Luxusprobleme beim FCZ bergen Konfliktpotenzial
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In den ersten beiden Meisterschaftsspielen in Basel und gegen GC leistete sich der FCZ den Luxus, mit Johnny Leoni und Ludovic Magnin auf zwei WM-Teilnehmer zu verzichten. Die Begründung dafür war plausibel. Leoni wie Magnin reisten nach dem Turnier in Südafrika in die Ferien und nahmen das Training verspätet auf. «Sie hatten punkto Fitness und Ausdauer einen Rückstand», erklärt Sportchef Fredy Bickel.
Anstelle Leonis stand Andrea Guatelli im Tor, für Magnin verteidigte Ricardo Rodriguez auf der linken Flanke. «Die beiden machten ihre Sache gut», sagt Bickel. Sie werden deshalb auch im heutigen Spiel gegen Sion in der Startaufstellung stehen. Guatelli ist für den Moment ohnehin Torhüter Nummer 1. Er hat sich die letzten dreieinhalb Jahre als zweiter Goalie hinter Leoni vorbildlich verhalten «und endlich eine Chance verdient», wie sich Bickel ausdrückt.
Leoni will weg – ins Ausland
Der Aufstieg Guatellis wurde auch durch Leonis Abwanderungsgelüste begünstigt. Der Walliser hatte den Klub schon vor der WM wissen lassen, dass er bei einem guten Angebot ins Ausland wechseln wolle. Es soll Anfragen aus Spanien geben, bis anhin ist nichts konkret geworden. Bickel bemerkt: «Beim FCZ hat sich wegen Leoni niemand gemeldet.» Der Goalie ergänzt mit einem Schulterzucken: «Der Kontakt zu Malaga hat sich zerschlagen, aber die Transferperiode dauert noch bis Ende August.»
Magnin, der zweite aktuelle FCZ-Nationalspieler, kam in der Winterpause aus Stuttgart mit dem Ziel nach Zürich, sich einen Platz im WM-Kader zu sichern. Das gelang ihm im letzten Moment, zu Einsätzen in Südafrika kam er indes sowenig wie Leoni. Beim FCZ hat er bis anhin nicht überzeugen können, und die Klubleitung muss sich fragen lassen, wie viel Sinn dieser Transfer überhaupt machte.
Spitzenverdiener Magnin muss hinter U17-Weltmeister anstehen
Der Verteidiger ist 31-jährig, er wurde mit einem Vertrag über dreieinhalb Jahre ausgestattet und gehört zu den bestbezahlten FCZ-Spielern. Jetzt muss er sich dem Konkurrenzkampf mit dem aufstrebenden U-17-Weltmeister Rodriguez stellen. Bickel sagt: «Wenn ein junger und ein älterer Spieler absolut gleichwertig sind, dann soll tendenziell der junge spielen.» Er legt Wert darauf, die Philosophie des Klubs fortzuführen und – soweit möglich – auf junge Talente zu setzen. Trainer Urs Fischer relativiert. Er müsse auch die Struktur und Zusammensetzung der Mannschaft berücksichtigen: «Entscheidend ist, dass die Mischung stimmt.»
Bickel und Präsident Ancillo Canepa haben ein Kader zusammengestellt, das sehr ausgeglichen besetzt ist. «Es gibt nur für wenige Spieler einen Stammplatz», denkt Bickel. Bis anhin wurden neben Leoni und Magnin auch bewährte Kräfte wie Philippe Koch und Rochat sowie Chermiti nicht eingesetzt. Auch das hat Gründe. Koch spielte nach dem Ende der Meisterschaft noch mit der Schweizer U-21, Rochat spekuliert auf einen Wechsel nach Vancouver in der Winterpause, und Chermiti war nach seinem einjährigen Gastspiel in Saudiarabien nicht fit. Nun aber ist ausser Barmettler das ganze Kader einsatzbereit. Fischer sagt: «Ich habe 24 Spieler zur Verfügung und damit ein Luxusproblem, nämlich die Qual der Wahl.»
Fischer und die Unzufriedenen
Jede Position ist doppelt besetzt, einige sogar dreifach. Bickel erklärt: «Ein Profi muss mit Konkurrenz leben können.» Und im Verlauf einer Saison gebe es immer verletzte und gesperrte Spieler. Dass es zu Konfliktsituationen kommen könnte, wenn ein vormals etablierter Spieler über längere Zeit nicht mehr eingesetzt wird, ist ihm bewusst. Er vertraut auf die Professionalität der Spieler und die fachliche und soziale Kompetenz von Fischer. Der Trainer sagt: «Einige werden unzufrieden sein, aber damit muss ich leben.»
Sobald der Sportchef den Eindruck gewinnt, dass ein Spieler in den Überlegungen des Coaches keine Rolle mehr spielt, versucht er, diesen an einen anderen Verein auszuleihen. Hoffnungsvolle Talente wie Lattmann, Staubli, Ivanishvili, Tarchini und Goncalves hat er bei Klubs in der Challenge League platziert, ebenso Silvio. Ein nächster Kandidat für ein Leihgeschäft könnte Adrian Nikci werden. Bickel sagt: «Ein Fussballer muss Fussball spielen. Auf der Ersatzbank wird keiner besser.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.07.2010, 14:16 Uhr
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