Ein Kunstrasen im Wembley

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 29.07.2010

England atmet auf: Dank einer Teillösung mit Kunstfasern soll der Rasen im Londoner Wembley-Stadion endlich wieder höchsten Ansprüchen genügen.

Millimeter-Arbeit beim neuen «Teppich»: Arbeiter verlegen den speziellen Rasen im Londoner Emirates-Stadion, der Heimat von Arsenal.

Millimeter-Arbeit beim neuen «Teppich»: Arbeiter verlegen den speziellen Rasen im Londoner Emirates-Stadion, der Heimat von Arsenal.
Bild: Keystone

Nichts ist einem Hausbesitzer in England heiliger als die Qualität und das Aussehen seines Rasens. Egal, ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint – der Rasen muss höchsten Ansprüchen der grossen Gartengemeinde genügen. Man weiss ja schliesslich nie, ob Ihre Majestät kurz auf eine Tasse Tee vorbeischaut. Oder der Nachbar oder die Nachbarin unter irgendeinem Vorwand an die Tür klopft, um letztlich bloss zu prüfen, wie es um die Grünfläche bestellt ist. Der Rasen, das ist in England ein Kulturgut und eine Prestigeangelegenheit, nicht nur in den Fussball-Stadien oder bei der Tennis-Gartenschau in Wimbledon.

Umso ärgerlicher empfand das Mutterland des Fussballs den Zustand des einst «heiligen» Wembley-Rasens. Seit der Wiedereröffnung des umgebauten Stadions im Jahr 2007 musste der Rasen nicht weniger als zehnmal neu verlegt werden, weil die Grünfläche schon nach wenigen Spielen einem Acker glich. Die Volksseele kochte, und Harry Redknapp, der Personalchef von Tottenham Hotspur, machte seinem Ärger über den holprigen Wembley-Platz mit jenem Zitat Luft, das sonst seinem Berufskollegen, Sir Alex Ferguson, bei jeder passenden Gelegenheit einfällt: «It’s a disgrace – es ist eine Schande». Auch die Internationalen John Terry (Chelsea) und James Milner (Aston Villa) attackierten verbal den jämmerlichen Rasenzustand des Nationalstadions.

Die WM-Kampagne ist nicht mehr gefährdet

Jetzt wird aber dieser Schandfleck aus der Garten-Landkarte Englands verschwinden. Nach dem elften Anlauf soll der Rasen im Wembley endlich allen Tacklings und Fehltritten standhalten. Denn dank der Verlegung eines Rasens aus echtem Gras und Kunstfasern soll die Unterlage für grössere Belastungen gewappnet sein. Das Produkt, von der holländisch-belgischen Firma Desso auf den Markt gebracht, verspricht viel: nachhaltige Qualität mit effizientem Abwassersystem sowie grossem Komfort für die Spieler. In der Tat wurde diese Mixtur aus Natur und Plastik schon mit viel Erfolg in der Heimat der Premiere-League-Klubs Arsenal, Liverpool, Manchester City, Tottenham und Aston Villa angewendet.

Natürlich muss der Betreiber des Wembley für diese Wundermischung tief in die Tasche greifen. 250'000 Pfund, also rund 412'225 Franken, kostet der Rasen. Die höchsten Fussball-Funktionäre des Landes hoffen, dass die neue Unterlage beim traditionellen Saisoneröffnungsspiel um die Community Shield vom 8. August zwischen Chelsea und Manchester United bereitsteht. Und der englische Verband (FA) glaubt, dass seine Kandidatur für die Durchführung der Fussball-WM 2018 nun kein Handicap mehr in sich trägt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.07.2010, 13:59 Uhr

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