Zu schwach für die Europameisterschaft
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 28.03.2011 1 Kommentar
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Je länger das anspruchslose, teilweise erbärmliche Treiben am Samstagabend dauerte, umso stärker wurde die bittere Wahrheit bewusst: Weder Bulgarien noch die Schweiz haben eine Qualifikation für die Euro 2012 verdient! Sie wären keine Bereicherung für die kontinentale Endrunde, sie wären nicht einmal ein Farbtupfer, beide Teams sind in dieser Verfassung schlicht zu schwach für die EM. Die Hoffnung aber, die stirbt zuletzt, und so bekam man nach der tristen, trostlosen Nullnummer in Sofia jede Menge helvetische Durchhalteparolen jeglichen Couleurs zu hören. «Es ist noch nichts verloren. Ich glaube weiter an die Qualifikation», sagte der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Mittelfeldspieler Gökhan Inler meinte: «Rechnerisch sind wir noch nicht ausgeschieden. Wir kämpfen weiter.» Und Verbandspräsident Peter Gilliéron sprach: «Es wäre ein völlig falsches Zeichen gegenüber Fans und Sponsoren, wenn wir schon jetzt aufgeben würden.»
Ohne Kreativität auf dem Feld
Mit beeindruckendem Fantasiereichtum redeten sich die Schweizer Protagonisten nach dem neuerlichen Rückschlag in Bulgarien ein, weiter im EM-Rennen zu sein. Was blieb ihnen auch anderes übrig? Auf dem Feld hatten sie zuvor noch Kreativität vermissen lassen, teilweise fehlte es sogar an Einsatz und Willen, nach Fehlpässen oder Ballverlusten blieb manchmal das Nachsetzen aus. Insgesamt ergab sich das unschöne Gesamtbild einer Mannschaft, die derzeit eben keine Mannschaft ist, sondern eine Ansammlung uninspirierter Einzelsportler, die zufällig alle den Schweizer Pass besitzen und zu den besten Fussballern des Landes gehören. Wer einen Gegner vom bescheidenen Format der willigen, bald aber müden und am Ende entkräfteten Bulgaren nicht bezwingt, hat an einer EM gar nichts verloren. Schier unfassbar erschien dem Beobachter die miserable Startphase der Schweizer, die doch die ganze Woche zuvor erklärt hatten, sie würden am Samstag bereit sein und kämpfen, mit Leidenschaft, Feuer, Einsatz und mit Freude, Spass, Elan. Nichts davon war in Sofia zu sehen. Und doch hatten die Gäste die grösste Chance der Begegnung noch vor der Pause. Nach ihrem einzigen flüssigen Angriff scheiterte Captain Alex Frei aus wenigen Metern mit seinem Kopfball an Torhüter Nikolaj Michailov. «Diese Chance muss ich verwerten. Wenn ich dieses Tor mache, gewinnen wir hier», sagte Frei. Doch der Konjunktiv hat im Sport noch selten geholfen. Auch andere Spieler bemühten die Möglichkeitsform. Blerim Dzemaili zum Beispiel, der sagte: «Hätten wir nach der Pause unsere Überlegenheit genutzt, würden alle von einem guten Ausflug nach Bulgarien sprechen.»
Es stimmt ja sogar: Hätte die Schweizer trotz ungenügender Vorstellung 1:0 gewonnen, vieles wäre ordentlich oder mindestens richtig gewesen. Nun aber müssen sie sich damit auseinandersetzen, im Sommer 2012 an der EM die Zuschauerrolle einzunehmen. «Wir sind alle enttäuscht über das Resultat. Aber es gab auch gute Momente», sagte Goalie Marco Wölfli, der als einziger Schweizer überzeugte. «Gegen Ende des Spiels dominierten wir und waren nahe am Sieg.»
Debüt von Gavranovic
Die eingewechselten Eren Derdiyok und vor allem Mario Gavranovic, der in der 93.Minute auch an Michailov scheiterte, hätten ein Schweizer Last-Minute-Jokertor erzielen können, aber selbst dann wäre die Ausgangslage anspruchsvoll geblieben. Nach dem 0:0 in Sofia und vor dem schweren Gastspiel bei England im Wembley bleiben Trainer Ottmar Hitzfeld knapp zwei Monate, um zu versuchen, fast alle Bereiche zu verbessern. «Wir haben an der WM gegen Spanien gewonnen», sagte Hitzfeld und fragte: «Warum also sollten wir nicht in England siegen können?»
Sportwunder gibts immer wieder, keine Frage, doch der Samstag hat gezeigt, dass es Zeit für einen Neuaufbau ist. Immerhin ist der talentierte Mario Gavranovic, ein gebürtiger Kroate, nach seinem Debüt nun Schweizer Nationalspieler. Und schlechter kann es für die Schweiz kaum werden. Im heruntergekommenen Levski-Stadion, das Museumsreife erreicht hat, ist der Auswahl aber die eigene Vergänglichkeit schonungslos aufgezeigt worden. (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.03.2011, 07:01 Uhr
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1 Kommentar
Von dieser Nati -inklusive Trainer, ist ganz einfach nicht mehr zu erwarten. Die Erwartunfgshaltung von diesem Gebilde muss ganz einfach Null sein -somit kommt es zu keinen Enttäuschungen. Sollte sich dann irgendwann trotzallem ein Sieg -auch wenn es nur gegen ein Zwerg ist -einstellen, können wir diesen als Entwicklung in diesem Gebilde zur Kenntnis nehmen. Antworten
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