Mit mehr «Berneness» gewinnt YB wieder Titel und Pokale

Vor 35 Jahren gewannen sie für YB den Cupfinal. Beim Treffen vom Samstag war das 1:0 vom 11. April 1977 gegen St.Gallen ebenso Thema, wie die aktuelle Situation bei YB.

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Zeit für das grosse Händeschütteln. Zum Teil haben sich die YB-Stars, die 1977 im Wankdorfstadion den Cupfinal gewannen, seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Umso herzlicher fiel am Samstag das Wiedersehen im YB-Museum des Stade de Suisse aus. Odermatt, Brechbühl, Conz und Co. beendeten am 11.April 1977 die 17 Jahre dauernde Wartezeit auf einen Titelgewinn. Da gibt es Parallelen zu heute: Bern wartet seit dem Meistertitel von 1986, respektive seit dem Cupsieg von 1987 auf einen Pokal. Vielleicht haben ja die Stars von damals einen Tipp, wie das YB von heute erfolgreicher sein könnte.

Jan Andersen (66) ist extra aus Dänemark angereist. Der einzige Torschütze vom Ostermontag 1977 erinnert sich an die 75.Spielminute: «Nach einem Corner von Odermatt landete der Ball bei mir. Ich habe aus vier Metern geschossen – vorbei an Freund und Feind ins Tor.» Und genau dieses Rezept, so findet der gut gelaunte Andersen, würde YB helfen, nach 26 Jahren wieder einen Titel zu gewinnen. «Sie müssen einfach Tore schiessen. Das ist im Fussball nun mal so.»

Jakob «Köbi» Brechbühl (60) sieht die fehlende Identifikation mit dem Klub als Grund für den ausbleibenden Erfolg. «Damals standen 8 oder 9 Berner Giele, die in der Nähe des Stadions aufgewachsen sind, im Team. Das fehlt heute. Ausgezeichnet Fussball spielen können die aktuellen Spieler alle, also: fast alle», sagt der ehemalige Aussenverteidiger mit spitzbübischem Grinsen und hält an der Forderung nach mehr «Berneness» fest.

Karl Odermatt (69), der in Luzern geborene Basler, war von 1975 bis 1980 ein Young Boy. Er vermisst beim BSC YB der Neuzeit die Leaderfiguren. «Ein Gegentor wird einfach hingenommen. Ich habe mich jeweils masslos über ein Tor des Gegner geärgert. Solche Typen mit Feuer und Leidenschaft fehlen mir heute. Nur mit einem schönen Stadion und professionellen Strukturen ist es nicht gemacht.»

Heinz Rebmann sieht es pragmatischer: «So viele Titel haben wir ja auch nicht gewonnen, nur den Cup 1977. Leider hat es nie zum Meister gereicht, weil uns einer gefehlt hat, der in jedem Spiel sein obligates Tor geschossen hat. So einer wie es heute Alex Frei bei Basel ist.» Oder es Seydou Doubia einst bei YB war? «Ja, so einer täte YB jetzt gut.»

Kurt Linder (78), Trainer des Cupsieger-Teams, war mit dem 1:0 im Final nicht zufrieden. «Zwei Jahre vor diesem Spiel haben wir dasselbe St.Gallen mit 9:0 gebügelt, geglättet, gefaltet und heimgeschickt. Damals, 1975, habe ich gedacht, dass dem YB-Team jetzt endlich der Knopf aufgegangen sei. Dass wir nicht mehr Titel gewonnen haben, ist etwas enttäuschend.»

Ralph Zloczower (79) war 1977 Präsident von YB. Er plädiert in Bezug auf die titellose Zeit für Geduld. «Erfolg muss reifen und braucht Zeit. Die heutige YB-Führung leistet gute Arbeit und hat perfekte Strukturen geschaffen, sodass sich der Erfolg auch wieder einstellen wird.»

Seit dem Cupsieg von 1977 wurde YB einmal Meister (1986) und gewann einmal den Cup (1987). Dieser geringen Ausbeute an gewonnenen Pokalen kann mit etwas Ironie auch Positives abgewonnen werden: Weil man bei YB nur selten Grund zum Feiern hat, vergisst man die Vergangenheit und die Stars aus vergangenen Tagen weniger schnell. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 07.05.2012, 07:43 Uhr)

Das Cupsieger-Team von 1977

Walter Eichenberger (Tor), Rolf Vögeli (Libero); Jakob Brechbühl, Peter Mast, Heinz Rebmann (Verteidiger); Karl Odermatt, Jean-Claude Bruttin, Jan Andersen, Jean-Marie Conz (Mittelfeld); Josef Küttel, Bernd Lorenz (Sturm). - Trainer Kurt Linder. - Weitere Spieler: Martin Trümpler (verletzt), Gerard Weissbaum (Ersatzgoalie), Jörg Schmidlin, Roger Cormainboef, Urs Siegenthaler, Peter Burkhardt, Jost Leuzinger

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