Heute will Gross nicht zu viel bezahlen
Von Alexander Wäfler. Aktualisiert am 17.09.2011
Die Zuschauer im Stade du Pâquier in Domdidier staunten am Mittwochabend nicht schlecht, als plötzlich Christian Gross am Kassenhäuschen stand. Der YB-Trainer war für das 3.-Liga-Spiel Domdidier - Cugy/Montet in den Kanton Freiburg gereist, um Domdidier, heute Abend Gegner der Young Boys in der ersten Cuprunde (19 Uhr, St-Léonard/Freiburg), unter die Lupe zu nehmen. «Der Kassier wollte Gross selbstverständlich gratis ans Spiel lassen, doch er liess es sich nicht nehmen, Eintritt zu zahlen. Statt fünf Franken gab er sogar eine Zehnernote», sagt Peter Wüthrich, der Präsident der 3000-Einwohner-Gemeinde. Als Gross sich vor Spielende auf den Heimweg machte, stand es 0:0. In der Schlussminute verlor Domdidier die Partie dann noch wegen eines Penaltytreffers mit 0:1. Mit neun Punkten aus fünf Spielen belegt das ambitionierte Team – Ziel ist der Aufstieg in die 2. Liga – in der Tabelle Platz 2. «Domdidier ist für 3.-Liga-Verhältnisse ein spielstarkes Team», sagt Gross. Er wünscht sich ein Fussballfest und vergisst auch nicht, den Trainer des heutigen Gegners zu loben: «Die Handschrift von Trainer Slobodan Rojevic ist gut zu erkennen.»
YB wohl mit Änderungen
Anders als am Mittwoch will Gross heute nicht zu viel bezahlen. Er dürfte aber im Vergleich zur letzten Partie in Lausanne (3:0) Änderungen vornehmen: Die Verteidiger François Affolter und Scott Sutter könnten von Anfang an spielen, ebenso wie Stürmer Marco Schneuwly.
Die Young Boys nehmen gegen Domdidier einen neuen Anlauf im Schweizer Cup. Unter Gross (als Trainer fünffacher Cupsieger) wollen die Stadtberner den ersten Cuperfolg seit 1987 erringen. Letzte Saison scheiterte YB im Viertelfinal Anfang März mit 3:4 nach Verlängerung am FC Zürich. YB hatte in der regulären Spielzeit einen 0:3-Rückstand wettgemacht, die Partie nach einem Tor von Zürichs Xavier Margairaz in der 116. Minute dann aber doch noch verloren.
Gemeindepräsident als YB-Fan
YB reist heute allerdings nicht nach Domdidier, sondern ins Stade St-Léonard in Freiburg. «Wir hätten das Spiel liebend gern bei uns ausgetragen, doch es hätte rund 30000 Franken gekostet, die Vorgaben des Fussballverbandes an die Infrastruktur und die Sicherheit zu erfüllen», sagt Wüthrich.
Statt in Domdidier sind die Klubverantwortlichen und die 2.Mannschaft halt in Freiburg als Ticketkontrolleure, VIP-Betreuer usw. im Einsatz. Der Gemeindepräsident amtet als Speaker. Er ist prädestiniert, zweisprachig durch die Veranstaltung zu führen: Wüthrich ist in Kiesen aufgewachsen und lebt seit 1989 in Domdidier. «Als Kind und Jugendlicher war ich YB-Fan und besuchte oft die Spiele im Wankdorfstadion», sagt er.
Den Gewinn des Meistertitels 1986 und den Cupsieg 1987 hat Wüthrich hautnah miterlebt. Obwohl Domdidier auf dem Weg in die Hauptrunde vier 2.-Liga-Teams ausgeschaltet hat, macht er sich keine Illusionen über die Siegchancen der Freiburger: «Das Wichtigste ist, dass es ein richtiges Fussballfest wird», sagt er und stimmt damit mit Gross überein. (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.09.2011, 11:50 Uhr
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