter zu werden.»
Aufgewachsen in Wattwil
Der bald 25-jährige Zverotic hatte den bemerkenswerten Erfolgslauf der kleinen Nation mit bloss rund 625000 Einwohnern in der EM-Qualifikation im September 2010 mitlanciert. Damals schoss er den 1:0-Siegtreffer in Bulgarien. «Aber bei uns spielt es keine Rolle, wer die Tore erzielt», sagt Zverotic. «Unsere grösste Stärke ist der Zusammenhalt im Team.» Natürlich gebe es herausragende Einzelkönner wie die Offensivspieler Mirko Vucinic (Juventus) und Stevan Jovetic (Fiorentina), «aber wir haben vor allem eine ausgezeichnete Mischung». Den erst 21-jährigen Innenverteidiger Stefan Savic, bei Manchester City regelmässig eingesetzt, nennt Zverotic «einen der talentiertesten Verteidiger der Welt». Und so fliegt die montenegrinische Delegation heute ganz entspannt in die Schweiz. «Das wird am Dienstag in Basel ein besonderes Freundschaftsspiel gegen die Schweiz», sagt Zverotic, «ich werde den Abend geniessen.»
Als 4-Jähriger kam Zverotic mit den Eltern nach Wattwil ins Toggenburg, wo er mit dem Fussballspielen begann – und wo seine Familie und viele Freunde immer noch wohnen. Zverotic bestritt mit der helvetischen U-18-Auswahl sogar ein Testspiel, entschied sich aber später wegen der besseren Einsatzchancen für Montenegro. «Ich unterstützte das Schweizer Team fast immer», sagt Zverotic, «doch es ist selber schuld, kommt es am Dienstag nicht zu einem Final.» Er habe kein Mitleid. «Das hätten die Schweizer mit uns ja auch nicht.»
Über 100 SMS erhalten
Elsad Zverotic erhielt nach dem Coup gegen England sehr viele Gratulationen aus der Schweiz («Es müssen über 100 SMS gewesen sein»). Und nicht nur die YB-Nationalspieler Marco Wölfli und David Degen werden von ihm bestimmt noch den einen oder anderen Spruch zu hören bekommen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 10.10.2011, 14:39 Uhr
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