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Frei vermeidet Missverständnis

Von Alexander Wäfler. Aktualisiert am 07.09.2010

Alex Frei hat sich einen Tag vor dem Spiel gegen England nicht aufs Glatteis führen lassen. Scott Sutter aber steckt im Dilemma.

Der dreifache Alex Frei: Der Captain des Nationalteams steht im Teamhotel in Feusisberg  neben zwei Wiedergängern aus Karton.

Der dreifache Alex Frei: Der Captain des Nationalteams steht im Teamhotel in Feusisberg neben zwei Wiedergängern aus Karton.
Bild: Keystone

Im Mannschaftshotel in Feusisberg wird Alex Frei am Montag von einem englischen TV-Team gebeten, auf Englisch Stellung zu nehmen zum bevorstehenden EM-Qualifikationsspiel gegen England von heute Abend. Obwohl der Captain des Schweizer Nationalteams gut Englisch spricht, lehnt er die Bitte ab. Auch als sie ein zweites und ein drittes Mal angebracht wird. Der Routinier weiss, die Aussagen in einer Fremdsprache könnten ihm falsch ausgelegt werden. Gerade in den englischen Medien, die für ihren unzimperlichen Stil bekannt sind. «Ich weiss doch, wie das bei euch läuft», sagt er. Frei hat keine Lust, sich erneut einem Kreuzfeuer von der Insel ausgesetzt zu sehen. Sechs Jahre ist es her, seit der Stürmer an der EM in Portugal Englands Mittelfeldspieler Steven Gerrard in den Nacken spuckte und die «Spuckaffäre» ihren Lauf nahm. «Ich wurde dafür bestraft, jetzt soll das kein Thema mehr sein», sagt Frei.

Vergleich mit Dortmund

20 Minuten lang gibt Frei am Tag vor dem Start zur Qualifikation für die EM 2012 Interviews. Gut gelaunt ist er. Die Pfiffe des St.Galler Publikums am Freitag, nach seinem verschossenen Penalty gegen Australien, sind kein Thema mehr. Lieber lässt er die Anwesenden an der Vorfreude auf das Spiel teilhaben, das in seinem Heimstadion, dem Basler St.-Jakob-Park stattfindet. «Es wird grossartig», sagt Frei, «Englands Nationalteam umgibt diese Aura, es verkörpert etwas Spezielles.» Von Druck, der auf ihm laste, will der FCB-Angreifer nichts wissen: «Als ich noch für Dortmund spielte, war der Druck vor einem Derby gegen Schalke viel grösser als jetzt vor Schweiz - England.»

Die Favoritenrolle schiebt Frei dem Gast zu. Die Engländer seien ein kraftvolles Team, das im Angriff mit den Stürmern Wayne Rooney und Jermain Defoe über viel Geschwindigkeit verfüge. «Aber wir werden wie gegen Australien zu Chancen kommen. Und dass wir eine Mannschaft sind, die zu einem Exploit fähig ist, haben wir mehrfach bewiesen.» Er selber will heute sein erstes Tor für die Schweiz seit dem 9.9.2009 erzielen.

Sutter wird nicht singen

Was Frei nicht tut, erledigt in Feusisberg Scott Sutter: Der Aussenverteidiger gibt ausführlich auf Englisch Auskunft. Angst vor Missverständnissen hat er keine, schliesslich hat er bis er 16 Jahre alt war, als Sohn eines Schweizer Vaters und einer englischen Mutter, in London gelebt. 2006 trat Sutter aus der Schweizer U-21-Auswahl zurück und sagte, er wolle künftig für England spielen. Nun gehört Sutter erstmals zum Aufgebot des Schweizer A-Teams, gegen Australien gab er während 45 Minuten sein Debüt. Den Entscheid von damals hat der 24-Jährige schon vor längerem überdacht. Es sei gut, wie es gekommen sei, sagt er. «Mittlerweile lebe ich seit über acht Jahren in der Schweiz. Hier bin ich Profi geworden. Ich verdanke dem Schweizer Fussball sehr viel, und ich freue mich deshalb, für das Nationalteam zu spielen.» In der Startformation wird Sutter heute Abend kaum stehen. Im Dilemma steckt der englisch-schweizerische Doppelbürger vor Spielbeginn aber trotzdem, und zwar, wenn die beiden Nationalhymnen gespielt werden. Sutter hat sich aber bereits eine Lösung zurechtgelegt. «Ich werde wohl am besten stumm bleiben», sagt er und schmunzelt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.09.2010, 07:45 Uhr

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