Reservist bei YB statt Schweizer Nationalspieler
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 14.11.2011 18 Kommentare
Nicht mehr im Mittelpunkt: François Affolter ist derzeit kein Thema fürs Nationalteam – weil er bei YB überraschend nicht mehr spielt. (Bild: Keystone )
Es sind schwierige Zeiten für François Affolter. Doch der junge Mann, von dem es schon immer hiess, er sei für sein Alter ausgesprochen reif, spricht abgeklärt über seine Situation. Und irgendwann sagt Affolter, gerade mal 20 Jahre alt: «Fussball ist so. Manchmal bist du oben, manchmal läuft es nicht gut.» Er hätte auch sagen können, manchmal sei man unten, doch das würde seiner positiven Einstellung widersprechen. Affolter sagt nämlich auch: «Ich bin ganz sicher, dass ich meinen Weg machen werde. Ich habe hohe Ziele und viele Träume.»
François Affolter ist vielleicht die grösste Verteidigerbegabung der Schweiz. Vor 15 Monaten debütierte er im Nationalteam beim 1:0-Sieg im Testspiel in Österreich. Auch in seinen Länderspielen gegen Australien sowie auf Malta (jeweils 0:0) erhielt die Schweiz keinen Gegentreffer – und beim vierten Einsatz des damals 19-Jährigen gegen die Ukraine (2:2) verlor die Auswahl ebenfalls nicht. Das ist eine ansprechende Bilanz, aber heute sagt Affolter: «Ich habe von Ottmar Hitzfeld nichts mehr gehört.» Er wisse aber, dass sich der Nationaltrainer bei YB-Coach Christian Gross informiert habe, wie seine Trainingsleistungen seien.
Und jetzt noch die Sportler-RS
François Affolter, vor wenigen Monaten noch bei Zenit St.Petersburg, Lyon oder Wolfsburg im Gespräch, erlebt gerade die erste Krise seiner jungen Karriere. Er wäre als YB-Stammspieler bestimmt im Nationalteam, schliesslich hat Hitzfeld einen radikalen Verjüngungsprozess eingeleitet. Aber weil Affolter bei YB überraschend nicht mehr erste Wahl ist, kann er kein Thema für Hitzfelds Nachwuchscombo sein.
In der helvetischen U-21-Auswahl ist Affolter nach wie vor gesetzt und hinter Zürichs Philippe Koch zweiter Captain. Doch es passt wohl zu seiner unschönen Lage, dass er heute im U-21-EM-Qualifikationsspiel in Spanien wegen einer Angina nicht dabei sein kann. «Das ist Pech», sagt Affolter, der die Reise nach Spanien gar nicht mitgemacht hat, nachdem er schon am Donnerstag beim 5:0-Sieg gegen Georgien in Lugano krank gefehlt hatte. «Ich litt bereits vor rund einem Monat an einer Angina», erklärt Affolter. «Ich muss das auskurieren, dann greife ich wieder an.»
Unglücklicherweise absolviert der Bieler Affolter seit Anfang November mit 13 anderen Spitzensportler auch noch die Sportler-RS. Die ersten fünf Wochen findet die Basisausbildung (unter anderem am Gewehr) in Lyss statt, später wird Affolter bis Mitte März in Magglingen stationiert sein. «An den YB-Morgentrainings kann ich nicht mitmachen», sagt Affolter, «das ist schade.» Aber er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, bei den Young Boys bald wieder eingesetzt zu werden. «Trainer Gross hat mir gesagt, dass er auf mich zählt», sagt Affolter. Der Coach jedoch setzt in der zentralen Abwehr auf die routinierten Alain Nef und Dusan Veskovac. Affolter wurde erst in vier Ligapartien eingesetzt und sass zuletzt bei der 0:1-Niederlage in Genf gegen Aufsteiger Servette sogar nur auf der Tribüne. «Das ist nicht befriedigend», sagt Affolter. Sein Trainer sagt, Affolter kämpfe mit dem jungen Finnen Juhani Ojala um Platz 3 im Innenverteidigerranking: «Affolter besitzt gute Qualitäten, muss aber noch lernen.»
Wertzerfall des Talents
In der YB-Chefetage beobachtet man den rapiden Wertzerfall des vermutlich kostbarsten Talents im Kader nervös, die finanzielle Situation verlangt ja regelmässig Spielerverkäufe. «Wenn Affolter nicht häufiger spielt, müssen wir bald eine Lösung finden», sagt CEO Ilja Kaenzig. «Aber der Trainer entscheidet.» Gross betont, er wolle im Winter keinen Spieler abgeben. Und Affolter erklärt: «Ich möchte YB-Stammspieler sein. Wir haben ein starkes Team und können Titel gewinnen, wenn wir konstanter spielen.»
Bis 2016 läuft Affolters Vertrag in Bern. Spätestens in der Winterpause will er das Gespräch mit Gross erneut suchen: «Ich benötige in meinem Alter jede Woche Spielpraxis.» Es würde ihm auch nichts ausmachen, an einen Ligakonkurrenten wie Luzern ausgeliehen zu werden. Affolter weiss, dass es im Fussball schnell gehen kann, bis das Glück einen wieder findet. (Berner Zeitung)
Erstellt: 14.11.2011, 07:33 Uhr
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18 Kommentare
Da holt man einen Hasler und will viel mehr auf Junge setzen und dazu holt man Gross der nicht auf Junge setzt sondern auf fertige Spieler, wie übrigens immer!! Aber das Beste ist, man(n) ist noch erstaunt darüber,
dass die Talente nicht mal ne Chance bekommen!!! Unglaublich... Hallo Herr Känzig aufwachen!!
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Langsam muss man sich auch Trainer Gross hinterfragen weshalb Spieler wie Affolter, Sutter usw. auf der Bank schmorren müssen. Da kann doch etwas nicht stimmen Ihr Herren von der Teppichetage. Wenn es schon mal nicht läuft könnte man auch diesen Spielern wieder mal eine Chance geben bevor auch diese zwei YB verlassen. So verkümmert dieser Verein endgültig bis gar nichts mehr geht. Antworten
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