Penalty und Rot ist zu viel des Guten
Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 01.04.2010 14 Kommentare
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Ist die Regel Rot und Penalty sinnvoll?
Ja, das Zunichtemachen von Torchancen muss hart bestraft werden
Nein, Penalty ist Strafe genug
Der Spieler soll erst nach dem Penalty vom Platz gestellt werden, wenn es kein Tor gab
730 Stimmen
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Massimo Busacca litt offensichtlich, als er fünf Minuten vor Schluss im Champions-League-Spiel zwischen Arsenal und dem FC Barcelona Carles Puyol die rote Karte zeigte. Der Captain von Barça hatte Cesc Fabregas gefoult, als dieser zum Torschuss ansetzen wollte. Puyol und Barcelona nahmen den Entscheid nach kurzen Protesten hin. Der Verteidiger stapfte vom Feld.
Notbremsen mit Rot zu ahnden, folgt dem Wunsch der Fifa nach mehr Toren. Deshalb wird nicht die Schwere des Vergehens geahndet, sondern die Grösse der Torchance. Handlungsspielraum bietet sich den Schiedsrichtern hierbei kaum. Weil als Busacca gestern Abend im Emirates-Stadium die Intervention von Puyol an Fabregas als Foul wertete, blieb ihm gar nichts anderes übrig, als dem Verteidiger auch die rote Karte zu zeigen.
Vorteil und Gelb statt Pfiff und Rot
Nicht zum ersten Mal werden die Diskussion um genau diese Regel angeheizt. Der Champions-League-Final 2006 stellte der norwegische Schiedsrichter Terje Hauge Arsenals Keeper Jens Lehmann vom Platz, weil dieser als letzter Mann Samuel Eto’o gefoult hatte. Weil das Foul damals knapp ausserhalb des Strafraums passierte, war die Bestrafung wenigstens nicht doppelt. Allerdings hätte Hauge Vorteil laufen lassen können, denn Eto’o hatte das Tor trotz des Fouls erzielt. Lehmann hätte so nur verwarnt, aber nicht vom Platz gestellt werden müssen.
Aus diesem Grund hätte Busacca im Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich Franco Costanzo auch nicht vom Platz stellen müssen, als dieser nach seinem Luftloch verzweifelt versuchte, Alexandre Alphonse am Torschuss zu hindern. «Weil das Tor fiel, wäre es nur eine gelbe Karte gewesen», erklärt Schiedsrichter-Chef Urs Meier. Beim Argentinier liess Busacca indes Gnade vor Recht ergehen – im Sinne des Fussball, darf angemerkt werden.
Die Feldspieler im Tor
Es ist nachvollziehbar, dass die Fifa das «Zunichtemachen einer hochprozentigen Torchance» hart sanktionieren möchte. Doch gerade die Bestrafung mit Platzverweis und Penalty – zumal es nicht selten den Torhüter betrifft – ist ein überhartes Verdikt. Im FA-Cup-Viertelfinal 2008 zwischen Manchester United und Portsmouth hatten die Red Devils Edwin van der Sar wegen einer Verletzung bereits durch Tomasz Kuszczak ersetzt worden. Dieser kassierte nach einem Foul die rote Karte.
Verteidiger Rio Ferdinand stülpte sich Goaliepulli und Handschuhe über, konnte das 0:1 durch Sulley Muntari aber auch nicht verhindern. Und es war nur dem gestikulierenden Trainer Alex Ferguson zuzuschreiben, dass nicht Wayne Rooney ins Tor stand. Der Schotte hatte das Gegentor antizipiert und wollte den Stürmer lieber noch als möglichen Schützen des Ausgleichs auf dem Feld. Dieser fiel dann allerdings nicht mehr.
Notbremse und keine Karte
Besser als Ferdinand hatte es in einer ähnlichen Situation Mladen Petric gemacht, als er noch beim FC Basel spielte. Im Uefa-Cup hielt er gegen Nancy als Ersatz von Franco Costanzo das 2:2 fest. Auch in dieser Saison gab die Regel in der Super League verschiedentlich zu Diskussionen Anlass. Beim Spiel Basel-GC in der Herbstrunde kassierte Jeff Strasser die rote Karte; Benjamin Huggel verwertete den Penalty zum 3:1.
Zu einer speziellen Situation kam es dagegen am letzten Sonntag im Abstiegskampf der englischen Premier League. Blackburns schwedischer Stürmer Martin Olsson stürmte alleine Richtung Tor von Burnley, verfolgt von Tyrone Mears. Olsson spitzelte den Ball an Keeper Brian Jensen und dem Verteidiger vorbei und fiel. Schiedsrichter Mike Dean entschied sofort auf Penalty, zeigte dem dänischen Keeper mit dem furchtvollen Übernamen «The Beast» aber weder die rote noch die gelbe Karte. Und tatsächlich entlarven die TV-Bilder (in der Bildstrecke) Olsson. Der Schwede hob ab, bevor Jensen überhaupt die Chance hatte, ihn zu berühren.
Der übertriebene Torjubel
Die andere für viele Fussball-Fans schwer nachvollziehbare Regel betrifft das Ausziehen des Trikots beim Torjubel. Eingeführt hatte die Fifa diesen Passus, weil immer mehr Spieler unter dem Trikot noch ein T-Shirt mit einer Aufschrift trugen. Legendär sind vor allem die «I love Jesus»-Sprüche der brasilianischen Kicker.
Ebenso bestraft wird das Springen auf den Zaun. Vor allem die Emotionen der Fans sollen damit nicht zusätzlich angeheizt werden. Der frühere FCZ-Spieler Cesar machte damit gleich in seinem ersten Spiel auf Schweizer Rasen unliebsame Bekanntschaft. Im Cup-Halbfinal erzielte der schon verwarnte Brasilianer gegen GC das scheinbar vorentscheidende 5:2, hüpfte jubelnd an den Zaun und musste danach mit Gelb-Rot vorzeitig unter die Dusche. In Überzahl wendeten die Grasshoppers jenes erinnerungswürdige Spiel. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.04.2010, 15:44 Uhr
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