Stuttgarts Schweizer Trainer hat vor dem Champions-League-Rückspiel heute Abend in Barcelona keine Angst vor grossen Namen. Seine Spieler mussten bereits das Penaltyschiessen üben.
Eingespieltes Duo: Stuttgarts Trainer Christian Gross und sein Torhüter Jens Lehmann glauben fest an das Wunder von Barcelona. Bild: Keystone
Die grosse Bühne des Höngger Polizistensohns ist das grösste Stadion Europas. Vor 100'000 Zuschauern im Camp Nou von Barcelona und Millionen von TV-Zuschauern (20.45 Uhr live auf Bernerzeitung.ch/Newsnet, SF2, Sat 1 und Sky) steht Gross vor dem Spiel seines Lebens. Schafft der Polizistensohn aus Zürich-Höngg das Wunder von Barcelona? Kann der VfB Stuttgartnach dem 1:1 im Hinspiel den Titelverteidiger aus der Königsklasse kippen?
Gross will sich jedenfalls mit seiner Mannschaft gegen das katalanische Starensemble nicht verstecken. «Wir müssen cool und selbstbewusst auftreten», fordert Gross. Seine Spieler hätten beim 1:1 im Hinspiel in Stuttgart schon viel richtig gemacht. «Doch diesmal müssen wir vieles noch besser machen», fordert Gross. Er will sein Team taktisch klug und mit viel Mut zum Risiko einstellen. Seine Offensivkräfte sollen Torchancen kreieren. «Wir müssen unsere Torchancen besser nutzen und kompakter stehen. Wir sind guten Mutes», verspricht der stets positiv eingestellte Gross. Er rechnet zumindest mit einer Verlängerung. Er hat mit seinen Spielern im Abschlusstraining jedenfalls schon das Penaltyschiessen geübt und offenbar bereits die Schützen bestimmt.
«Ein Sieg gegen Barcelona wäre der grösste Erfolg meiner bisherigen Karriere», gibt der einstige Titelsammler mit GC und Basel unumwunden zu. Könnte Christians verstorbener Vater Edy, der ehemalige Dorfpolizist von Höngg, den grössten Sieg seines Sohnes noch miterleben, wäre das auch für ihn das Allergrösste.
Gross schaffte im Camp Nou schon einmal ein Wunder
Der Schweizer hatte im Camp Nou schon einmal ein kleines Wunder vollbracht. Am 4. November 2008 hatte Gross in der Gruppenphase der Champions Leaguemit dem FC Basel gegen Messi und Co. einen sensationellen Punkt geholt. Es war zwar der einzige, aber das Remis ging trotzdem in die Schweizer Fussballgeschichte ein. Der heutige Leverkusener Eren Derdiyok, den Gross als Joker eingewechselt hatte, hatte den Basler Ausgleich erzielt.
Ein grosses Spiel ist es auch für Stuttgarts Keeper Jens Lehmann, der mit 40 Jahren vor dem Karrierenende steht. «Wenn es mein letztes Champions-League-Spiel wäre, würde es ja bedeuten, dass wir ausscheiden», sagt Lehmann und schiebt gleich den Satz nach: «Ich traue uns zu, dass wir weiterkommen.» In der Vergangenheit hatte Lehmann auf internationaler Bühne verrückte Spiele abgeliefert. Als Keeper von Arsenal war er einst im Final der Champions League wegen eines Notbremsefouls mit Rot des Feldes verwiesen worden. Die Engländer verloren nicht nur den Torhüter, sondern auch das Spiel mit 1:2. Der damalige Gegner am 17. Mai hiess ausgerechnet Barcelona. Gross erhofft sich von seinem Torhüter eine grandiose Partie. «Jens könnte die Partie seines Lebens spielen», sagt er.
Gross und Lehmann rauften sich zusammen
Gross hatte mit Lehmann in seiner Anfangszeit in Stuttgart grosse Probleme. Der eigenwillige Lehmann, an der WM 2006 noch Deutschlands Nummer 1, hatte unter Gross' Vorgänger Markus Babbel einen Sonderstatus der Extrawürste genossen. Doch Gross hat es mit psychologischem Geschick verstanden, Lehmannn zu disziplinieren. Heute bilden die beiden eine Zweckgemeinschaft, die auf hoher Professionalität basiert. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)