Zuerst Wölfli, dann eine grosse Gala
Der Basler St.-Jakob-Park hat in seiner achtjährigen Geschichte schon grössere Spiele erlebt als gestern. Dennoch war der letzte Abend der Saison einzigartig. Er stand aus Basler Sicht im Zeichen eines Themas: abschliessender Gruss an Gross. 27526 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgten zum Abschied von Christian Gross nach zehnjähriger Amtszeit für einen beachtlichen Rahmen.
Wölfli als Rückhalt
Die Young Boys hielten sich freilich nicht an das FCB-Drehbuch. Sie mussten zwar in der ersten Halbzeit dem Gegner ein Chancenplus zugestehen, liefen aber nach der Pause zu grosser Form auf. Während Nationalgoalie Marco Wölfli vor dem Wechsel mit einigen Reflexen glänzte und fast serienweise tückische Weitschüsse parierte, übernahm danach Baykal das Kommando. Der Berner, der die Young Boys höchstwahrscheinlich verlässt, führte im Mittelfeld Regie, stopfte Löcher, verteilte den Ball – und traf ins Tor. Sein (abgelenkter) Freistosstreffer in der 50. Minute war der Wegweiser zum wertvollen und in dieser Höhe unerwarteten Sieg. Fortan waren die Gäste ohne Diskussion die Herren im Haus – zum Leidwesen der FCB-Fans, zum Ärger von Gross und zum Stolz der mitgereisten Berner Anhänger.
Die YB-Kombinationen wirkten teilweise wie an der Schnur gezogen. So auch vor dem 0:2 (73. Minute), als Felix Bastians David Degen in die offene Gasse schickte und der Basler sicher verwertete. Bastians erwies sich gestern nicht zum ersten Mal in dieser Saison als Antreiber; seine Flanken finden in der Regel den richtigen Adressaten. Bereits beim ersten YB-Sieg im Herbst im St.-Jakob-Park (2:1) hatte Bastians mit seinem eisernen Willen und seiner Unerschrockenheit einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und einen Treffer erzielt.
Kurz nach Degens Tor behielt auch Thomas Häberli vor dem bedauernswerten Basel-Goalie Franco Costanzo die Nerven. Der Routinier war fünf Minuten zuvor eingewechselt worden und sorgte in Doumbia-Manier für das 25. Jokertor der Saison – eine Marke, die ihresgleichen sucht.
Ex-Basler als Torschützen
Ebenfalls überaus bemerkensert: Drei ehemalige FCB-Spieler erzielten die Berner Tore. Drei Profis auch, bei denen gestern nicht schlüssig zu beurteilen war, ob ihr Gastspiel im YB-Dress zu Ende gegangen ist.
Der Rest des Spiels wurde zu einem Kürlauf der Young Boys und zu einer Demontage des entthronten Meisters, der in der Schlussphase in seine Einzelteile zerlegt wurde. YB liess den Ball nach Belieben laufen, der Berner Anhang feierte den Sieg, und die Basler Fans wandten sich vom Geschehen ab. Sie blieben wohl nur bis zum Ende des Spiels, um Christian Gross die Ehre zu erweisen.
Und so ging aus Berner Sicht die Saison mit einem Exploit zu Ende. Platz 2 tönt nicht schlecht. Wäre der Cupsieg nicht vergeben worden, man könnte von einer sehr starken Spielzeit reden. (Berner Zeitung)
Erstellt: 30.05.2009, 15:19 Uhr
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