«Mit aller Härte gegen die Betrüger vorgehen»

Thomas Grimm, Präsident der Swiss Football League (SFL), spricht über den Wettskandal und seine Auswirkungen.

Sind Sie schon konkret über das Ausmass der Manipulationen in der Schweiz informiert worden?
Ja, die SFL hat am Montag von der Bundesanwaltschaft eine Liste mit den betroffenen Partien erhalten.

Und welche Teams sind besonders in den Skandal verwickelt?
Weil die Untersuchungen und Ermittlungen andauern, darf ich keine Angaben machen.

Aber Sie können bestätigen, dass die Super League von den Manipulationen nicht betroffen ist.
Ich darf und will gar keine Details bekannt geben. Wir hoffen, dass die Ermittlungen rasch abgeschlossen sind, damit wir dann mit aller Härte gegen die Betrüger vorgehen können. Es gibt nichts Schlimmeres als manipulierte Spiele. Das hat verheerende Folgen für die Glaubwürdigkeit des Fussballs.

Betrügern droht lebenslängliches Fussballverbot.
Das kann man jetzt noch nicht sagen und muss von Fall zu Fall beurteilt werden. Jetzt gilt für alle die Unschuldsvermutung. Diese Angelegenheit wird uns wohl länger beschäftigen. Ich will den Disziplinarinstanzen nicht vorgreifen. Sind die Anschuldigungen jedoch bewiesen, müssen die Strafen drastisch und abschreckend sein.

Denken Sie auch, dass in diesem Wettskandal erst die Spitze des Eisbergs bekannt ist?
Ich mache mir keine Illusionen. Es geht im Wettgeschäft um derart viel Geld, dass man leider nichts ausschliessen darf.

Ist es nicht ein Witz, dass mit Thuns Omar Faye, der gegen Yverdon im Mittelfeld agierte, ein Spieler in der Kritik steht, der kaum allein eine Niederlage mit vier Toren organisieren kann? Zumal defensive Aufbauer an Toren am wenigsten beteiligt sind.
Dieses Thema ist zu wichtig und zu ernst, deshalb möchte ich mich nicht an Spekulationen beteiligen, warum welcher Spieler verdächtigt wird. Jeder, der einmal Fussball gespielt hat, kann sich aber selber ein Urteil bilden.

Was kann die Liga denn bereits jetzt konkret unternehmen?
Die vom Skandal betroffenen Verbände werden am Mittwoch in Nyon von der Uefa unterrichtet, wie es weitergeht. Vorerst können wir nur präventiv einwirken, an die Ehrlichkeit und Fairness aller Beteiligten appellieren und wachsam sein.

Weiter müssen wir prüfen, was Fifa, Uefa, Verband und Liga in Zukunft besser machen können,um Manipulationsversuche frühzeitig zu erkennen. Gemäss meinem Wissensstand schlugen die Radarsysteme für verdächtige Wetten bei den in der Schweiz betroffenen Spielen nicht an.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 24.11.2009, 11:25 Uhr

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