Im Felsenstadion gegen den Brocken Braga
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 18.08.2011 5 Kommentare
Das Estádio Municipal de Braga ist von architektonischer Schönheit und auf einer Seite von einem spektakulären Felsmassiv begrenzt. Doch es ist nicht anzunehmen, dass die YB-Spieler übertriebenes Interesse an der Besonderheit der Fussballarena zeigen. Die Young Boys sind gestern mit einem ruhigen, rund dreistündigen Charterflug ab Belp nach Porto geflogen, haben am Abend im Stadion in Braga trainiert – und wollen heute ein «gutes, positives Resultat» (Trainer Christian Gross) erzielen. «Doch entschieden wird das Duell mit Braga erst im Rückspiel in einer Woche in Bern», sagt Gross.
Der Coach der Young Boys platziert seine Botschaften auch im Vorfeld des Treffens in Braga bewusst. Es ist Gross wichtig, festzuhalten, dass der Gegner «klarer Favorit» sei, schliesslich habe er letztes Jahr den Final der Europa League erreicht.
Im Videostudium hat Christian Gross eine «spielstarke Mannschaft mit guten Einzelspielern» gesehen. Und weil Braga (Rang 31) im aktuellen Uefa-Teamranking deutlich vor YB (96) liegt, sagt der Trainer: «Wir brauchen zwei absolute Topleistungen, wollen wir die Gruppenphase erreichen.» Allerdings werden heute bei Braga in der Startformation nur drei Akteure erwartet, die das Europa-League-Endspiel im Mai gegen Porto 0:1 verloren. Die Abwehr ist völlig neu, 17 Spieler sind im Sommer gekommen, 16 Abgänge gab es, und jetzt steht auch der starke Pizzi vor einem Transfer zu Atletico Madrid. Er verhandelt in der spanischen Hauptstadt und spielt gegen YB nicht.
In den Planungen der Young Boys ist ein erneuter Vorstoss in die Europa League – auch finanziell – ja fest eingeplant. Unglücklicherweise erwischten die Berner im Playoff mit Braga einen stärkeren Gegner als erwartet, weil sie am Ende doch nicht gesetzt waren. «Das kann man leider nicht ändern», sagt Ilja Kaenzig am Flughafen in Porto. Aber der YB-CEO weiss auch: «Unsere Investoren interessiert es am Ende überhaupt nicht, gegen wen wir spielen.» Also sagt Kaenzig in blumigen Worten: «Unser Ziel ist nun mal die Europa League, und da unterscheiden diese Leute halt nicht zwischen Braga oder Bregenz.» Der Verwaltungsrat des Vereins um Präsident Benno Oertig gibt die hohen Ambitionen vor, kann wegen privater Termine heute aber nicht in Braga dabei sein.
Frankfurt wollte Dudar
Ebenfalls nicht in der YB-Delegation in Portugal ist Emiliano Dudar. Der Argentinier war noch vor einem Jahr uneingeschränkter Abwehrchef des Teams, aber nach seiner schweren Kopfverletzung hat er nie mehr sein altes Niveau erreicht und soll jetzt den Verein bis Ende August verlassen. Letzte Woche weilte Dudar bei Eintracht Frankfurt, und der in die 2.Bundesliga abgestiegene Traditionsverein unterbreitete dem Verteidiger laut Kaenzig ein äusserst reizvolles Angebot. Doch Dudar lehnte ab. Der YB-Chef versteht das nicht, weil die Perspektiven des Abwehrspielers bei Trainer Christian Gross ungefähr so gut sind wie jene eines Kunstschneeverkäufers in Portugal. Der gegen Braga nicht spielberechtigte neue YB-Verteidiger Juhani Ojala aus Finnland aber hat die Reise mitgemacht. «Er kann die Mitspieler hier sehr gut kennen lernen», sagt Gross.
Mit Rang 2 in der Liga sowie den zwei Erfolgen gegen Westerlo in der letzten Qualifikationsrunde zur Europa League ist YB ansprechend in die Saison gestartet. «Ich bin zufrieden. Und wenn wir am Sonntag das Derby gegen Thun gewinnen, sind wir Leader und hätten 12 Punkte nach sechs Partien», sagt Kaenzig. «Und zwei Zähler im Schnitt sind unser Ziel.» Aber natürlich stehe am Donnerstag in Braga viel für YB auf dem Spiel, betont der CEO.
Keine TV-Bilder in der Schweiz
Unterstützt werden die Young Boys auch heute von ihren reisefreudigen Anhängern. Respektable 200 Berner Supporter sollen laut dem YB-Fanverantwortlichen Marcel Wirth im Felsenstadion Estádio Municipal de Braga anwesend sein. Es gilt für die Young Boys, einen recht grossen fussballerischen Brocken aus dem Weg zu räumen. In der Heimat gibts übrigens ab 22 Uhr keine Liveübertragung und auch zu (allerdings tatsächlich) später Stunde keine Zusammenfassung. Vielleicht hat man beim Schweizer Fernsehen nicht realisiert, dass noch stolze fünf helvetische Teams im Europacup vertreten sind. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.08.2011, 08:01 Uhr
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