YB als Verlierer des Transfertheaters zu bezeichnen, wäre zu einseitig

Ein Kommentar von Sport-Redaktor Dominic Wuillemin zum Wechsel von YB-Flügelspieler Renato Steffen zum FC Basel.

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Nach langem Hin und Her hat Renato Steffen am Dienstag seinen Wechsel nach Basel vollzogen. Der Nationalspieler macht den nächsten Schritt in seiner noch jungen, aber beachtlichen Karriere. Steffen dürfte keine Mühe bekunden, sich beim FCB zu etablieren. Und im Sommer wird er mit grosser Wahrscheinlichkeit am Barfüsserplatz seinen ersten Titelgewinn feiern können.

Der gelernte Maler geht als Gewinner aus dem Theater um seinen Transfer hervor. Wie aber lässt sich das Handeln von den Young Boys und deren Sportchef Fredy Bickel beurteilen?

Einerseits hätten die Young Boys nicht in die Lage geraten dürfen, einen Nationalspieler sechs Monate vor dem Vertragsende deutlich unter Marktwert loswerden zu wollen. Sie hätten im Sommer mit einem Ultimatum an Steffen Klarheit schaffen können. Bei negativem Bescheid hätten die Gelb-Schwarzen dazumal den Transfer forcieren und wohl für den Offensivakteur eine deutlich grössere Geldsumme erhalten können. Allerdings sollen für den schnellen Flügelspieler nur wenige konkrete Angebote vorgelegen sein. Einen Wechsel in die Bundesliga wäre Steffen beispielsweise nicht abgeneigt gewesen.

Und YB glaubte, diese Saison mit demFC Basel, der viele Personalwechsel zu vollziehen hatte, mithalten zu können. Die Zuversicht in Bern war gross, hie und da machte sich eine kleine Euphorie bemerkbar. Das Ziel lautete, zum ersten Mal seit 29 Jahren einen Titel zu gewinnen. Mit dem Verkauf eines Hoffnungsträgers hätte der Klub das falsche Signal an die Fans, Mitarbeiter, Spieler und Konkurrenz ausgesandt.

Seit dem Bosman-Urteil, das 1995 gefällt wurde, haben die Fussballprofis deutlich an Macht gewonnen. Obwohl sie an Verträge gebunden sind, können sie mit viel Einfluss ihre Zukunft mitgestalten. Da ist es klug, mit zwei, drei Ersatzkandidaten stets auf einen Abgang vorbereitet zu sein, statt zu hoffen, der Spieler möge umdenken. Oder stur auf dem Standpunkt zu beharren und den Akteur seinen Vertrag absitzen zu lassen. Wie es geht, macht der FC Basel seit Jahren vor. In dieser Winterpause wird der zu Arsenal wechselnde Ägypter Mohamed Elneny durch den talentierten Schweden Alexander Fransson ersetzt, für den enttäuschenden Japaner Yoichiro Kakitani kommt . . . Renato Steffen.

Anderseits hielt der 24-Jährige die Young Boys lange hin, er vertröstete sie mehrmals auf einen späteren Zeitpunkt. Dabei soll er Basel als nächsten Karriereetappenort schon seit Monaten ins Auge gefasst haben. Das wiederum hätte der erfahrene Bickel früher antizipieren können als erst am Ende der Vorrunde. Da änderte der Sportchef seinen Kurs, Bickel kommunizierte offensiv, Steffen sei bei YB nicht mehr erwünscht, sagte er nun. Man kann diese Äusserungen als falsch interpretieren, weil aus dem Fall Steffen eine Causa wurde, die wochenlang für Unruhe sorgte und dem Image der Young Boys abträglich war. Zudem erweckten die Berner den Eindruck, einen Leistungsträger abstossen zu wollen.

Man kann aber auch zum Schluss kommen, dass Fredy Bickel geschickt gehandelt hat. Weil Steffen befürchtete, die Rückrunde auf der Tribüne zu verbringen, erhöhten er und sein Berater den Druck auf Basel, rasch eine Lösung mit YB zu finden. Der Offensivakteur träumt von der Teilnahme an der Europameisterschaft in Frankreich. Gut möglich, verzichtet er deshalb mit dem vorzeitigen Wechsel auf Geld. YB jedenfalls bekommt nun deutlich mehr als die kolportierten 400 000 Franken. Die Ablösesumme dürfte sich um die Millionengrenze bewegen.

Klar ist, zum dritten Mal in den letzten fünf Jahren wechselt ein Leistungsträger von Bern nach Basel: Gilles Yapi, Raul Bobadilla sowie Renato Steffen. Dies kann nicht im Sinne der Young Boys sein. Sie deshalb aber als Verlierer des Transfertheaters um den Aargauer zu bezeichnen, wäre zu einseitig. Die Berner müssen aber die richtigen Schlüsse aus den Vorfällen der vergangenen Wochen und Monaten ziehen und dafür sorgen, dass sich solche Geschehnisse künftig nicht mehr wiederholen.
Mail: dominic.wuillemin (Berner Zeitung)

(Erstellt: 12.01.2016, 19:23 Uhr)

SportredaktorDominic Wuillemin

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