«Verwaltungsrat hat mit Hauruck-Aktion vieles veryoungboyst»
Von Jonathan Spirig. Aktualisiert am 16.08.2010 8 Kommentare
Links
Kritisiert den Kommunikationsstil der YB-Investoren: Mark Balsiger. (Bild: zvg)
Roland Binz, Berater für Krisenkommunikation und ehemaliger Mediensprecher der SBB. (Bild: zvg)
Nimmt die Investoren in Schutz: Peter Jauch. (Bild: Andreas Blatter)
Stichworte
«Die Art und Weise, wie Stefan Niedermaier aus seinem Amt gejagt wurde, ist auch für das knallharte Fussballbusiness hässlich», schreibt der PR-Fachmann Mark Balsiger in seinem Blog. Der Verwaltungsrat habe offensichtlich die Popularität Niedermaiers unterschätzt. Weshalb die Absetzung Niedermaiers so kurzfristig nötig wurde, sei im Dunkeln geblieben. Umso kräftiger werde seither spekuliert und interpretiert.
Der Verwaltungsrat habe mit seiner Hauruck-Aktion vieles «veryoungboyst», schreibt Balsiger weiter. «Veryoungboysen» ist unter Fans inzwischen zum geflügelten Wort für «etwas im letzten Moment vermasseln» geworden.
Der Verwaltungsrat habe es verpasst, proaktiv zu informieren und habe dauerhaft an Glaubwürdigkeit und Kredit verloren. Dass etliche Schlüsselfiguren von den Umwälzungen aus den Medien erfahren mussten, sei unverzeihlich. Wer überhastet und intransparent informiert, löse unweigerlich eine Krise aus.
Startbedingungen für Kaenzig ungünstig
Auch Roland Binz, Berater für Krisenkommunikation, bemängelt in seinem Blog die «missglückte Initialkommunikation» der YB-Investoren. Die Startbedingungen für das neue Management unter Ilja Kaenzig seien nun äusserst ungünstig, weil sie mit einem herben Sympathieverlust einhergingen.
Lapidare und durchschaubar fadenscheinige Aussagen – wie «Trennung in gegenseitigem Einvernehmen» oder Niedermaier arbeite noch während 6 Monate als Berater weiter – wirken gemäss Binz hämisch und seien kontraproduktiv.
«Hätten die Investoren einen günstigeren Zeitpunkt gewählt, mit offenen Karten gespielt und glaubwürdig kommuniziert, hätte der Imageschaden begrenzt werden können», so der Experte.
Einseitige Berichterstattung
Rückendeckung erhalten die Investoren um Benno Oertig nur von Peter Jauch, dem ehemaligen CEO des Stade de Suisse. Er äussert sich zwar nicht zur Kommunikation, kritisiert in einem Leserbrief aber die «einseitige Berichterstattung» der Berner Zeitung. Dank den Investoren sei die Organisation YB seit 2002 stetig gewachsen und wirtschaftlich erfolgreich geführt worden, schreibt Jauch. Ohne die Geldgeber gäbe es YB nicht mehr.
Jauch wirft auch neue Begründungen auf, die zur Entlassung von Stefan Niedermaier geführt haben könnten. Niedermaier habe beim Jobantritt eine funktionierende Struktur und Organisation übernommen – wenn auch noch mit Verbesserungsmöglichkeiten und Mängeln. Um diese zu beseitigen, sei er auch angestellt worden.
Keine Nebenspieler geduldet
Niedermaier habe es aber verpasst, als Quereinsteiger die sportlichen Belange in die richtigen Bahnen zu leiten, weil er sich selber als Mister YB sah und keine starken Nebenspieler duldete.
«Der Zufall, das Einschlagen von Doumbia (als Ergänzungsspieler (...) geholt) und die glückliche Konstellation mit Petkovic (als Dritte-Wahl-Trainer) und der tollen Vorrunde haben zur Überschätzung und Blindheit geführt, die schlussendlich im Versagen im Meisterschaftsendspurt gipfelte, (...) für das in erster Linie die Führung die Verantwortung trägt», schreibt Jauch weiter.
Jauch bezweifelt nicht, dass Niedermaier vor allem in der Betreuung der Fans und der Presse einen guten Job machte. Es gebe aber noch andere, wichtigere Aufgaben und Ansprüche, die nicht so medienwirksam seien. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.08.2010, 15:09 Uhr
Kommentar schreiben
8 Kommentare
Sport
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

