«Gut, war es ein Einzeltäter»

Der Goalie von Borussia Dortmund, Roman Bürki, ist erleichtert, dass der Attentäter gefasst ist.

Die Sprecherin des Generalbundesanwaltes vor den Medien. Video: Tamedia/AFP

  • Das Wichtigste in Kürze  


    • Beamte der Spezialeinheit GSG9 nahmen im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am frühen Freitagmorgen einen 28-jährigen Tatverdächtigen im Raum Tübingen fest.

    • Der Mann soll aus Habgier versucht haben, möglichst viele Spieler des Vereins zu verletzen oder gar zu töten, um die Dortmund-Aktie zum Absturz zu bringen und vom Kurswechsel zu profitieren. Laut Bundesanwaltschaft kaufte er am Tag des Anschlags 15'000 Verkaufsoptionen für die Aktie von Borussia Dortmund.

    • Beim Anschlag am 11. April waren drei Sprengsätze in der Nähe des Dortmund-Mannschaftsbusses explodiert, als sich die Spieler auf dem Weg zu der Champions-League-Partie gegen die AS Monaco befanden. Dabei wurden der Dortmund-Fussballer Marc Bartra und ein Polizist verletzt.

    • Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann allein handelte.

  • Reaktion von Roman Bürki  

    Der Schweizer BVB-Goalie Roman Bürki ist erleichtert, dass der mutmassliche Täter nun verhaftet wurde. Zum «SonntagsBlick» sagt er: «Ja, es ist für jeden gut, dass man nun weiss, wer dahinter steckt. Es ist besser, dass es nicht eine Terrororganisation war, sondern ein Einzeltäter.»

    Inzwischen habe sich seine nächtliche Unruhe gelegt. «Aber es wird mir immer wieder bewusst, wie viel Glück wir hatten.»

  • Haftbefehl erlassen  

    Gegen den mutmasslichen Täter ist ein Haftbefehl erlassen worden. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs habe dem Antrag der Bundesanwaltschaft stattgegeben, teilte der Generalbundesanwalt am Freitag mit.

    Der 28-jährige Deutsch-Russe Sergej W. sei dringend verdächtig, den Anschlag auf den BVB-Bus vor anderthalb Wochen verübt zu haben, bei dem BVB-Fussballer Marc Bartra und ein Polizist verletzt worden waren.

  • Sicherheitspolitik  

    Borussia Dortmund will nach dem Bombenanschlag sein Sicherheitskonzept verbessern. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke habe bereits Vorstellungsgespräche mit ehemaligen «GSG-9- und BKA-Leuten», sagte Watzke der «Süddeutschen Zeitung». «Die Entwicklungen zwingen uns offenbar dazu, Sicherheitsmassnahmen in ganz neuem Stil zu ergreifen», so Watzke.

    Die Situation als einziger börsennotierter Fussballlub habe Dortmund vielleicht zu einem besonderen Ziel gemacht. Der Verein werde nun auch prüfen, ob Restriktionen im Bereich des Handels der Aktien oder anderer Papiere rund um die Aktie nötig seien.

  • Pressekonferenz  

    Um 12.30 Uhr informierte die Bundesanwaltschaft an einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand der Ermittlungen. Bernerzeitung.ch/Newsnet berichtete an dieser Stelle live.

    «Auf die Spur des Beschuldigten sind wir durch auffällige Optionsgeschäfte gekommen»

    Vor die Medien tritt Frauke Köhler, die Sprecherin des Generalbundesanwalts Peter Frank. Sie bestätigt zunächst erneut, dass es sich beim Verhafteten um einen 28-jährigen deutsch-russischen Staatsangehörigen handelt. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt ihn des versuchten Mords, der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und der gefährlichen Körperverletzung.

    «Auf die Spur des Beschuldigten sind wir durch auffällige Optionsgeschäfte gekommen», so Köhler. «Mittlerweile wissen wir, dass der Beschuldigte drei verschiedene Derivate auf die Aktie von Borussia-Dortmund gekauft hat.» Den überwiegenden Anteil dieser Finanzprodukte habe er am Tag des Anschlags selbst erworben. «Der Gewinn des Beschuldigten wäre umso höher ausgefallen, je weiter die Aktie von Borussia-Dortmund gefallen wäre.» Wie hoch sein Maximalgewinn gewesen wäre, rechnen die Ermittler noch genau nach.

    «Keine Anhaltspunkte über mögliche Gehilfen oder Mittäter»

    Es gebe noch keine weiteren Erkenntnisse zum verwendeten Sprengstoff. Die Ermittlungen gestalten sich anscheinend schwer, weil der Sprengstoff vollständig umgesetzt worden sei.

    Das BKA hat gemäss Köhler keine Kenntnisse über Komlizen. «Nach unseren Ermittlungen haben wir keine Anhaltspunkte über mögliche Gehilfen oder Mittäter.» Die Ermittler werden die Möglichkeit bei den weiteren Untersuchungen aber weiter im Blick behalten.

    Der Tatverdächtige wird noch heute einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über den Erlass eines Haftbefehls entscheiden wird. Deswegen wolle die Bundesanwaltschaft nicht weiter ins Detail gehen. Mit diesen Worten beendet die Sprecherin die Pressekonferenz.

  • Bilder  

  • Durchsuchungen  

    Im Zuge der Festnahme eines Verdächtigen nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus hat es Durchsuchungen in vier baden-württembergischen Städten gegeben. Dabei handelt es sich um Freudenstadt, Rottenburg, Tübingen und Haiterbach.

  • Reaktion von de Maizière  

    Innenminister Thomas de Maizière bezeichnete die Festnahme des Tatverdächtigen als «grossen Erfolg». «Jetzt geht es darum, Beweise zu sichern und mögliche Hintergründe aufzuklären», erklärte de Maizière in Berlin. «Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv.»




    Innenminister Thomas Strobl sagte: «Der Ermittlungserfolg ist für mich einerseits beruhigend. Andererseits erschreckt mich, wenn sich der Tatverdacht erhärtet, die besonders verwerfliche kriminelle Energie, mit der der Täter zu Werke ging – Geldgewinn auf Kosten einer Vielzahl von Menschenleben.» Das sei perfide und abstossend.

  • Reaktion der Mannschaft  

    Borrussia Dortmund hat eine Presseerklärung veröffentlicht. Darin «hofft der BVB auf eine schnelle Aufklärung und dankt den ermittelnden Behörden». Die Vereinsführung hoffe, «dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte», wie es in der Erklärung heisst.

    Die Vereinsführung erinnert daran, dass der Umstand, dass es neben Marc Bartra keine weiteren Verletzten oder gar Tote gab, «ausschliesslich grossem Glück geschuldet» sei.


  • Erklärung von Put-Optionen  

    Der Tatverdächtige soll nach Erkenntnissen der Ermittler mit sogenannten Put-Optionen auf einen Wertverfall der Klubaktie spekuliert haben. Käufer von Put-Optionen erwerben das Recht, einen sogenannten Bezugswert wie etwa eine Aktie in einem bestimmten Zeitraum – oder zu einem bestimmten Zeitpunkt – zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen.

    Im Gegenzug ist der Verkäufer dieser Option verpflichtet, den Wert zu dem festgesetzten Preis auch zu kaufen – unabhängig davon, wie hoch der Kurs zu diesem Zeitpunkt liegt. Der Käufer der Put-Option rechnet also mit fallenden Kursen. Nur dann kann er mit diesem Instrument Geld verdienen.

  • Weitere Einsätze  

    Der Polizeieinsatz in Baden-Württemberg dauert auch heute Vormittag an. Die Polizei sperrte ein Wohngebiet in Rottenburg ab und durchsuchte ein Gebäude.

    Vor dem Haus, das in einer Sackgasse liegt, stehen mehrere Mannschaftswagen der Polizei. Auch Hunde sind im Einsatz.

  • Ausgangslage  

    Anderthalb Wochen nach dem Anschlag auf den Vereinsbus von Borussia Dortmund haben die Ermittler einen Tatverdächtigen gefasst. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft nahmen Beamte der Spezialeinheit GSG9 heute Morgen einen 28-Jährigen im Raum Tübingen fest.

    Dem deutsch-russischen Doppelbürger werden versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Den Ermittlungen zufolge handelte der Mann offenbar aus Geldgier.

    Laut Bundesanwaltschaft kaufte er am Tag des Anschlags 15'000 Verkaufsoptionen für die Aktie von Borussia Dortmund. Der Kauf sei über die IP-Adresse des Mannschaftshotels «L'Arrivée» erfolgt, wo der Verdächtige ein Zimmer gemietet hatte. Den Kauf habe der Verdächtige über einen Konsumentenkredit finanziert.

    Offenbar wollte der Täter möglichst viele Spieler verletzen oder gar töten, um die Aktie des Vereins zum Absturz zu bringen und dann mit dem Verkauf der Optionsscheine ein Vermögen zu verdienen.

    Mehrere Bekennerschreiben

    Bei dem Anschlag am Dienstag vergangener Woche waren drei Sprengsätze in der Nähe des Dortmunder Mannschaftsbusses explodiert, als sich die Spieler auf dem Weg zu der Champions-League-Partie gegen die AS Monaco befanden. Dabei wurden der Dortmunder Fussballer Marc Bartra und ein Polizist verletzt.

    Direkt nach dem Anschlag waren am Tatort gleichlautende Bekennerschreiben mit islamistischen Bezügen entdeckt worden. Es wurde aber stets bezweifelt, dass diese Schreiben tatsächlich von Islamisten stammen. Ermittelt wurde deshalb auch in Richtung von Rechtsextremisten, gewaltbereiten Fussballfans und Allgemein-Kriminellen.

(nxp/sda/afp)

(Erstellt: 21.04.2017, 17:17 Uhr)

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