Und das Warten der YB-Fans geht weiter
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 12.04.2011 9 Kommentare
Das Berner Fussballpublikum hat längst einen Ehrenpreis für besonders ausgeprägte Leidensqualitäten verdient. In einigen Wochen erlebt YB vermutlich die «Silberne Wartezeit», denn bald ist es 25 Jahre her, seit der Verein im Mai 1986 den letzten Meistertitel gefeiert hat. Beim 3:3 gegen einen soliden, aber nicht überragenden Leader Basel boten die Young Boys am Sonntag im ausverkauften Stade de Suisse mal wieder ein Spektakel, gefühlsmässig aber glich das Remis nach 2:0-Führung einer Niederlage.
Und der grosse, treue Anhang darf weiter rätseln, wann der Spitzenklub YB endlich wieder einen Meistertitel gewinnt.
Starkes Kader, wenig Punkte
Die Young Boys sind äusserst beliebt, der stolze Zuschauerschnitt hat in dieser wechselhaften Saison erneut die 22000er-Marke überschritten. Das ist bemerkenswert. Und: YB hat vermutlich die beste, ganz sicher aber die talentierteste Mannschaft (mindestens) der letzten 25 Jahre, sie ist auf allen Positionen gespickt mit Nationalspielern und Begabten. Wenn man sie mit den Rivalen Basel und Zürich vergleicht, ist sie an der Spitze wie in der Breite stärker als der FCZ einzustufen – und kaum erheblich schwächer als der FCB. Allein: Nach drei Vierteln der Spielzeit ist der Meisterzug wohl abgefahren – in den letzten drei Jahren mischte YB nach 27 Runden stets kräftig um den Titel mit und verbuchte 55 (2008), 54 (2009) sowie 62 (2010) Punkte. In dieser Spielzeit sind es vergleichsweise bescheidene 45 Zähler.
Weitere Transfers zu erwarten
Sein grosses Potenzial hat das YB-Team in dieser Saison immer wieder unter Beweis gestellt, beispielsweise in mehreren Europacuppartien und sporadisch in der Super League. «Aber wir sind zu wenig konstant», sagt YB-CEO Ilja Kaenzig. Er will nichts davon wissen, dass die Equipe unter Vladimir Petkovic möglicherweise stagniere und zwar beste Unterhaltung garantiere, aber nicht reif für Titelgewinne sei: «Der Trainer ist und bleibt unbestritten.» Kaenzig ist seit bald acht Monaten der starke Mann bei YB, er kümmert sich vor allem um den Sport, ist bestens vernetzt und kennt den Markt. Kaenzig hat bei YB in der Führungsetage einige personelle Retuschen angebracht und prominente Fachleute verpflichtet, beispielsweise den Technischen Direktor Hansruedi Hasler oder den Stadionchef Thomas Gurtner. «Wir sind auf einem guten Weg, die Strukturen zu verbessern», sagt Kaenzig. Und sein erster grosser Spielertransfer, der Schwede Alexander Farnerud, war in der Winterpause ein absoluter Volltreffer.
Kaenzig dürfte im Sommer nochmals kräftig in Spieler investieren. Offen bleibt, ob es YB gelingen wird, alle von ausländischen Vereinen beobachteten Akteure zu halten. «Es kann immer Abgänge geben, aber nächste Saison werden wir ein noch stärkeres Team haben», sagt Kaenzig.
Kühleres Klima im Betrieb
Die hohen Ambitionen Kaenzigs und seiner Mitstreiter lassen sich auch daran bemessen, dass der CEO nicht nur gegenüber Sponsoren von einer «Übergangssaison» oder sogar einer «verlorenen Saison» spricht, in der man bestenfalls Zweiter werden könne. Rang 3 ist in der von den Verantwortlichen anvisierten «Phase 3» nach drei Vizemeisterschaften in Serie sowieso nicht vorgesehen. Diese Haltung kann arrogant wirken, ist aber ein Beleg der hohen Ziele. Das Stade de Suisse ist keine Wohlfühloase mehr, wie sie es unter dem beliebten CEO Stefan Niedermaier war, das freundschaftliche Klima ist einer eher kühlen Atmosphäre gewichen. Was zählt, ist der sportliche Erfolg, rational geplant, effizient umgesetzt. YB muss erst in zweiter Linie sympathisch sein, Erfolge und Pokale sind wichtiger. Dieses Denken lebt das grosse Vorbild vor, der FC Bayern München. Es erhöht aber den Druck und sorgt im Misserfolgsfall für Unruhe. Titelgewinne würden die ehrgeizigen Besitzer wohl selbst bei finanziellen Verlusten zufrieden stellen – und das Berner Fussballpublikum mit der ausgeprägten Leidensfähigkeit nach zahlreichen Ehrenplätzen allemal. (Berner Zeitung)
Erstellt: 12.04.2011, 09:09 Uhr
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9 Kommentare
Sehr interessiert lese ich als YB Fans jeweils solche Berichte. Schön das sie sich wieder mal journalistisch betätigen, ich hatte schon das Gefühl das es YB nur noch im Zusammenhang mit den schwerkriminellen Fans gibt, die haben anscheinend sogar in fremde Gärten gepinkelt! Antworten
Nächste Saison gibts den Titel. Wir haben mit den Zuzügen Jemal/Spycher nun eine stabile Abwehr (dies fehlte die letzten Jahre). Mit Farnerud einen erfahrenen OFM Spieler (Costanzo/Doubai sind noch nicht so konstant) a la Yakin und Mayuka blüht auch langsam auf. Degen müsste nur mal auch wieder in Fahrt kommen. Dieses Kader aber hat das Potenzial und es liegt nun am Trainer, dies umzusetzen. Antworten
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