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Murat Yakin: «Ich vermisste den Respekt vor dem Gegner»

Von Alexander Wäfler. Aktualisiert am 10.02.2012

Zum zweiten Mal kehrt Murat Yakin am Samstag als Luzern-Trainer nach Thun zurück. Trotz dem 1:3 des FCL im Hinspiel freue er sich auf die Begegnung mit seinem Ex-Klub.

Turbulenzen in Luzern: Murat Yakin liegt mit dem FC Luzern auf Platz 2, trotzdem hatte der frühere Thun-Trainer
zuletzt Ärger. Der Krach mit einem Journalisten sei mittlerweile aber ausgeräumt, sagt Yakin.

Turbulenzen in Luzern: Murat Yakin liegt mit dem FC Luzern auf Platz 2, trotzdem hatte der frühere Thun-Trainer zuletzt Ärger. Der Krach mit einem Journalisten sei mittlerweile aber ausgeräumt, sagt Yakin.
Bild: Keystone

Sie haben letztes Wochenende, nach dem Spiel gegen Zürich, grossen Wirbel ausgelöst, indem Sie einem Journalisten rieten, weniger Medikamente zu nehmen. Wie kam es zu dieser Aussage?
Murat Yakin: Nach dem 1:1 gegen den FCZ wurde unnötig Unruhe gestiftet. Ich wollte dem Journalisten meine Meinung sagen. Aber das Ganze ist jetzt ausgeräumt und erledigt.

Hat Sie die Frage des Journalisten auf dem falschen Fuss erwischt, dass Sie so harsch reagierten?
Überhaupt nicht. Ich war sehr relaxt nach dem Abpfiff. Aber es war schwierig, dieses Spiel, das wegen der grossen Kälte unter schwierigen Bedingungen stattgefunden hatte, konstruktiv zu analysieren. Und bei der Frage, ob ich über das Resultat enttäuscht sei, weil der FC Zürich mit einem B-Team angetreten sei, vermisste ich ganz einfach den nötigen Respekt vor dem Gegner.

Hätte Ihre Aussage auch als Trainer des FC Thun für diesen Riesenwirbel gesorgt, oder sind die Verhältnisse in Luzern speziell?
Es ist hier halt eine andere Ausgangslage, die Erwartungshaltung ist enorm gestiegen. Aber dafür können wir nichts. Das haben wir uns mit Platz zwei nach der Vorrunde erarbeitet. Ich muss stets alle daran erinnern, dass wir ein kleiner Klub sind. Wir können finanziell nicht mit Basel, YB, Sion oder Zürich mithalten.

Bei Stürmer Raúl Bobadilla hat Luzern versucht, gegen die Young Boys mitzubieten, zog schliesslich aber den Kürzeren.
Bobadilla zu holen und zu bezahlen, wäre für uns vom Budget her schwierig geworden. Wir waren letztlich nicht bereit, jedes Risiko einzugehen. Das war vernünftig. Ich bin froh, wie es gekommen ist, wir schauen vorwärts ...

...und mit Dario Lezcano vom FC Thun hat Luzern bereits eine Alternative für Bobadilla verpflichtet.
Lezcano ist nicht der Bobadilla-Ersatz! Wir hatten ihn seit langem im Visier. Ich wollte ihn unbedingt in meinem Team, und ich wusste, dass seine Verpflichtung für uns auch vom finanziellen Aspekt her realistisch sein würde.

Als Torjäger, wie Bobadilla einer ist, hat sich Lezcano in Thun nicht ausgezeichnet. Was kann er dem FC Luzern bringen?
Er ackert, er kämpft und reisst mit seiner Spielweise das Team mit. Er kommt zu vielen Chancen. Jetzt muss er lernen, all seine Überzeugung in den Torabschluss zu legen. Lezcano muss vor dem Tor vielleicht egoistischer spielen. Er hat grosses Potenzial, das weiss ich.

Ärgert es Sie, hat der FC Thun beim Transfer ausgehandelt, dass Sie Lezcano am Samstag in der Arena Thun nicht einsetzen dürfen?
Ich hätte mir gewünscht, dass Thuns Präsident Markus Stähli das auch vor einem Jahr so gemacht hätte, als ich noch Trainer in Thun war. Damals konnte Oscar Scarione kurz nach seinem Wechsel nach St.Gallen gegen uns antreten. Offenbar hat Stähli aber mittlerweile etwas dazugelernt (schmunzelt).

Haben Sie weitere Thun-Spieler im Visier, die Sie nach Luzern holen wollen?
Mir steht in Luzern ein talentiertes Kader zur Verfügung. Unsere jungen Spieler brauchen jetzt Einsatzzeit, ihnen gegenüber wäre es nicht fair, noch jemanden zu holen – egal von welchem Klub. Die Planungen sind für den Moment abgeschlossen.

Wie oft haben Sie sich eigentlich schon darüber geärgert, dass Sie Nick Proschwitz, der ja im Sommer von Thun zum FCL gewechselt hatte, sogleich wieder verkauften? Proschwitz hat in der 2.Bundesliga bereits 13 Saisontore erzielt und spielt mit Paderborn um den Aufstieg mit.
Im Sommer hatte ich keinen Platz für ihn in unserem Kader. Proschwitz kann nur als Sturmspitze spielen, und in der Offensive waren alle Plätze vergeben. Ich hatte aber nie ein Problem mit ihm und habe gehofft, dass er in Paderborn so einschlägt. Ich freue mich sehr, läuft es Proschwitz so gut. Das habe ich ihm in den Winterferien in Miami auch gleich selber gesagt, als wir uns zufällig über den Weg liefen.

In der Vorrunde beendete Thun mit dem 3:1 im Heimspiel gegen Luzern seine Krise. Wie sehen Sie der Partie am Samstag entgegen?
Wir waren in der Vorrunde in Thun nicht effizient. Genug Torchancen hatten wir ja. Ich denke, ein Unentschieden wäre damals das gerechte Resultat gewesen. Die Niederlage brachte uns aber nicht aus der Ruhe. Auf die erneute Rückkehr nach Thun freue ich mich. Ich hatte hier mit dem Team eine gute, erfolgreiche Zeit. Wir haben etwas aufgebaut. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.02.2012, 10:05 Uhr

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