Konkurrenz in der Offensive steigert das Spielniveau
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 06.04.2011 3 Kommentare
Harter, aber freundschaftlicher Konkurrenzkampf: Emmanuel Mayuka (links) und Mario Raimondi drängen ins YB-Team. Derzeit sitzen sie oft auf der Ersatzbank – den Spass haben sie dennoch nicht verloren. (Bild: Andreas Blatter)
Sturm im Wasserglas
Eine prominent präsentierte Geschichte des «Blicks» sorgte am Dienstag für Aufregung bei YB. Das Boulevardblatt fragte: «Spielt Bienvenu mit gefälschtem Pass?»
Der Kameruner Henri Bienvenu habe sich demnach 2006 einen neuen Pass besorgt, damit er zwei Jahre älter sei – und mit Jahrgang 1988 alt genug für einen Profivertrag in Tunesien. Eigentlich sei Bienvenu erst 1990 geboren.
Der YB-Stürmer nahm deshalb am Dienstag seine privaten Unterlagen mit ins Training. «Und auch auf der offiziellen Geburtsurkunde Bienvenus ist der 5. Juli 1988 als Geburtsdatum angegeben», sagt YB-Medienchef Albert Staudenmann. Die Liga wird diese Sache kaum verfolgen.
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Die Young Boys agierten am Sonntag beim 2:0-Sieg in Sion beeindruckend stark, sie dominierten Geschehen und Gegner, beherrschten Ball und Spiel, es war ein Beleg der Fortschritte, die sie erzielt haben. «Wir sind auf einem guten Weg», sagt Captain Marco Wölfli. «Ich bin überzeugt, dass wir bald schon einen Titel gewinnen können.» Das YB-Kader ist für Super-League-Verhältnisse ausgezeichnet bestückt, vor allem in der Offensive herrscht ein Konkurrenzkampf mit prominenter Besetzung. U-21-Nationalspieler Xavier Hochstrasser (22 Jahre alt) zum Beispiel verliess YB in der Winterpause, weil er mehr Spielpraxis benötigt, um die Teilnahme an der U-21-EM im Sommer in Dänemark nicht zu gefährden. Das leihweise Engagement des zentralen Aufbauers bei Padova (Serie B) verläuft aber harzig, Hochstrasser sitzt vornehmlich auf der Ersatzbank.
Dort mussten bei YB auch Stürmer Marco Schneuwly (26) und Mittelfeldspieler Christian Schneuwly (23) in den letzten Monaten oft Platz nehmen, derzeit sind die Brüder verletzt. Die Schneuwlys bewiesen ihre Fähigkeiten in den letzten Jahren, doch in dieser Saison sind die Mitbewerber um einen Stammplatz besser als früher.
Talent Tosetti in Lauerstellung
Das hat auch Mario Raimondi erfahren müssen. Der verdienstvolle, polyvalente Linksfuss, seit 2005 bei YB, wird meistens nur noch in der Schlussphase eingewechselt, so wie in Sion, als Raimondi in der 88.Minute das Spielfeld betrat. Auf Raimondis Positionen verrichten Christoph Spycher im Mittelfeld und Senad Lulic im Angriff vorzügliche Arbeit. Und die Grossbegabung Matteo Tosetti, U-17-Weltmeister 2009, drängt zwar ins Team, doch das seit kurzem 19-jährige Talent muss sich gedulden. Es soll in Ruhe aufgebaut werden. Diesen Plan verfolgen die Young Boys auch mit Emmanuel Mayuka, dem 20 Jahre alten Stürmer, der am Sonntag nach seiner Einwechslung mit seinem ersten Ballkontakt das 2:0 erzielte. Der Sambier Mayuka kommt im Angriff (noch) nicht am Kameruner Henri Bienvenu (22) vorbei.
«Es sind Luxusprobleme»
Vladimir Petkovic ist der Trainer, der die Personalpolitik moderiert, er tut das entspannt und sagt gerne, bei YB habe es nicht 11, sondern 22 Stammspieler. Weil die Young Boys bis in diesen Frühling in drei Bewerben involviert waren und es immer wieder Verletzte und Gesperrte gab, erhielten die meisten Akteure bis jetzt genügend Spielpraxis – doch für das Heimspiel gegen den Leader Basel am Sonntag steht Petkovic vor kniffligen Entscheidungen. Zwar ist Defensivakteur und YB-Ersatzspieler Ammar Jemal, immerhin tunesischer Nationalspieler, gesperrt, aber David Degen, am rechten Flügel bisher gesetzt, kehrt nach verbüsster Sperre zurück. Der begabte Spielmacher Moreno Costanzo, mit rund 1,2 Millionen Franken Ablösesumme im letzten Sommer der teuerste YB-Einkauf aller Zeiten, könnte seinen Platz wieder verlieren, falls der bisher überragende Winterpausenerwerb Alexander Farnerud (26) neben den ebenfalls sehr überzeugenden Thierry Doubai (22) ins zentrale Mittelfeld rückt. «Der Konkurrenzkampf ist wichtig», sagt der Schwede Farnerud. «So erreichen wir ein höheres Niveau.» Und Moreno Costanzo (23) findet: «Wir haben wirklich viele starke Spieler. Aber ich glaube, das sind für einen Trainer schöne Sorgen, es sind Luxusprobleme.»
Christoph Spycher, seit einigen Tagen 33 Jahre alt, ist der YB-Fussballer mit der grössten Erfahrung, und er nennt die hohe Dichte an starken, aber jungen, entwicklungsfähigen Einzelspielern «erfreulich». Der langjährige Frankfurt-Spieler sagt: «Einige YB-Spieler können einmal ins Ausland wechseln. Aber es ist wichtig, dass sie in Bern reifen und sich bewähren. Viele Spieler verlassen die Schweiz zu früh.»
Mayuka wie Doumbia
Der scharfe Kampf um Einsatzzeiten hat der Stimmung im Team nicht geschadet, der Charakter der Rivalität unter den YB-Spielern wird als hart, aber freundschaftlich beschrieben. Klar ist aber auch, dass einer wie Mayuka, der seine Klasse schon im Nationalteam Sambias oder als 16-Jähriger (!) an der U-20-WM 2007 in Kanada unter Beweis stellte, eher früher als später zur Stammkraft aufsteigen wird. «Mayuka steht vor einer glänzenden Karriere», sagt YB-Chef Ilja Kaenzig. «Aber er muss ruhig bleiben und Schritt für Schritt nehmen.» Es ist beim schnellen, spektakulären Edeljoker Mayuka ein wenig wie vor zwei Jahren mit dem schnellen, spektakulären Edeljoker Seydou Doumbia, der damals auch oft von der Ersatzbank kommend wichtige Tore erzielte. «Aber wir tun Mayuka keinen Gefallen, wenn wir ihn mit Doumbia vergleichen», sagt Kaenzig. Mayuka soll – wie einst der zweifache Torschützenkönig Doumbia – seine Lockerheit behalten. Und vielleicht bringt seine Ablösesumme dem Verein auch einmal einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Mayukas Aussichten sind wie jene der Young Boys auf jeden Fall vielversprechend. (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.04.2011, 09:43 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
3 Kommentare
Ich verstehe einfach nicht, dass man bei dieser Auswahl, manchmal Leute so lange spielen lässt, die einen schlechten Tag einziehen. Mein Rat an den Trainer: wenn schon eine Auswahl zur Verfügung steht, warum dann nicht Auswechslungen vornehmen? Es kann ja wirklich passieren, dass einer einmal nicht das Optimum bringt. Und jetzt bei Mayuka schon von Ablösesummen sprechen, finde ich absolut falsch! Antworten
Sport
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Bitte warten