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Gross ist die Hoffnung in der YB-Familie

Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 13.07.2011 5 Kommentare

Am Dienstag luden die Young Boys zu Fototermin und Vorsaisonpressekonferenz – auch wegen des glänzend aufgelegten Trainers Christian Gross herrschte im Stade de Suisse teilweise grosses Kino.

41 Personen, ein Hoffnungsträger: Bei YB ist in diesen Tagen der Trainer der Star. Christian Gross (ganz rechts) hat bei den Young Boys Aufbruchstimmung und Euphorie erzeugt.

41 Personen, ein Hoffnungsträger: Bei YB ist in diesen Tagen der Trainer der Star. Christian Gross (ganz rechts) hat bei den Young Boys Aufbruchstimmung und Euphorie erzeugt.
Bild: Andreas Blatter

Beitrag von Telebärn

Nachwuchschef Piserchia und Förderung der Talente

YB strebt im Nachwuchsbereich unter dem neuen Chef Erminio Piserchia Verbesserungen an – und nimmt Veränderungen vor.

Hansruedi Hasler, der Technische Direktor der Young Boys, informierte am Dienstag über mehrere Angelegenheiten im Nachwuchsbereich. So wird Erminio Piserchia, bis im Sommer fast acht Jahre YB-Assistenztrainer, als neuer Nachwuchschef des Vereins installiert – er ersetzt Stefan Freiburghaus. Hasler erwähnte, der Nachwuchschef werde in Zukunft ganz anders arbeiten als bisher. «Wir setzen den Schwerpunkt im Nachwuchsbereich neu und anders», sagte Hasler. «Der Nachwuchschef zum Beispiel gehört auf den Platz. Er soll an den Trainings der Juniorenteams dabei sein und sie analysieren», erklärte Hasler, «und er soll unsere Talente enger führen und betreuen.» Am 25.Juli startet der Trainingsbetrieb im YB-Nachwuchs. «Bis dahin haben wir noch einiges zu erledigen», sagte Hasler.

Ein Ziel der Young Boys ist es ja, wieder mehr Nachwuchsnationalspieler zu haben. In Zukunft wird es pro Woche ein oder zwei zusätzliche Trainingseinheiten für die grössten Talente geben. Dazu zählen auch einige Kaderspieler der ersten Mannschaft wie François Affolter, Nassim Ben Khalifa, Moreno Costanzo oder der Tscheche Jan Lecjaks, die zuletzt an der U-21-EM teilnahmen – aber auch die erst seit kurzem 19 Jahre alten Matteo Tosetti, Ezgyan Alioski, Freddy Mveng oder Pascal Doubai. «Wir haben viele gute, junge Spieler, deren Entwicklung noch nicht am Ende ist», sagte Hasler.

Christian Gross hier, Christian Gross da, Christian Gross schier überall! Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine Zeitung ein ausführliches Interview mit dem neuen YB-Trainer publiziert. In Rekordzeit ist Gross zum neuen alten und vor allem schlagzeilenträchtigen Liebling des Boulevards avanciert. Am Dienstag erscheint er kurz vor 12 Uhr auf dem Kunstrasen des Stade de Suisse. Es ist ein wunderbarer Sommertag, die Sonne brennt, die Glatze des Trainers glänzt, beinahe erhält man den Eindruck, ein Heiligenschein schwebe über dem Kopf des Zürchers.

Es ist YB-Fototermin, und Gross, in Bern wie ein Messias empfangen, ist gut gelaunt. Natürlich ist er gut gelaunt! Mit seiner Energie reisst er den gesamten Verein mit, das unbedingte Leistungsdenken hat auf allen Ebenen im Betrieb Einzug gehalten. Euphorisch begrüsst Gross die bereits anwesenden Medienvertreter, er platziert flotte Sprüche, schüttelt fleissig Hände und klatscht plötzlich in seine eigenen. «Hopp YB!», ruft er laut und eilt mit durchgestrecktem Rücken zur Mittellinie, wo die YB-Familie abgelichtet wird.

41 Personen stehen alsbald bereit zum Teamfoto, es ist ein imposantes Bild. 27 Fussballer figurieren im YB-Kader, Gross findet, das sei die obere Grenze: «Aber es wird noch zu Wechseln kommen.» Ammar Jemal ist am Dienstag nicht in Bern, er sucht einen Verein, und auch bei Emiliano Dudar, einem anderen ausländischen Verteidiger, stehen die Zeichen auf Trennung. Gross hat dem Argentinier gesagt, er sei in der zentralen Abwehr bloss die Nummer 4 hinter Alain Nef, Dusan Veskovac und François Affolter. Weil aber Hassan Lingani mit einer schweren Beinverletzung mal wieder über ein halbes Jahr verletzt ausfällt und das Versprechen Adriano De Pierro vermutlich an Nyon ausgeliehen wird, könnte YB auf dem Transfermarkt noch einmal einen Abwehrspieler posten. Es gibt noch viel zu tun für YB und Gross, die Erwartungen sind gewaltig, 15200 verkaufte Dauerkarten sind ein neuer Rekordwert. «Die Angewöhnungsphase verlief gut, die Vorbereitung war ein Erfolg», sagt Gross. «Aber wir haben bereits 7 neue Spieler im Kader. Und für mich sind ja eigentlich bis auf David Degen, den ich aus Basel kenne, alles neue Spieler.»

Auch an der Medienkonferenz, nach dem Fototermin, ist Christian Gross gross in Form. Er zitiert ausführlich Statistiken («Wir wollen besser werden und mehr als 40 Prozent der Spiele gewinnen»), er möchte den Gegentoreschnitt von 1,4 pro Partie massiv senken, er nennt energisch seine Schlagworte, will also «bewusst» agieren, «dominant» auch und vor allem: «resultatorientiert». Man vernahm zuletzt, Gross störe es, stehe auf der Resultattafel des alten Wankdorfs, die auf dem Vorplatz des Stade de Suisse aufgestellt ist, ein 1:1 als Resultat. So endete die letzte Begegnung, YB - Lugano, im Kultstadion. Zu Gross würde ein 1:0 passen, ganz sicher aber nicht ein 3:2 oder 4:3.

Vollprofi Christian Gross hat anscheinend alles im Griff. Und wenn er sagt, es wäre schön, würde im Winter wieder ein Naturrasen im Stade de Suisse verlegt, kann man davon ausgehen, dass YB in der Rückrunde nicht mehr auf Kunstrasen spielen wird. Sein Wort ist bei den Young Boys Gesetz. Laut Hansruedi Hasler, dem Technischen Direktor, steht YB in interessanten Gesprächen, um in Schönbühl, in Bolligen oder im Bottigenmoos Trainingsfelder zu bauen.

Manchmal ist es ein echtes Erlebnis, Christian Gross zuzuhören. So schafft er es in einer Antwort, die Konkurrenz zu analysieren: Er spricht von der «hohen Spielkultur» bei den Aufsteigern Servette und Lausanne und von Xamax als «grossem Unbekannten»; er schwärmt von Sion mit dem umtriebigen Präsidenten Christian Constantin; er glaubt, dass in Luzern und Thun mit den neuen Stadien Euphorie herrschen werde; er sieht Zürich als gefestigte, starke Mannschaft und Basel dank der Erfahrung als Titelfavoriten. Später, mitten in einer Antwort auf Französisch, fällt ihm ein, dass er die Grasshoppers zuvor bei der Aufzählung der Gegnerschaft vergessen hat, lobt also flugs im Dialekt GC-Coach Ciriaco Sforza, ehe er auf Französisch wieder zur Frage Stellung nimmt, warum die Aufgabe bei YB vielleicht seine grösste Herausforderung sei. Gross kennt und schätzt den Druck.

Noch ist vieles rosig bei YB und die Hoffnung riesig. Alles ist schön in der Vorfreude, alles ist gut. Am Samstag folgt das Startspiel gegen Basel, eine Woche später geht es nach Sion. Es sind erste Bewährungsproben für das neue, grosse YB. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.07.2011, 07:16 Uhr

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5 Kommentare

daniel hofer

13.07.2011, 09:17 Uhr
Melden 8 Empfehlung

..."grosses Kino" trifft den Nagel auf den Kopf. Aber irgendwie habe ich als langjähriger gemässigter YB- und Thun-Fan ein mulmiges Gefühl in Sachen Gelb-Schwarz. Es wird zu ganz einfach viel zu viel angekündigt. Also: erstmal den FC Thun schlagen, und dann sehen wir klarer. Antworten


Mike Kaufmann

13.07.2011, 19:44 Uhr
Melden

Ich bin sehr glücklich das der Chrigu endlich Trainer ist bei YB. Er sagt es ja mehr als deutlich das wir agressiver und unsere Schüchternheit ablegen müssen ! Ich bin fest davon überzeugt, das die Spieler noch mehr zugelegt haben als vorher. Ich sehe doch 2 Abgänge im Winter auf sicher. 1) Dudar ist einfach nicht mehr derselbe als vor dem Zusammenprall und Raimondi, nicht mehr YB tauglich ! Antworten



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